Ausgabe 2023
Geschichte
Dieses Kapitel der Geschichte beginnt im neuen Jahrtausend, als Patrick Lefevere Ende 2000 Mapei verlässt, um seine eigene Formation zu gründen. Diese heißt zunächst Domo, ab 2003 dann Quick Step, und wird von verschiedenen Co-Sponsoren unterstützt. Inzwischen gehört die Equipe dem tschechischen Milliardär Zdeněk Bakala, der Hauptanteilseigner ist.
Die Zusammensetzung der belgischen Formation, die sich auf die Klassiker spezialisiert, zielt nie auf die Gesamtwertung der Tour de France ab. Ihr bestes Ergebnis ist der 11. Platz von Michal Kwiatkowski 2013, bis Dan Martin 2016 auf den 9. Platz und 2017 auf den 6. Platz fährt und die Latte höherlegt. Julian Alaphilippe gelingt 2019 mit seinem 5. Platz eine schöne Überraschung. Trotzdem schafft sie es immer wieder, im Juli von sich reden zu machen, weil sie gern beliebte französische Fahrer in den Kader holt. Lefevere bereut es nicht, Richard Virenque nach dessen Suspendierung 2001 die Hand gereicht zu haben, denn ihm gelingt es ein Jahr später, am Anstieg zum Mont Ventoux die Stars in Schach zu halten. Im Jahr des 100-jährigen Bestehens übernimmt er elf Jahre nach seinem Tour-Debüt in Morzine noch einmal das Gelbe Trikot. Bei Quick Step vervollständigt er 2004 seine Sammlung von sieben Bergwertungsgesamtsiegen und seine französischen Nachfolger im belgischen Rennstall lassen sich auch nicht lumpen, denn Cédric Vasseur und Sylvain Chavanel holen Etappensiege bei der Tour.
Julian Alaphilippe ist ihr würdiger Nachfolger. Als Sieger von La Flèche Wallonne 2018, 2019 und 2021 und Mailand-Sanremo 2019 gewinnt er bei der Tour 2018 jeweils die erste Etappe in den Alpen und den Pyrenäen sowie die Bergwertung. Die Formation hat zuvor schon einen fulminanten Einstieg hingelegt: zwei Sprintsiege durch Fernando Gaviria, dem zweiten kolumbianischen Träger des Gelben Trikots nach Victor Hugo Peña 2003. Abgesehen von Elia Vivianis Sieg in Nancy, der damit die Tradition der italienischen Erfolge in der lothringischen Stadt fortsetzt, steht 2019 Julian Alaphilippe im Rampenlicht. Mit einem Etappensieg in der Champagne und als erster französischer Sieger eines Einzelzeitfahrens bei der Tour seit 32 Jahren (Jean-François Bernard am Mont Ventoux 1987) wird er als möglicher Anwärter auf den Gesamtsieg gehandelt, auch wenn das nicht sein ursprüngliches Ziel ist. In den Alpen schmilzt sein Vorsprung jedoch dahin. Alaphilippe übernimmt 2020 nach seinem Sieg in Nizza drei Tage lang das Gelbe Trikot, bevor er sich auf das Regenbogentrikot des Weltmeisters konzentriert. Dabei stellt er sich in den Dienst von Sam Bennett, der wie vor ihm Tom Boonen (2007) zwei Etappensiege und das grüne Trikot in Paris für die belgische Formation holt, die seit zwanzig Jahren eine feste Größe im Feld ist! Das Team zeigt sich 2021 wieder schlagkräftig: zu Beginn holt Julian Alaphilippe einen Etappensieg, gefolgt von vier weiteren für Mark Cavendish, der von Michael Morkov perfekt herangeführt wird. So kann der größte Sprinter aller Zeiten mit Eddy Merckx gleichziehen, der bis dato den Rekord in Sachen Etappensiege bei der Tour de France (34) hält. Er verpasst jedoch die Chance, auf den Champs-Elysées in der Statistik vorbeizuziehen und verliert 2022 seinen Platz an Fabio Jakobsen, der nach seinem furchtbaren Unfall bei der Tour de Pologne 2020 zurückkehrt, um drei Etappensiege und die Punktewertung der Vuelta 2021 einzuheimsen… und dann der erste Massensprint der in Kopenhagen gestarteten Tour de France am Tag nach dem Überraschungssieg von Yves Lampaert im Eröffnungszeitfahren. Der Sieg lässt vergessen, dass Weltmeister Julian Alaphilippe nicht dabei ist. In diesem Jahr wird das große Comeback des Franzosen erwartet, damit der Ruhm von Patrick Lefeveres Team länger als zwei Tage andauert.
- Finalsieg0
- Etappensiege50
- Gelbe Trikots30
- Sonstige verdientes Rennen0
Gesamtsiege: 0
Podiumsplätze: 0
Etappensiege: 50
- 2002: Richard Virenque am Mont Ventoux
- 2003: Richard Virenque in Morzine; Servais Knaven in Bordeaux
- 2004: Tom Boonen in Angers und in Paris; Richard Virenque in Saint-Flour; Juan Miguel Mercado in Lons-le-Saunier
- 2005: Tom Boonen in Les Essarts und in Tours
- 2006: Matteo Tosatto in Mâcon
- 2007: Gert Steegmans in Gent; Tom Boonen in Bourg-en-Bresse und in Castres; Cédric Vasseur in Marseille
- 2008: Gert Steegmans in Paris
- 2010: Sylvain Chavanel in Spa und in Les Rousses
- 2013: Mark Cavendish in Marseille und in Saint-Amand-Montrond; Tony Martin am Mont-Saint-Michel; Matteo Trentin in Lyon
- 2014: Matteo Trentin in Nancy; Tony Martin in Mülhausen und in Périgueux
- 2015: Tony Martin in Cambrai; Zdeněk Štybar in Le Havre; Mark Cavendish in Fougères
- 2016: Marcel Kittel in Limoges
- 2017: Marcel Kittel in Lüttich, Troyes, Nuits-Saint-Georges, Bergerac und Pau
- 2018: Fernando Gaviria in Fontenay-le-Comte und Sarzeau; Julian Alaphilippe in Le Grand Bornand und Bagnères-de-Luchon
- 2019: Julian Alaphilippe in Épernay und Pau; Elia Viviani in Nancy
- 2020: Julian Alaphilippe in Nizza; Sam Bennett in St-Martin-de-Ré und Paris
- 2021: Julian Alaphilippe in Landerneau; Mark Cavendish in Fougères, Châteauroux, Valence und Carcassonne
- 2022: Yves Lampaert in Kopenhagen; Fabio Jakobsen in Nyborg
Siege in anderen Wertungen: 9
- 2003: Richard Virenque (bester Kletterer)
- 2004: Richard Virenque (bester Kletterer und kämpferischster Fahrer)
- 2007: Tom Boonen (Punktewertung)
- 2010: Sylvain Chavanel (kämpferischster Fahrer)
- 2018: Julian Alaphilippe (bester Kletterer)
- 2019: Julian Alaphilippe (kämpferischster Fahrer)
- 2020: Sam Bennett (Punktewertung)
- 2021: Mark Cavendish (Punktewertung)
Gelbe Trikots: 30
- 2003: Richard Virenque, ein Tag
- 2006: Tom Boonen, vier Tage
- 2010: Sylvain Chavanel, zwei Tage
- 2015: Tony Martin, drei Tage
- 2018: Fernando Gaviria, ein Tag
- 2019: Julian Alaphilippe, vierzehn Tage
- 2020: Julian Alaphilippe, drei Tage
- 2021: Julian Alaphilippe, ein Tag
- 2022: Yves Lampaert, ein Tag
TEILNAHMEN: 22 (seit 2001)
DIE ZAHL
14: Die Anzahl der Tage, die Julian Alaphilippe 2019 im Gelben Trikot fährt – ein französischer Rekord bei der Tour de France seit Bernard Hinaults Tagen (1985).
MEILENSTEINE
12. Juli 2003: Im 100. Jahr der Tour de France gelingt es Richard Virenque, sich in Morzine ein barockes Trikot zu sichern: zur Hälfte gelb, zur Hälfte gepunktet… denn er sichert sich beide Wertungen, zusätzlich zum Etappensieg.
5. Juli 2006: Weltmeister Tom Boonen durchquert auf dem Höhepunkt seiner Karriere Belgien im Gelben Trikot (von Huy bis Saint-Quentin), nachdem er sich in Valkenburg an die Spitze der Gesamtwertung setzt.
7. Juli 2018: Quick Step Floors führt Fernando Gaviria in Fontenay-le-Comte zum Sieg und schenkt Kolumbien seinen zweiten Träger des Gelben Trikots.
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