29/08 > 20/09/2020

Lutsenko erobert den "Windberg"

Nachdem die gestrige Etappe ohne Attacke aus dem Feld verlief, spurteten heute gleich mehrere Fahrer sofort los. Zur Überraschung aller Experten und entgegen deren Vorhersagen kein Schlagabtausch der Favoriten beim erstmals gefahrenen Col de la Lusette. Stattdessen diktierte die achtköpfige Spitzengruppe den Etappenverlauf, so dass am Ende der Kasache Lutsenko als Erster auf dem Aigoual ankam. Bei den Trikotträgern folglich keine Veränderungen.

Anders als gestern gab es heute sofort Attacken. Nach 15 km stand die Ausreißergruppe des Tages mit Jesus Herrada (Cofidis), Nicholas Roche (Sunweb), Rémi Cavagna (DQS), Greg van Avermaet (CCC), Edvald Boasson Hagen (NTT), Daniel Oss (Bora), Alexey Lutsenko (Astana) und Geburtstagskind Neilson Powless (EF). 20 km weiter fuhr van Avermaet bei einem Vorsprung von über 4 Minuten virtuell in Gelb. Das Team von Adam Yates (MTS) organisierte die Nachführarbeit. Dennoch wuchs der Vorsprung auf über 6 Minuten. In der ersten Stunde bolzte das Oktett 51,8 km. Verständlich, dass sie bei diesem höllischen Tempo keinen Blick für die landschaftlichen Reize der Ardèche hatten. Im besten Einvernehmen untereinander  blieb der Abstand um 6 Minuten stabil - dem höchsten in diesem Jahr  herausgefahrenen Vorsprung; der Schnitt war mit 49,1 immer noch deutlich über dem schnellsten errechneten Stundenmittel.

Sprintwertung für Boassan Hagen; erste Berge für Roche

80 km vor dem Ziel auf dem Aigoual kam das Feld etwas näher. Noch 5:30 Rückstand bei der Sprintwertung, die Boassan Hagen vor Oss und van Avermaet & Co. für sich entschied. Den Sprint des Feldes gewann Sam Bennett als 10. (+ 6 Punkte); einige Sekunden vorher war Roger Kluge (LTS) - um seinen Sprinter Caleb Ewan zu schonen - vor dem Träger des Grünen Trikots in Saint-Hipolytte über die Linie gefahren. Peter Sagan bekam als 13. nur noch 3 Punkte. Bei sinkendem Vorsprung steuerte die Spitzengruppe das Cap de Coste (3. Kategorie) an. Erstmals unter 5 Minuten. Die Höhe passierte Roche vor van Avermaet und den Fluchtkollegen. Im Feld begannen die Sprinter sich zu verabschieden. Auch weil Jumbo-Visma und Ineos die Tempoarbeit forcierten. Sofort sank die Distanz auf 4 Minuten. Und schmolz Richtung Col de Mourèzes weiter. 2:45 vor dem Feld war erneut Roche Erster, diesmal vor Herrada.

Dem Finale fehlte der Siegeswille der Favoriten

Nach drei Kilometern Abfahrt der brutale Anstieg zum Col de la Lusette (1. Kategorie) mit Rampen von 12 bis 13 Prozent. Oss, eher der Sprintertyp, und gleich darauf Boassan Hagen mussten abreißen lassen. Dann Cavagna. Das Quintett mit knapp drei Minuten vor dem Feld, bei dem Ineos das Tempo bestimmte. Attacke von Fabio Aru. Vorne Angriff von Powless an einer besonders steilen Stelle; nur Lutsenko ging mit, griff seinerseits an und hielt das Peloton und alle anderen anschließend auf Distanz. Herrada jetzt an zweiter Stelle. Im Feld mussten immer mehr Fahrer dem Tempo und der Piste Tribut zollen. Die Bergwertung für Lutsenko - 10 Punkte und 8 Sekunden Bonifikation. Keine weitere Attacke aus dem Feld heraus. Aru geschluckt. Und so siegte Lutsenko unangefochten 55 Sekunden vor Herrada. Drei Minuten nach dem Sieger kam das Feld an - mit Julian Alaphilippe an der Spitze, der kurz vor der Ziellinie noch eine Sekunde für sich rausholte. Emmanuel Buchmann kam mit aufmerksamer Fahrweise mit den Favoriten ins Ziel.

Vor dem Pyrenäen-Wochenende sollten morgen die Sprinter wieder im Blickpunkt stehen.   

PAULINE BALLET
PAULINE BALLET © PAULINE BALLET
#TDF2020 - Etappe 6 - Zusammenfassung

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