Pogacar schlägt zurück

Tour de France 2023 | Etappe 6 | Tarbes > Cauterets-Cambasque

Erneut ein tolles Spektakel, das die Topfahrer boten. Nach dem Paukenschlag gestern und dem unerwarteten Ausgang mit Gelb für Jai Hindley schlug das Imperium heute zurück. Den Aspiranten auf den Gesamtsieg gelang beim 2. Akt in den Pyrenäen die Revanche - insbesondere Tadej Pogacar auch gegenüber seinem Widersacher und neuen Träger des Gelben Trikots Jonas Vingegaard. Einen bärenstarken Eindruck hinterließ Wout van Aert. Logische Folge: kämpferischster Fahrer. 

Highlights - Stage 6 - Tour de France 2023

Eine hochkarätig besetzte Gruppe hatte sich unter Führung von Wout van Aert unmittelbar nach dem Start in Tarbes auf den anstrengenden Weg über die Pyrenäen-Giganten Aspin und Tourmalet gemacht: dabei u.a. Aalaphilippe, Van der Poel, Kwiatkowski, Trentin, Powless. Aus deutscher Sicht Nikias Arndt und wenig später insgesamt 20 Mann. Beim ersten Berg Capvern-les-Bains (3. Kategorie) betrug der Abstand zum von Bora-hansgrohe angeführten Peloton 3 Minuten. Noch war das deutsche Team - meist mit Nils Politt an vorderster Front -  in der Lage, die neue Rolle als Verteidiger des Gelben Trikots anzunehmen. Clever gemacht: Neilson Powless kurz ausgeschert und zwei Bergpunkte auf jetzt insgesamt 20 gesichert. 20 km weiter schnappte sich Bryan Coquard ohne zu beschleunigen bei der Sprintwertung in Sarrancolin als Erster 20 Punkte und untermauerte seinen 2. Platz bei der Wertung um das Grüne Trikot.   

Schwerstarbeit für Bora und doch vergebene Liebesmüh

Die Spitzengruppe begann den Aufstieg zum Col d’Aspin in 1.490 m Höhe 3'27" vor dem Feld. Dort kurz Jumbo und UAE vorne, die meiste Arbeit hinauf zu diesem Giganten der 1. Kategorie hatte das Team des Gelben Trikots. Und behielt zunächst die Kontrolle. Van Aert (TJV) sorgte vorne für Tempo und damit Verkleinerung der Gruppe. Im Feld übernahm ebenfalls TJV das Kommando. Auf der Passhöhe ging Powless wieder in die Offensive, kassierte 10 Punkte und überholte Felix Gall in der Bergwertung. Das Peloton folgte 3'20" später. Rasende Abfahrt bis Sainte-Marie-de-Campan. Am Beginn der Kletterpartie auf den Tourmalet in 2.115 m Höhe Vorsprung der Spitzengruppe 4:30, kurzzeitig gar 5’. Bergab kamen einige Bora-Fahrer zurück; das Team jetzt wieder vorne. Nicht lange. Denn bald übernahm das Team des Vorjahrssiegers wieder die Verfolgung. Das deutsche Team nur noch mit den beiden gestrigen Helden Hindley und Buchmann vertreten. Die Gruppen schrumpften an allen Fronten. Vorne nur noch acht Fahrer. In der Jagd nach der Spitze ein TJV-Trio um Vingegaard mit Pogacar und Hindley. 4 km vor dem Gipfel musste auch der Gelbe passen. Tour-Besucher Staatspräsident Emmanuel Macron konnte nicht helfen. Ganz vorne nur noch ein Quintett mit dem superstarken Van Aert. 1,3 km vor der Passhöhe Attacke von Vingegaard; nur Pogacar fuhr mit und blieb an seinem Hinterrad. Den Tourmalet überquerte Tobias Johannsen vor Ruben Guerreiro. Powless kassierte als Sechster noch 6 Punkte und bauten seinen Vorsprung in der Bergwertung aus. 

Gestern Vingegaard, heute Pogacar

Nach einer megaschnellen Abfahrt kam es zum Zusammenschluss. Ein Achter mit den Tour-Favoriten Vingegaard und Pogacar nahm die letzten 15 km unter die Räder und war bald über 2’ vor dem Gelben Trikot. Die Gruppe um Hindley, den Brüdern Yates, Gaudu, Bardet, Bernal u.a. führte Buchmann an - wieder Schwerstarbeit für den besten Deutschen. An der Spitze fuhr wieder nur Van Aert. Und führte die Gruppe bis 5 km vor dem Ziel in Cauterets-Cambasque in 1.355 m Höhe. Dann attackierte sein Kapitän. Wieder konnte nur Pogacar folgen. Und überraschend Michal Kwiatkowski. Dann war auch er erschöpft. Bei den Verfolgern musste jetzt Buchmann seiner Wahnsinns-Arbeit Tribut zollen. Vorne drehte der Slowene den Spieß gegenüber den baskischen Etappen um und ließ seinen Widersacher alleine führen. Und überraschte ihn 2,7 km vor dem Ziel mit einer schlauen Attacke. Jetzt war der Sieger von 2020 und 2021 alleine vorne. Er baute seinen Vorsprung aus und siegte deutlich vor Vingegaard: 24 Sekunden. Jai Hindley kam als Sechster ins Ziel und blieb damit auf dem Podiums als Dritter mit 1’34’’ Rückstand. Jonas Vingegaard übernimmt Gelb, Tadej Pogacar 25’’ dahinter. Neilson Powless holt sich das Bergtrikot von Felix Gall zurück. Edelhelfer Buchmann büßte am Schluss über 6’ ein und verliert dadurch seinen Top-Ten-Platz. Morgen wieder ein Tag für die Sprinter.

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