Houles emotionaler erster Sieg

Tour de France 2022 | Etappe 16 | Carcassonne > Foix

Diese Etappe hat alles gehalten, was sie versprochen hat: Ausreißer mit Biss und Erfolg: Als ehemaliges Mitglied einer großen Fluchtgruppe siegte Hugo Houle als Solist und zugleich kämpferischster Fahrer. Simon Geschke baute seine Führung in der Bergwertung taktisch geschickt und mit großem Kämpferherzen aus. Der zweimalige Tour-Sieger Tadej Pogacar attackierte dreimal seinen Rivalen um Gelb. Doch wie ein Schatten blieb Jonas Vingegaard an seinem Hinterrad. Folglich keine Änderungen bei den Trikotträgern. Aber in der Top ten!

Highlights - Stage 16 - #TDF2022

Covid hat erneut für das Aus einiger Fahrer gesorgt: Mikael Chérel, Aurélien Paret-Peintre (beide AG2R) und Max Walscheid (wie Simon Geschke Cofidis); außerdem nicht am Start verletzt oder krank: Lennard Kämna (Bora) und Jakob Fuglsang (IPT). 147 folglich am Start in Carcassonne. Flottes einrollen und dann doch erste Attacken einer großen Gruppe. Mit Geschke, Vlasov und Großschartner. Von UAE hatte es McNulty in die Gruppe geschafft ebenso wie van Aert und van Hooydonk (beide TJV). An der Côte de Saint-Hilaire (4. Kategorie) holte Bissegger (EFE)einen Punkt. Das Feld bummelte mit über 5’ Abstand. Allein im Anstieg zum zweiten Berg des Tages, dem Espinas (3. Kategorie), kassierte Gougeard 2 Punkte und Bissegger einen. Geschke sparte clever weitere Körner. Die Strecke blieb hügelig in Annäherung der Sprintwertung in Lavenalet (km 67,8). Hier ließ sich van Aert von Nils Eekhoff (DSM) überraschen. Er schnappte dem Mann in Grün die maximale Punktzahl und die Prämie (1.500 €) weg. Als Zweiter erhöhte van Aert sein Punktekonto um weitere 17. Das Feld fuhr 6’40’’ später über die Sprintmarke.

Abteilung Attacke mit Tadej Pogacar

Zweimal Höchstleistung erforderten die beiden „Einser“-Berge. Noch hielt sich das große Feld bedeckt - fast 8’ trennten den Gelben vom Grünen. Dort gab es zu Beginn des Anstiegs zum Port de Lers erste Attacken. Caruso vorne, Großschartner und andere mussten abreißen lassen. Woods und Storer fuhren zu Caruso auf; eine weitere Minute dahinter der Rest der Gruppe. Das Feld jetzt 8’30’’ hinter dem Trio. Dennoch wurden erste Fahrer wie Degenkolb und Schachmann abgehängt. Geschke kämpfte sich an die Spitze der Verfolger und sorgte für den Zusammenschluss mit den Dreien. Für Vlasov wurde es zu schwer, er verlor den Kontakt. Im Peloton griff Movistar mit Kapitän Enric Mas an. In der Spitzengruppe drückte der Mann im Bergtrikot aufs Gas und holte sich souverän die 10 Punkte vor van Aert. Mas und Meintjes mussten etwas tun, weil Vlasov ihre Plätze in der Gesamtwertung bedrohte. Und plötzlich attackierte Pogacar im Anstieg auf den Lers. Vingegaard konterte. Als beide einige Tritte ausließen, griff Gaudu an, Thomas setzte nach. Vorne kam Vlasov der Spitze wieder näher. Kaum über den Berg erhöhte Pogacar den Druck in der Abfahrt. Doch der Schatten des Gelben blieb. Die beiden ließen Thomas und ihre Teamkollegen danach wieder aufschließen.

Mehr Spannung um die Positionen hinter dem Führungsduo

Nach dem Lers die Kletterpartie zur Mur de Péguére mit Passagen von 16 und 18 % auf einer schmalen Paßstraße. 40 km vor dem Ziel in Foix wieder 10 Mann vorne. Mit Geschke, Vlasov und van Aert. Bardet hatte den Kontakt zu den Favoriten zunächst wieder hergestellt. An der Spitze gewann Hugo Houle einige Längen. Und setzte seine Alleinfahrt fort. Auf der rauen und engen Straße kam ein Trio mit Storer, Woods und Jorgenson näher. Kaum haben die Favoriten diesen „Radweg“ erreicht, beschleunigte UAE mit Majka und Pogacar. Wieder fiel Bardet zurück. Gaudu ebenfalls. Die höchsten Steigungsprozente kamen erst noch. Vorne Houle immer noch mit 30’ Vorsprung, jetzt vor Woods und Jorgenson. Geschke eine Minute zurück. Die Favoriten immer noch von Majka angeführt, doch plötzlich ein Tritt ins Leere - Kette gerissen. Sepp Kuss übernahm die Führung der Mini-Favoriten-Gruppe. Zu denen Quintana gehörte. Vorne überfuhr Geschke als Fünfter die Mauer von Péguére und eroberte weitere 2 Punkte! Die Favoriten folgten im Abstand von 6’. In der Abfahrt jetzt mit Unterstützung von van Aert und McNulty. 

Hugo Houle ließ sich nicht beirren; Alexander Vlasov jetzt 8.

In der Abfahrt schaffte David Gaudu mit halsbrecherischer Fahrt den Zusammenschluss mit der Favoritengruppe. Sturz von Jorgenson, dem ambitionierten Verfolger von Houle. Geschke sparte Körner für die morgige Pyrenäen-Etappe. Er hatte sein Ziel erreicht, die Führung sogar ausgebaut. Hugo Houle holte den ersten Sieg seiner Karriere: "Ich habe noch nie ein Rennen gewonnen. Ich denke, das hier ist der richtige Ort dafür", so der Kanadier, der kurz darauf emotional wurde: "Ich hatte den Traum, eine Etappe für meinen Bruder zu gewinnen, der starb, als ich Profi wurde. Darum ist diese hier für ihn."

Um Platz 2 gab es hinter dem Kanadier Houle doch noch einen Dreikampf, den Madouas für sich entschied vor Woods und Jorgenson. Vlasov 6. und Geschke 8. dieser schweren Etappe. Die Favoriten 6’ später, Yates und Meintjes erst nach über 7’.  Damit rückt Vlasov auf Platz 8 in der Gesamtwertung vor. Gaudu jetzt 5. hinter Quintana, Bardet fällt auf Platz 9 zurück.

Morgen die zweite Pyrenäen-Etappe mit der Bergankunft in Peyragudes. 

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