In der Kürze liegt die Würze - das gilt für die heutige letzte Bergetappe der Tour de France 2021. Nur 129,7 km, allerdings im Hochgebirge, von Pau, zum 73. Mal Gastgeber der Tour, nach Luz Ardiden. Zum fünften und letzten Mal müssen die Fahrer sich in den Pyrenäen quälen. Und das nach dem gestrigen megaschweren Schlussanstieg auf den Col de Portet in über 2.000 m Höhe, bei dem viele Profis gelitten haben und das Klassement teilweise neu sortiert wurde.
Erstmal geht es sozusagen gemächlich in Pau los und bleibt so bis zur Hälfte der Gesamtdistanz. Bei km 62,7 die letzte Möglichkeit der Sprinter, beim Zwischensprint Punkte im noch nicht wirklich entschiedenen Kampf um das Grüne Trikot zu ergattern. Denn am Freitag und Sonntag gibt es noch zwei Chancen für die schnellen Männer. Doch vor der Sprintwertung in Pouzac mit leicht ansteigendem Profil stehen bereits zwei kleinere Berge im Weg: vor zwei Gipfeln der höchsten = Ehrenkategorie sind zwei der kleinsten, der 4. Kategorie, zu bezwingen: die Côte de Notre-Dame de Piétat schon nach 10 km mit einem Anstieg von 5,6 Prozent auf 2,6 km und die Côte de Loucrup nach 54 km mit 7 Prozent auf 2 km.
Danach beginnt die scheinbar unendliche Kletterpartie: erst der superschwere Aufstieg zum Tourmalet in 2.115 m Höhe über La Mongie, d.h. 17,1 km mit im Schnitt 7 % und Passagen von 10 %; kurze Abfahrt auf 750 m nach Luz Saint-Sauveur und dann die letzte ebenfalls schwere Herausforderung, der Anstieg nach Luz Ardiden in 1.726 m Höhe. Heißt 13,3 km mit im Schnitt 7,4 % und ebenfalls Abschnitten von 10 %. Eine Bergankunft, die ähnlich wie der Col de Portet zum finalen Showdown der Klassement-Favoriten werden kann. Möglicherweise muss sich Tadej Pogacar aber schon beim schwereren und längeren Anstieg zum Tourmalet der Angriffe seiner Konkurrenten erwehren. Gestern haben es Vingegaard und Carapaz vergeblich probiert. Und Rigoberto Uran seinen zweiten Platz verloren, den er heute sicher zurück zu gewinnen versuchen wird. Die ersten leichteren Kilometer werden allerdings wieder Ausreißer motivieren, ihr Heil in der Flucht zu suchen. Auch wenn es auf den letzten gut 40 km ultraschwer wird, müssen die Favoriten aufpassen und dürfen eine Ausreißergruppe nicht zu weit enteilen lassen.
Spannend wird es auch um das Bergtrikot, nachdem Wout Poels neue Konkurrenz in Person des Trägers des Gelben Trikots bekommen hat. Nur wenn bergfeste Fahrer verhindern, dass der übermächtige Slowene heute erneut gewinnt, können sie weiter in die Entscheidung um die Vergabe des Bergtrikots eingreifen.
Für Spannung ist also beim Kampf auf den beiden Monumenten der Tour gesorgt. Sich auf der letzten Bergetappe noch einmal voll reinhängen, steht doch am Freitag eine Sprinteretappe auf dem Streckenplan. Es wird heute viel davon abhängen, wie die Helden der Landstraßen die gestrigen Strapazen überstanden haben.

