Die dritte Woche beginnt wie die erste mit einem Zeitfahren. Dennoch ist heute alles anders. Und das nicht nur, weil die Tour mit einem Mannschaftszeitfahren begann und heute, zum Beginn der dritten und letzten Woche, ein Einzelzeitfahren auf dem Programm steht. Sondern weil die Tour ohne Jonas Vingegaard nicht mehr dieselbe ist, wie Tadej Pogacar es formulierte. Für reichlich Spannung ist weiterhin gesorgt, da mit Remco Evenepoel nun ausgerechnet der Sieger von Solaison und neben Pogacar größte Favorit auf den heutigen Tagessieg den zweiten Rang in der Gesamtwertung belegt.
Der Triumph auf dem Plateau de Solaison vor Tadej Pogacar und Isaac Del Toro wird Remco Evenepoel Flügel verleihen und den „Kannibaal van Schepdaal“ (so sein Spitzname) zusätzlich motivieren. Auch wenn man sich bei Red Bull-Bora-hansgrohe noch nicht öffentlich über die Rangordnung im Team äußern will, liegt der Belgier gegenüber Co-Kapitän Florian Lipowitz spätestens seit Sonntag in der Pole Position. Sollte Evenepoel das Zeitfahren heute gewinnen oder zumindest vor Lipowitz beenden, dürfte die Frage nach dem Chef im Team geklärt sein. Der ehrgeizige Belgier, mehrfacher Weltmeister und Olympiasieger im Einzelzeitfahren, will sich seine gute Ausgangsposition auch in dieser Hinsicht nicht nehmen lassen.
Gleich zu Beginn geht’s bergauf
Der Streckenverlauf des Einzelzeitfahrens zwischen den beiden nur etwas mehr als 10 km von einander entfernten Städten Évian-les-Bains und Thonon-les-Bains am Südufer des Genfer Sees besteht aus drei Dritteln: einem ersten mit Anstieg zur Côte de Larringes, einem Berg der 2. Kategorie; einem zweiten mit der Abfahrt von eben diesem Anstieg; und schließlich im letzten Drittel aus einer Flachpassage zum Ziel. Die 9,7 km mit im Schnitt 4,3 % Steigung erfordern vom Start weg volle Kraft voraus bis auf 800 m Höhe. Der Kurs entfernt sich anschließend weiter vom See und im Bogen über Féternes zurück Richtung Seeufer zum Finale mit einigen Richtungswechseln. Experten gehen davon aus, dass die Strecke durchgehend mit dem Zeitfahrrad bewältigt werden kann. Den gestrigen Ruhetag haben viele der 168 Fahrer fürs Kennenlernen des technisch anspruchsvollen Parcours genutzt. Drei Zwischenzeiten werden zu beachten sein: nach 4,8 km (L’X), nach 9,7 km (Côte de Larringes) und nach 18,1 km (Thonon-les-Bains-Bords de Dranse).
Rennen um Trikots und die Plätze hinter Pogacar
Nicht zuletzt die geringen Zeit-Abstände ab Platz 2 verpflichten zum Gas geben von Anfang bis Ende, besteht doch die Chance, in der Gesamtwertung Positionen gut zu machen. Zwischen Remco Evenepoel auf Rang zwei und Juan Ayuso auf Rang sechs liegen nur knapp zweieinhalb Minuten. Also nichts, was man nicht auf den verbleibenden Etappen aufholen könnte. Zumal der Tag nach dem Ruhetag für den Rhythmus vieler Fahrer oft seine Tücken hat. Tadej Pogacar scheint unangreifbar, aber der Kampf um Podium, Weißes, Berg- und Grünes Trikot ist in vollem Gange. Das verspricht eine aufregende dritte Woche bei der Tour de France 2026.

