Finale in Paris. Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. So auch bei der 21. Etappe der Tour de France in Frankreichs Hauptstadt. Denn die Strecke musste auf dem Weg zum Ziel kurzfristig gekürzt werden. Dennoch bleibt die Frage: Was geht mental und physisch noch bei den verbliebenen Fahrern nach fast 3.000 Kilometern zwischen Barcelona und Paris? Das Finale über den Montmartre wird wieder eher Klassikerspezialisten als Sprinter auf den Plan rufen.
Zum zweiten Mal weicht die Tour de France 2026 der Gewalt der Natur. Waren beim ersten Mal wegen der Waldbrände in Südfrankreich „nur“ die von der Strecke „verbannten“ Zuschauer betroffen, musste wegen des Abzugs der zum Kampf gegen die verheerenden Waldbrände an der Gironde benötigten Sicherheitskräfte der heutige Streckenverlauf zwischen Thoiry und Paris um die ersten rund 40 km im Departement Yvelines gekürzt werden. Die Fahrer werden nach der Startzeremonie in Omnibussen zum Start der Etappe gebracht, so dass statt der geplanten 133 km nur noch 89 in Paris gefahren werden. Der offizielle Start ist für 17:50 Uhr an der Ziellinie in Paris vorgesehen. Das Rennen beginnt mit zwei zusätzlichen Runden auf den Champs-Élysées, bevor es wie im Vorjahr auf dem ursprünglich geplanten Rundkurs über den Montmartre fortgesetzt wird. Vor der 4. Zieldurchfahrt „Haut des Champs-Élysées“ heißt es daher drei Mal Klettern über die Côte de la Butte Montmartre (Kategorie 4). Jeweils 1 km à 6,5 %. Enden wird die Etappe wie vorgesehen auf der Pariser Prachtstraße gegen 19:45 Uhr.
Gesucht wird der letzte Etappensieger der Tour
Das Prestige eines Sieges auf den Champs Élysées ist mit anderen Erfolgen kaum zu vergleichen. Allerdings hat die im vergangenen Jahr erstmals durchgeführte Streckenänderung auch neue Favoriten auf den Sieg in Paris hervorgebracht. Aus dem letzten Hurra der Sprinter wurde ein Kurs für Klassikerspezialisten. So kommt es nicht überraschend, dass Tadej Pogacar bereits seinen Hut in den Ring geworfen hat: „Wenn ich gute Beine habe und nicht zu viele Risiken eingehen muss, werde ich versuchen, den Sieg zu holen.“ Remco Evenepoel hat beste Erinnerungen an den Kurs, auf dem er 2024 Olympiasieger wurde, auch wenn die Strecke damals etwas anders verlief. Mathieu Van der Poel bringt genau das Profil mit, um solch eine Etappe zu gewinnen. In seinem Sog könnte er mit Jasper Philipsen, der zum Ende der Tour steigende Form bewiesen hat, vielleicht sogar doch einen Sprinter mitziehen. Und dann ist da natürlich noch Mads Pedersen, der völlig befreit auffahren kann und ankündigte: „Jetzt geht es nur noch um den Sieg in Paris.“ Für reine Sprinter wie Olav Kooij oder Max Kanter ist der Kurs vermutliche eine Nummer zu selektiv.
Ankommen ist ein Erfolg
Es wäre allerdings nicht das erste Mal, dass in Paris ein Überraschungssieger die Arme hochreißen kann. Frankreich wartet genauso auf den ersten Etappensieg bei dieser Tour wie die deutschen Fahrer. Immerhin können die beiden deutschen Teams - Red Bull Bora-hansgrohe und Lidl Trek - die Tour de France hoch erhobenen Hauptes mit Platz 2 in der Gesamtwertung durch Remco Evenepoel bzw. dem Grünen Trikot durch Mads Pedersen und dem Gewinn der Teamwertung verlassen. Was allein das Ankommen in Paris nach diesen dreiwöchigen Strapazen bedeutet, konnte man den Worten des am vorletzten Tag ausgeschiedenen Pascal Ackermann entnehmen. Ankommen ist für jeden somit bereits ein persönlicher Erfolg.

