Auch ohne dass die großen Tour-Favoriten bei der heutigen Etappe eine entscheidende Rolle spielten, blieb es bis zum Ziel in Foix megaspannend - für die Ausreißer, die sich auf allen Terrains einen heißen Fight lieferten. Die numerische Überlegenheit der unter deutscher Leitung fahrenden Mannschaft Lidl-Trek half alle Attacken der Konkurrenten abzuwehren, so dass Mads Pedersen einen überlegenen Sieg einfahren konnte. Neben Grün eroberten die Ausreißer Gelb durch Torstein Træen und Weiß durch Mathias Vacek. Alex Baudin hatte ein bisschen Glück, dass er sein Bergtrikot verteidigen konnte.
Bei annähernd 40 Grad verdiente die vierte Etappe mit den Pyrenäen im Hintergrund die Bezeichnung „Tour der Leiden“. Dennoch attackierten die ersten Fahrer unmittelbar nach der Startfreigabe. Zunächst stark umkämpft entwickelte sich daraus mit dem OK von UAE und TVL und ihrer Kapitäne Pogacar und Vingegaard eine große Fluchtgruppe unter Kontrolle - wie gehabt - von Nils Politt, so dass der Abstand sich bei etwas mehr als drei Minuten einpendelte. Zu den 34 erfolgreichen Ausreißern gehörten Fahrer der beiden deutschen Teams Red Bull-Bora-hansgrohe (mit Nico Denz) und Lidl-Trek sowie Georg Steinhauser (EFE) und Georg Zimmermann (LOI).
Molenaar obenauf, Girmay schnellster, Pedersen virtuell in Grün
Bei Kilometer 48,2 stand mit dem Col de Bedos (4. Kategorie) das erste Hindernis im Weg. Trotz der Bemühungen der Mannschaftskameraden von Felix Baudin sicherte sich sein Vorvorgänger als Träger des Bergtrikots, Alex Molenaar (CJR), den einen Punkt und gleich darauf beim Col du Paradis (3. Kategorie) die zu vergebenden 2 Punkte. Steinhauser, der im Dienste seines Teamkollegen Alex Baudin Punkte holen sollte, wurde Zweiter. Wenige Kilometer vor der Sprintwertung in Quillan war der Vorsprung der Spitzengruppe auf über 4’ angestiegen. Die maximale Punktzahl von 25 ersprintete Biniam Girmay (NSN) vor Jasper Philipsen (20) und Mads Pedersen (16). Letzterer fuhr mit 53 Punkten ab sofort virtuell im Grünen Trikot. Danach stieg das Terrain sofort zum Col de Coudons (2. Kategorie) an und die beiden Sprintschnellsten aus der Fluchtgruppe aus. Das Feld mit rund 5’ Rückstand.
Torstein Træen virtuell in Gelb
Mathis Vacek (LTK) und Jan Tratnik (RBH) lösten sich aus der Fluchtgruppe und fuhren einen Vorsprung von 30’’ heraus. Mittlerweile fuhr Torstein Traeen (UXM) virtuell im Gelben Trikot, denn das Feld lag rund 6’ zurück. Die Bergwertung auf dem Coudons sicherte sich Tratnik (5 Punkte) vor Vacek (3), Molenaar (2) und Garcia Pierna (1). Alex Kirsch (COF) schloss zum Duo auf. Als Tratnik beschleunigte, setzte Vacek nach, Kirsch musste passen. Mit hohem Tempo folgte Angriff auf Angriff, so dass immer mehr Fahrer zurückfielen. Auch die drei Deutschen, von denen sich Denz noch am längsten vorne behaupten konnte. Die Bergwertung (2.Kategorie) gewann Frigo (NSN) vor Castrillo (MOV), Debruyne (APT) und Træen. Von den 34 blieben 10 übrig. Mittlerweile über 12’ vor dem Peloton und eine vor den Verfolgern.
Doppelsieg für Lidl-Trek
Dreimal Lidl-Trek, zweimal Movistar und weitere 5 Fahrer machten den Etappensieg unter sich aus. Zimmermann & Co schon 2’ dahinter. Castrillo attackierte immer wieder, so dass er die Auszeichnung kämpferischster Fahrer verdiente. Im Schlusssprint war Pedersen wie entfesselt. Die ganze Arbeit seines Teams hatte sich ausgezahlt: Etappensieg und 50 Punkte zusätzlich für das Grüne Trikot. Auch Platz 2 ging an das deutsche Team: Quinn Simons war hinter seinem Chef der Schnellste der Gruppe. Das Feld kam mit fast 13’ Verspätung in Foix an. Damit darf sich Torstein Træen als dritter Norweger der Tour-Geschichte über das Gelbe Trikot freuen. Vorne also großer Kampf, hinten Sommerfrische. Morgen wartet eine „echte“ Sprintetappe.

