Kurze Etappen in welligem Gelände bedeuten in der Regel Kampf vom ersten Meter an. So auch heute zwischen Malmort und Ussel, Neulinge im Streckenplan der Tour de France. Der 9. Streckenabschnitt zum Ende der ersten Tour-Woche ein absoluter Höhepunkt an Spannung und Kampf mit einem würdigen Sieger. Deutsche Fahrer konnten nur am Anfang auf sich aufmerksam machen. Florian Lipowitz 6'' hinter der Spitze mit den Favoriten im Ziel.
Nach der Verkürzung der Etappe nur 14 km bis zur Sprintwertung in Beynat. Auch deshalb suchten sofort drei Fahrer ihr Heil in der Flucht: Alex Kirsch, Quinten Hermanns und Stefano Oldani. Gefolgt von Georg Steinhauser und Ewen Costiou. Doch Lidl-Trek hatte etwas gegen diesen Ausreißversuch und sorgte rasch für geschlossenes Feld. Mit Erfolg: Pedersen gewann den Zwischensprint vor Girmay und Philipsen. Andere nutzten die Situation zur Attacke. Aber es blieb unübersichtlich mit ständigen Wechseln an der Spitze. Auch der deutsche Meister Felix Engelhardt war dabei. Mit über 70 Sachen weitere Ausreißversuche ohne entscheidenden Vorteil für einen Fahrer. Einzig Bestand hatte der wachsende Rückstand der Sprinter um Tim Merlier. In Tulle ein Quintett um Alaphilippe und mit Michel Heßmann vorne, das beim Aufstieg zur Côte de Naves (3. Kategorie) eingeholt wurde. Eine Tempoverschärfung von Pidcock brachte viele in Schwierigkeiten. Den Gipfel eroberten Valentin Paret-Peintre und Matteo Jorgenson an der Spitze. 100 km vor dem Ziel immer noch keine Klarheit. Kurz darauf zeichnete sich ein erfolgreicher Fluchtversuch mit 16 Mann ab. U.a. Mathieu van der Poel, Marc Hirschi und Tom Pidcock. Von den zuvor so aktiven deutschen Fahrern hatte es keiner in diese Gruppe geschafft.
Noch stand die Aufteilung Ausreißer - Peloton
Aus dieser Gruppe heraus beschleunigten Quinn Simmons und Tobias Johannessen erfolgreich - Vorsprung von einer halben Minute vor den Verfolgern. Über eine Minute dahinter das Hauptfeld mit allen Favoriten. Red Bull Bora-hansgrohe nur mit Evenepoel und Lipowitz vorne vertreten. Erneut gab sich Pidcock mit dieser Situation nicht zufrieden und verkürzte mit Derek Gee-West und Lennart van Eetvelt den Abstand auf das Duo. Auch Mathieu van der Poel konnte aufschließen. Aus 2 plus 6 zum Gipfel Suc au May (2. Kategorie) wurden 8. Tom Pidcock Erster vor Simmons, Johannessen und Eetvelt. Die Pidcock-Gruppe lag auf dem harten Ritt zur dritten Schwierigkeit des Tages 1’23’’ vor dem Hauptfeld.
Ausreißersieg und wenn ja, wer?
Vor dem vierten und letzten kategorisierten Berg des Tages, dem Mont Bessou (4. Kategorie), kam das Feld wieder näher. 2 km vor dem Gipfel noch 40’’. Welche Taktik war jetzt zielführend? MVDP griff an, Johannsen folgte, dann Pidcock. Gleiche Reihenfolge auf dem Gipfel. 50’’ vor dem Feld. In der Abfahrt Defekt bei Pidcock. Tritte gegen den Wechsler halfen. Noch 2 km, 30’’ Vorsprung. Pedersens Team gab alles. Das Peloton mit dem Mann in Grün kam näher, doch Van der Poel mobilisierte letzte Kräfte und holte seinen dritten Tour-Etappensieg vor Johannessen, Pidcock und Baudin. 5. wurde Ganna vor Pedersen. Sieg und die Auszeichnung kämpferischster Fahrer für den Niederländer. Florian Lipowitz an der Seite der anderen Favoriten im Ziel. Die Verkürzung der Strecke sorgte für noch mehr Druck und Tempo. Keine Änderungen bei den Trikotträgern. Und morgen der verdiente erste Ruhetag im Cantal.

