29/08 > 20/09/2020

Slowenischer Doppelsieg in Laruns

Das Pyrenäenwochenende hatte es in sich. Zweimal faszinierender Radsport im Hochgebirge. Gestern noch ein Ausreißer-Erfolg und dann der Schlagabtausch der Besten auf dem Peyresourde. Auch heute wollten es die Favoriten wissen. Lange bestimmte Marc Hirschi mit toller Alleinfahrt die Etappe, um am Ende knapp von Pogacar und Roglic, dem neuen Träger des Gelben Trikots, geschlagen zu werden. Insbesondere nach diesen Anstrengungen haben sich die verbliebenen 167 Fahrer den Ruhetag mehr als verdient. 

Trotz der gestrigen Anstrengungen startete das Peloton mit 168 Fahrern schwungvoll in die zweite Pyrenäen-Etappe von Pau nach Laruns. Doch das Feld ließ lange keinen Ausreißversuch zu. Gleichwohl holte sich der Träger des Bergtrikots, Benoit Cosnefroy, nach 9,5 km auf dem Arteguelouve den einen zu vergebenden Punkt. Das Stundenmittel von 48,2 km höher als der schnellste Schnitt. Deshalb kam im von Jumbo-Visma kontrollierten Feld erst auf den ersten Rampen zum Col de la Hourcère (1. Kategorie) so etwas wie eine Ausreißergruppe zustande. Das hohe Tempo forderte erste Verluste im Feld der Favoriten, aus dem nicht nur die Sprinter zurückfielen - Fabio Aru hatte schon früh abreißen und kurz danach sogar aussteigen müssen. Fahrer von Bora-hansgrohe häufig vorne - vor allem Lennard Kämna. Doch als Marc Hirschi die Gangart verschärfte, konnte er dessen Hinterrad nicht halten. Seine neue Heimat für viele Kilometer die Verfolgergruppe mit Barguil, Formolo etc.. Pinot, anfangs auf den ersten Plätzen, hatte sich wohl übernommen - zurück ins Hauptfeld mit ca. 30 Fahrern.

Marc Hirschi alleine „oben und unten“ vorne

Den Pass auf 1.440 m Höhe überquerte Hirschi mit über einer Minute Vorsprung vor seinen Verfolgern und etwa eineinhalb Minuten vor dem Hauptfeld. Auf der zuvor schon feuchten Straße mussten die Fahrer im Nebel in der kurzen Abfahrt besonders aufpassen, bevor die nächste Kletterei auf den 100 m höheren Col de Soudet (3. Kategorie) zu bewältigen war. Die Abstände zwischen dem Führenden, den Verfolgern (u.a. Kämna und Barguil) und dem Feld mit Roglic & Co an der Spitze wuchsen an. Das Team von Adam Yates wollte oder konnte die Kontrolle nicht übernehmen. Auf dem Soudet lag Hirschi knapp zwei Minuten vorne. Er beherrschte auch diese längere Abfahrt im Nebel bei jetzt nur noch 11 Grad und baute seinen Vorsprung weiter aus. In der zweiten Rennstunde legte er 27,6 km zurück, d.h. ein Stundenmittel von 37,9 km seit Pau. Auf trockener Straße nahm Hirschi auch die Wertung beim Zwischensprint mit. 

Allein gegen alle

Noch vor dem vierten Berg des Tages, dem Col d’Ichère (3. Kategorie), hatte das Feld die Verfolgergruppe um Kämna geschluckt. Allein gegen alle nahm Hirschi mit 4:30 Minuten Vorsprung die letzten 40 km in Angriff. Im Peloton machte Jumbo-Visma weiter die Pace. Im Anstieg auf den Col de Marie Banque über 1.000 m schmolz der Vorsprung auf 2’30“; gleichzeitig konnte Emanuel Buchmann das Tempo der Favoriten nicht mehr mitgehen und muss wohl alle Hoffnung auf das Gesamtklassement begraben. Yates am Hinterrad von Roglic. Auf den letzten Kilometern Passagen von 12 und 13 Prozent. Attacken der Favoriten Pogacar, Roglic, Bernal, Landa und Porte, die sich lange neutralisiert hatten. Yates jetzt doch in Schwierigkeiten. Bardet, Martin, Quintana und Uran verloren den Kontakt.

Dramatisches Finale mit Sekunden-Entscheidung

Hirschi behauptete 35 Sekunden Vorsprung auf dem Berg, den Sprint zur Passhöhe gewann Roglic als Zweiter vor Pogacar, der fast noch mit seinem Landsmann zusammengestoßen wäre - gerade noch gut gegangen. Fünf Sekunden Bonus für Roglic und damit virtuell in Gelb; zwei für Pogacar.  Hinter den beiden Slowenen Landa und Bernal, dann Bardet. In der Abfahrt sank der Vorsprung weiter. Yates war da schon über eine Minute hinter seinen schärfsten Konkurrenten. Hirschi gab weiter alles. Doch vergeblich. 1,5 km vor Laruns fünf Fahrer vorne und fünf in der Verfolgung. Die Entscheidung im Zielsprint: diesmal Pogacar hauchdünn vor Roglic und Hirschi, der seine tolle Leistung nicht mit dem Etappensieg krönen konnte. Roglic in Gelb jetzt schon 21 Sekunden vor Bernal. Aber dann schon die beiden Franzosen Martin und Bardet. Ansonsten bei den Trikots keine Änderungen.

ALEX BROADWAY
ALEX BROADWAY © ALEX BROADWAY
#TDF2020 - Etappe 9 - Zusammenfassung

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