Philipsen hat es endlich geschafft

Tour de France 2022 | Etappe 15 | Rodez > Carcassonne

Die Profis verstehen es für Spannung und Aufregung bis zur letzten Sekunde, zum letzten Meter zu sorgen. Erst 500 m vor der Ziellinie wurde Benjamin Thomas eingeholt. Im anschließenden Sprint holte sich Jasper Philipsen den Sieg vor Wout van Aert und Mads Pedersen. Peter Sagan und Boras Danny van Poppel kurz dahinter. Simon Geschke behielt - wie alle anderen Trikotträger - seine Auszeichnung als Bergbester. Nils Politt wurde als  „kämpferischster Fahrer“ ausgezeichnet, nachdem er eine lange vorne fahrende Ausreißergruppe initiiert hatte. Für das Team des Gesamtführenden ein insgesamt schwarzer Tag. Auf den morgigen Ruhetag dürfen sich alle Fahrer zurecht freuen.

Highlights - Stage 15 - #TDF2022

Auch ohne zweistellige Steigungsprofile oder Kopfsteinpflaster-Passagen eine äußerst schwierige und ereignisreiche Etappe mit folgenschweren Stürzen. So verlor Jonas Vingegaard gleich zwei Helfer: nach der Aufgabe von Roglic am Morgen auch Kruijswijk nach einem heftigen Sturz. Die enorme Hitze mit über 40 Grad und die mit über 200 km zweitlängste Etappe setzten den 154 Fahrern zu. Dass Primoz Roglic wie 2021 vorzeitig aussteigen würde, hatte sich spätestens gestern abgezeichnet, als er nach seinem Sturz auf der Pavé-Etappe schon beim ersten Anstieg dem Peloton nicht mehr folgen konnte. Weitere Corona-bedingte Aufgaben der Etappen-Sieger Simon Clarke und Magnus Cort Nielsen. 

Von Anfang an aussichtslos

Direkt hinter Rodez erste Attacken. Auch Nils Politt (Bora-hansgrohe) wieder mit „Hummeln im Hintern“. Prominenter Begleiter bei seinem Ausreißversuch: Wout van Aert (TJV). Michael Honoré (QST) sprang hinzu. Trotz aller Bemühungen, das Trio zu stellen, betrug der Vorsprung nach 15 km bereits 1’40’’, obwohl Honoré anfangs meist nur hintendrauf saß. Viel Bewegung im Peloton. Nach 25 km hatte sich die Lage beruhigt; die Sprinterteams kontrollierten die Situation. Als der Vorsprung auf 2’ angestiegen war, streckte Wout van Aert aus taktischen Gründen die Waffen. Jetzt war ein eventueller Etappensieg noch aussichtsloser. Dennoch bald 3’ Vorsprung für das Duo. Auch am ersten Berg der 3. Kategorie, der Côte d’Ambialet. Honoré (1) honorierte den Initiator des Ausreißversuchs und ließ Politt (2 Punkte) den Vortritt. Das Peloton kam jetzt näher. Gute Stimmung an der Spitze: die beiden versorgten sich gegenseitig mit Eisklumpen gegen die lastende Hitze. Außer Fahrtwind kein Lüftchen. Die Distanz inzwischen nur noch 1’10. Die Temperatur hatte die 40 Grad-Marke überschritten. Schatten unter Platanen hochwillkommen. 

Schwarzer Tag für Jumbo-Visma: Nach Roglic musste auch Kruijswijk aufgeben

Kurz vor Revel ein Sturz. Betroffen vor allem Steven Kruijswijk vom Team des Gesamtführenden. Während die mit die ebenfalls Gestürzten weiterfahren konnten, musste der wichtige Helfer von Vingegaard ins Krankenhaus transportiert werden. Und gleich noch ein Sturz im Feld und wieder Jumbo-Visma betroffen. Diesmal mit Vingegaard und Tiesj Benoot. Beide wieder auf dem Rad. Das hatte neuerliche Nervosität im Feld zur Folge. Die Sprintwertung in Saint-Ferréol gewann Honoré vor Politt; van Aert holte sich als Dritter weitere 15 Punkte. Kurz danach fuhr Jonas Rutsch an Politt und Honoré vorbei. Und wurde gestellt, als es den 2. Berg des Tages, die Côte des Cammazes (ebenfalls 3. Kategorie) zu bezwingen galt. Da waren Groenewegen und Ewan schon abgehängt. Die Bergwertung sicherte sich der aus dem Gebiet des Tarn stammende Benjamin Thomas, Mannschaftskamerad von Geschke, vor Alexis Gougeard. 

Erst eingeklemmt und dann doch auf Platz 1

Jetzt galt es, die beste Position für den Massensprint in Carcassonne zu finden. Aber noch waren Thomas und Gougeard in Front. Das Feld jagte hinter ihnen her. Ebenso wie die abgehängten Fahrer, die dank des Mannschaftszeitfahrens für Groenewegen wieder aufschlossen konnten. Keine Chance mehr für Jakobsen und Ewan. Neben DSM jetzt Bora an der Spitze des Feldes. Max Schachmann kurz vorne. Aber keine Chance wegzukommen. Die Spitzenreiter wehrten sich nach Kräften. Und Politt ging wieder nach vorne. Doch das Feld kam auch 10 km vor dem Ziel nicht wirklich an das Duo ran. Es blieb spannend, der erste Etappensieg eines Franzosen schien möglich, als Gougeard 5 km vor dem Ziel zurückfiel. Ex-Zeitfahrmeister Thomas gab alles. Doch 500 m vor der Ziellinie schoss die Spitze des jagenden Feldes an ihm vorbei. Faszinierender Sprint und Philipsen siegte vor van Aert, Pedersen, Sagan und van Poppel. Nach acht Podiumsplatzierungen sein erster Sieg bei der Tour de France. Nils Politt wurde zum kämpferischsten Fahrer der Etape gewählt.

 

17/07/2022 - Tour de France 2022 - Etape 15 - Rodez / Carcassonne (202,5km) - PHILIPSEN Jasper (ALPECIN - DECEUNINCK) - Vainqueur de l'étape
17/07/2022 - Tour de France 2022 - Etape 15 - Rodez / Carcassonne (202,5km) - PHILIPSEN Jasper (ALPECIN - DECEUNINCK) - Vainqueur de l'étape © A.S.O./Charly Lopez

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