- Die Strecke der Tour de France 2027, die an diesem Donnerstag im Pariser Palais des Congrès von Christian Prudhomme vorgestellt wurde, führt vom 2. bis 25. Juli über eine Gesamtdistanz von 3.479 km von Edinburgh nach Paris und birgt zahlreiche Herausforderungen.
- Nach dem britischen Crescendo für die Sprinter und Puncheure vor der wunderbaren Kulisse von Schottland, England und Wales kommt die Tour über die Normandie zurück nach Frankreich, wo sie im Morvan und den Alpen in luftige Höhen aufsteigt und nach Mende und zum großen Showdown in den Pyrenäen weiterzieht. Die Kletterer haben eine besondere Verabredung in Sallanches, das über die Côte de Domancy angefahren wird.
- Auch die Anwärter auf das Gelbe Trikot werden mit zwei Einzelzeitfahren in Chambord und Toulouse auf eine harte Probe gestellt. Die Streckenverläufe der beiden Zeitfahren machen die 114. Auflage zur anspruchsvollsten in dieser Disziplin seit 2012.
- Im Rahmen des Tour-Sommers 2027 warten zwei Herausforderungen auf ambitionierte Hobbyradsportler: L’Étape du Tour de France am 11. Juli über 150 km von Cluses bis zum Ferienort Les Saisies sowie L’Étape du Tour de France Femmes avec Zwift am 8. August mit einer 138 km langen Tour durch die Vulkankette im Zeichen des Puy de Dôme, an dem am Vortag die Profifahrerinnen das abschließende Etappenziel erreicht haben werden.
Nachdem die große Frankreichrundfahrt in Katalonien gerade ihren bisher südlichsten Punkt erreichte, verschiebt sie mit dem Tour-Auftakt in Edinburgh 2027 ein Jahr später auch ihre nördlichen Grenzen. Mit diesem Vorstoß in den hohen Norden ändert sich viel: Die steilen und schroffen Herausforderungen nehmen beiderseits des Ärmelkanals an Intensität zu, bevor das Peloton am Ende der ersten Rennwoche das Jura erreicht. Bis dahin bietet die Vielseitigkeit des Terrains Raum für Auseinandersetzungen jedweder Art.
Schottland, Wales und England sprechen alle Fahrerprofile an: Die Sprinter lockt das erste Gelbe Trikot in den Straßen von Carlisle; die antrittsstärksten Angreifer hoffen, sie in Liverpool zu übertrumpfen; die Anwärter auf die Gesamtwertung werden in Geraint Thomas‘ „Revier“ in Richtung Cardiff die Vorhut machen. Die Festspiele der Puncheure machen nur solange Pause, wie die Überquerung des Ärmelkanals dauert, um danach in Cherbourg-en-Cotentin (4. Etappe) und Plumelec mit einer doppelten Dosis der Côte de Cadoudal (5. Etappe) umso intensiver fortgesetzt zu werden. Die Flachlandetappen werden nicht weniger anspruchsvoll, spektakulär und vor allem entscheidend, mit einem schnellen und spannenden Zeitfahren zwischen Blois und Chambord (7. Etappe). Nach ihrem Besuch bei den Loire-Schlössern haben die Meister des Zeitfahrens in Toulouse (16. Etappe) eine weitere Chance, in ihrer Paradedisziplin zu glänzen. Zusammen kommen die Strecken der beiden Zeitfahren auf eine Gesamtdistanz von 71 km, was es zuletzt 2012 gab.
Die im Alleingang gegen die Uhr gutgemachte oder verlorene Zeit gilt es, in jedem Gelände zu verteidigen oder wieder reinzuholen: Die französischen Gebirgsmassive bieten Raum für unzählige Szenarien. Die Bezwingung des Signal d’Uchon und die Zieleinfahrt in Le Creusot (8. Etappe) erinnern an einen verrückten Tag im Juli 2021: Matej Mohorič triumphierte, Wout van Aert und Mathieu Van der Poel mussten sich geschlagen geben, und Primož Roglič wurde abgehängt. Eine Woche später wird die Strecke von Montpellier nach Mende (14. Etappe) erneut verdeutlichen, dass große Offensiven nicht unbedingt große Höhen erfordern: Die Côte de La Croix Neuve präsentiert sich als letzte Schwierigkeit in einer unerwarteten Abfolge von Steigungen in den Cevennen, die eine kumulierte positive Höhendifferenz von 4.300 m und einen ersten Besuch des Cirque de Navacelles bieten.
Auf der Strecke nach Sallanches (10. Etappe) mit zweifacher Bezwingung der Côte de Domancy wandelt das Peloton ebenfalls auf den Spuren von Bernard Hinault, der hier seinen Weltmeistertitel einfuhr. Als weiterer Fingerzeig auf die Weltmeisterschaften im August 2027 startet die 21. und letzte Etappe von Saint-Quentin-en-Yvelines aus, wo die Bahnrad- und BMX-Wettbewerbe stattfinden werden. Den Sprintern wird in Angers (6. Etappe), Valence (12. Etappe), Montpellier (13. Etappe), Pau (17. Etappe) und Libourne (20. Etappe) die Bühne bereitet. Sie dürfen außerdem darauf hoffen, den abschließenden Rundkurs am Montmartre zu zähmen, um sich drei Wochen nach der ersten Etappe in Großbritannien auf den Champs-Élysées den letzten Etappensieg zu holen. Die Strecke von Albi nach Rodez (15. Etappe) hingegen erscheint für sie aussichtlos: Die Ausreißer dürfen sich diesen Tag bereits im Kalender anstreichen.
Die reinen Kletterer liebäugeln wiederum mit den Abfolgen großer Anstiege. Um am Grand Colombier zu gewinnen, muss man vorher die Passhöhen am Col du Berthiand und Col de Richemond (9. Etappe) bewältigen. Am 14. Juli werden die alpinen Feuerwerker das Duo aus Col du Pré und Anstieg von Bisanne auf dem Weg zum Wintersportort Les Saisies, der sein Tourdebüt gibt (11. Etappe), für sich zu nutzen wissen. In den Pyrenäen werden die lichten Passhöhen des Col du Tourmalet (2.115 m über dem Meeresspiegel) und Col du Portet (2.215 m) erstmals verbunden (18. Etappe), während der Col du Soulor und die Hourquette d’Ancizan das Tagesprogramm abrunden! Am Tag darauf startet die letzte Bergschlacht der Tour auf den baskischen Pässen und findet ihren Höhepunkt am Col de Marie-Blanque, bevor es hinunter nach Laruns (19. Etappe) geht. Vielleicht entscheidet sich diese Tour in den Pyrenäen. Aber die Rangliste der Favoriten wird sicher an jeder Biegung durchgemischt.
L’Étape du Tour de France 2027: auf nach Les Saisies
- Das Radsportevent der Referenzklasse, bei dem jedes Jahr 16.000 Hobbyradsportler die Strecke einer Tour-de-France-Bergetappe mehrere Tage vor den Profis in Angriff nehmen, findet am 11. Juli 2027 statt.
- Die 35. Ausgabe führt die Teilnehmer über die Strecke der 11. Etappe der Tour de France: 154 Kilometer von Cluses bis zum Ferienort Les Saisies, der sowohl bei der Tour als auch bei L’Étape erstmals als Zielort fungiert!
- Mit insgesamt 4.850 Höhenmetern wartet ein anspruchsvolles Programm auf die Teilnehmer. Unter den fünf Anstiegen, die bei den Profis für die Bergwertung zählen, bilden die letzten auf den abschließenden 50 Kilometern eine besonders schwere Kombination. Auf den Anstieg zum Col du Pré (12,6 km bei durchschnittlich 7,8 % Steigung), den treue Teilnehmer von L’Étape du Tour de France bereits 2025 auf dem Weg nach La Plagne bewältigt haben, folgt der ebenso anspruchsvolle Anstieg nach Bisanne (12,4 km bei 8,3 %).
Wertungstrikots: Aus der Hand von Castelli
Bei der feierlichen Präsentation der Strecke der Tour de France 2027 für die Männer und die Frauen wurden auch die neuen Wertungstrikots enthüllt, die die Führenden der verschiedenen Klassements tragen werden. Nachdem die italienische Marke Castelli bereits zwischen 1989 und 1994 Greg LeMond und Miguel Indurain in Gelb, Sean Kelly in Grün oder Claudio Chiappucci in das Gepunktete Trikot kleidete, feiert sie ihr Comeback bei der Tour de France.Das berühmte Logo mit dem Skorpion, das 1974 entstand, ziert erneut die Tour-Trikots, aber die für sechs Jahre geschlossene Partnerschaft umfasst insgesamt 27 Radsport- und Jedermann-Rennen. Neben Etappenrennen wie der La Vuelta, Paris-Nizza oder der Tour Auvergne-Rhône-Alpes werden auch Funktionskleidungs-Kollektionen für die Rennen Paris-Roubaix Hauts-de-France oder Lüttich-Bastogne-Lüttich sowie die L’Etape du Tour de France oder L’Etape du Tour de France Femmes avec Zwift designt.

