Lange beherrschte ein Fahrer das Geschehen der 5. Etappe. Baptiste Veistroffer kämpfte 144 km allein gegen Alle an der Spitze. Erst als die Sprinterteams sich formierten, musste er sich der Übermacht beugen. Doch keiner der hochgehandelten Favoriten auf den Etappensieg hatte das Rad vorne sondern Olav Kooij. Hervorragender Zweiter Max Kanter noch vor Tim Merlier.
Erste Attacke bei Kilometer Null: Baptiste Veistroffer (LOI) als Solist und passionierter Ausreißer, was er schon 15mal im Rahmen seiner Karriere gemacht hat. Die übrigen 180 Fahrer nahmen diesen frühen Vorstoß offensichtlich nicht ernst. Weder nach 25 km, als der Vorsprung von Veistroffer auf dreieinhalb Minuten anstieg, erst recht nicht, als er unter 3 Minuten sank. Immerhin teilten sich Uno-X, Team des Mannes in Gelb, Torsten Traeen und vor allem Alpecin-premier Tech, Team des Mitfavoriten in Pau, Jasper Philipsen, die Nachführarbeit, so dass der Abstand regelbar blieb. Für die malerischen Dörfer in wunderschöner Landschaft mit prächtigen Sonnenblumenfeldern hatten die Fahrer trotz des weitgehend ereignisarmen Verlaufs der Etappe keinen Blick.
Max Kanter 2. an der Sprintwertung
10 km vor der Sprintwertung in Vic-en-Bigorre, 45 km vor dem Ziel in Pau, war Veistroffer immer noch im Alleingang unterwegs. Mittlerweile um 2’50’’ vor dem schneller werdenden Feld. Die Nervosität vor der ersten Auseinandersetzung der schnellsten Männer schien sichtbar anzuwachsen. Mit etwas mehr als 2’ Vorsprung „gewann“ Veistroffer den Zwischensprint und 25 Punkte. Den Sprint des Hauptfeldes schnappte sich Max Kanter (XAT, 20). Dahinter Pedersen (LTK, 16), Girmay (NSN, 14), Philipsen (APT, 12 Punkte). Der Führende nur noch 1’30’’ voraus.
Der Lohn für Veistroffer: Auszeichnung „kämpferischster Fahrer“
Das Gelände wurde welliger. Mit der Côte de Baleix (3. Kategorie) zwar nur ein kategorisierter Berg auf den letzten 30 km. Dennoch ein Kräfte zehrendes Finale. Dank der Tempoverschärfung von Tim Merlier & Co. (SOQ) und der Steigung von 8,8 % sank der Vorsprung von Veistroffer unter eine Minute. Doch die Bergwertung holte er sich noch (2 Punkte) vor Baudin (1 Punkt). Eine knappe halbe Minute hinter dem Führenden versuchten Kasper Asgreen, Valentin Paret-Peintre und Fred Wright dem Feld zu entkommen. Vergeblich. Veistroffer behauptete sich immer noch - jetzt schon über 144 km und zu Recht „kämpferischster Fahrer“. Kurz darauf endete seine Flucht - zurück ins Peloton, wo die Vorbereitungen für den Zielsprint begannen.
Überraschung durch Olav Kooij
Wie befürchtet ein tricky Finale in den Straßen von Pau. Noch vor der 5-km-Marke Sturz im hinteren Bereich. Auch das Gelbe Trikot verwickelt, aber rasch wieder auf dem Rad. Weitere Klassement-Fahrer wurden durch den Sturz ausgebremst. Sie alle wurden mit 14'' Rückstand auf den Tagessieger gewertet. Die übrigen Fahrer zogen das Tempo weiter durch. Max Kanter wurde von seinem Team hervorragend in Position gebracht, wartete aber einen Tick zu lange, ehe er seinen Sprint lancierte. Daher konnte er auch dem Niederländer Olav Kooij nicht mehr folgen, als dieser in höchstem Tempo an ihm vorbei schoss. Dritter Tim Merlier, Jasper Philipsen diesmal auf Platz 5. Keine Veränderung bei den Trägern der Trikots vor der Pyrenäen-Königsetappe morgen.

