Ausgabe 2026
Geschichte
Die Formation Cofidis, die im ersten Jahr ihres Bestehens (1997) von Cyrille Guimard geleitet wird, lockt zu Beginn ihrer Geschichte die großen Namen des internationalen Radsports, die jedoch in ihren Farben bei der Tour de France nicht glänzen können: Lance Armstrong, Maurizio Fondriest, Tony Rominger, Francesco Casagrande, Frank Vandenbroucke… Der Amerikaner Bobby Julich (mit dem späten Doping-Geständnis) wird bei der Tour 1998 zwar Dritter der Gesamtwertung. Aber erst 2000, als das schottische Talent David Millar bei seinem Tour-Debüt gleich das Gelbe Trikot trägt (bezeichnenderweise im Futuroscope), beginnt ein neues Kapitel in der Teamgeschichte, und die von einem Kreditinstitut gesponserte Formation bringt Frankreich im Juli zum Strahlen.
Ein anderer David verkörpert die Langlebigkeit des Radsport-Sponsors aus dem Norden: David Moncoutié. Bei elf Tour-Teilnahmen erlebt der Kletterer die Jahre des Ruhms sowie alle Irrungen und Wirrungen von Cofidis. Er gewinnt zwei Etappen, die erste davon in Figeac in seinem Heimat-Departement Lot, was in den Tour-Annalen selten ist!
Zwischendurch verblasst der Stern von Cofidis mit dem freiwilligen Abstieg zum Zweitdivisionär 2009 und dem Verlust seiner besten Fahrer, wie Sylvain Chavanel. Der Straßenrennen-Spezialist und Sprinter Christophe Laporte fährt 2018 in einem Duell mit Arnaud Démare, wie es der französische Radsport in einem Massensprint bei der Tour de France seit Jacques Esclassan und Yvon Bertin in Saint-Amand-les-Eaux 40 Jahre früher nicht mehr erlebt hat, in Pau haarscharf am Sieg vorbei. 2019 vom Pech verfolgt, hat das inzwischen von Cédric Vasseur geleitete Team mit der Rekrutierung von Guillaume Martin im Gebirge wieder ein Wörtchen mitzureden: Bei der Tour 2020 liegt er nach den Pyrenäen und vor einem Sturz auf dem dritten Rang der Gesamtwertung und ist am Ende mit Platz 11 der bestplatzierte Franzose. Außerdem wird er bester Bergfahrer der Vuelta. 2021 steigert er sich noch: 8. Platz bei der Tour und Neunter der Vuelta. Er mag lange Ausreißversuche in halbbergigen Lagen und beherrscht den Jo-Jo-Effekt: Nach zwei Dritteln der Tour de France 2021 (14. Etappe) hängt er Tadej Pogacar an den Fersen, nur um am Tag darauf zurückzufallen und auf einer Abfahrt den Anschluss an die Spitze zu verlieren.
Aber seine konstant hohe Leistung ist vorbildlich. Als er 2022 nach der Hälfte der Tour durch einen positiven Covid-19-Test schachmatt gesetzt wird, mischen stattdessen Simon Geschke (lange im Gepunkteten Trikot) und Benjamin Thomas (der in Carcassonne haarscharf den Etappensieg verpasst, als er weniger als 500 Meter vor dem Ziel eingeholt wird) das Peloton auf. Guillaume Martin fährt bei der Tour 2023 am Ende als zweitbester Franzose auf den 10. Platz der Gesamtwertung, aber die Geschichtsbücher berichten vor allem, dass Cofidis nach 15 Jahren endlich wieder auf Erfolgskurs fährt. Der Schneid von Victor Lafay, der auf dem letzten Kilometer der zweiten Etappe in San Sebastián der Meute – und vor allem Wout van Aert – davonfährt, gefällt den Freunden großer Emotionen. Und weil ein „Glück“ ja selten allein kommt, wiederholt die Formation aus dem Norden Frankreichs ihren Erfolg im Beaujolais mit dem unkaputtbaren Ion Izagirre, der schon in seinen Dreißigern ist. Sie tritt 2024 ins Glied zurück, mit derselben Zuverlässigkeit wie Guillaume Martin, der als Zwölfter (und bester Franzose) ins Ziel kommt, es aber schließlich leid wird und zu Groupama-FDJ wechselt. Die Sprinttruppe erreicht hingegen mit dem siebten Platz von Bryan Coquard in Nîmes ihr bestes Ergebnis...
Der Auftritt von Cofidis bei der Tour de France bleibt mit einem 30. Platz in der Gesamtwertung für seinen Kapitän Emanuel Buchmann und nur zwei Platzierungen in den TOP 10 der Etappen – Bryan Coquard wird Siebter in Châteauroux und Dylan Teuns Zehnter in Paris – eher blass. Die größte Medienaufmerksamkeit gilt dem Sturz von Benjamin Thomas und Mattéo Vercher, seinem Mitstreiter in einer Ausreißergruppe, die am Mont Cassel im Sprint um das Gepunktete Trikot zu Boden gehen.
- Finalsieg0
- Etappensiege12
- Gelbe Trikots5
- Sonstige gewonnene Rennen3
Gesamtsiege: 0
Podiumsplatzierungen: 1
- 1998: Bobby Julich, Dritter
Etappensiege: 12
- 1997: Laurent Desbiens in Perpignan (nach Disqualifizierung von Sergej Uschakow)
- 2000: David Millar im Futuroscope (Zeitfahren)
- 2002: David Millar in Béziers
- 2003: David Millar in Nantes (Zeitfahren)
- 2004: Stuart O’Grady in Chartres; David Moncoutié in Figeac
- 2005: David Moncoutié in Digne-les-Bains
- 2006: Jimmy Casper in Straßburg
- 2008: Samuel Dumoulin in Nantes; Sylvain Chavanel in Montluçon
- 2023: Victor Lafay in San Sebastián; Ion Izagirre in Belleville-en-Beaujolais
Siege in anderen Wertungen: 3
- 1998: Christophe Rinero (bester Kletterer); Mannschaftswertung
- 2008: Sylvain Chavanel (kämpferischster Fahrer)
Gelbe Trikots: 5
- 1998: Laurent Desbiens, zwei Tage
- 2000: David Millar, drei Tage
TEILNAHMEN: 29 (ununterbrochen seit 1997)
DIE ZAHL
15: Die Anzahl der Jahre in Folge ohne Etappensieg.
MEILENSTEINE
- 1. Juli 2000: Dem jungen David Millar gelingt mit seinem Sieg im Eröffnungszeitfahren im Futuroscope bei der ersten Tour im neuen Jahrtausend eine Sensation.
- 15. Juli 2004: David Moncoutié ist einer der wenigen Fahrer, der eine Etappe in seiner Heimat gewinnen kann: Figeac im Departement Lot.
- 2. Juli 2023: Victor Lafay beendet mit einem Coup auf der Zieleinfahrt in San Sebastián die 15-jährige Durststrecke seit dem letzten Etappensieg von Cofidis (Sylvain Chavanel in Montluçon 2008).
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