Tadej vom Feinsten!

Zehn Monate, nachdem er eine Tour de France drehte, die sein Landsmann Primoz Roglic in der Tasche zu haben schien, und er das Gelbe Trikot nur einen Tag lang trug, gibt Tadej Pogacar in diesem Jahr über weite Strecken den Ton an und wird mit 22 Jahren jüngster Doppelsieger der Tour. Dabei demonstriert er nebenbei eine Gelassenheit und Autorität, die Bände spricht, wie weit er schon gekommen ist.

pogacar (tadej) - (slv) -  PAU/LUZ ARDIDEN
pogacar (tadej) - (slv) - PAU/LUZ ARDIDEN © PRESSE SPORTS
vingegaard (jonas) - (dan) - vingegaard (frida) pogacar (tadej) - (slv) - carapaz (richard) - (ecu) - carapaz (amy sofia) carapaz (richard santiago) CHATOU/PARIS CHAMPS ELYSEES
vingegaard (jonas) - (dan) - vingegaard (frida) pogacar (tadej) - (slv) - carapaz (richard) - (ecu) - carapaz (amy sofia) carapaz (richard santiago) CHATOU/PARIS CHAMPS ELYSEES © PRESSE SPORTS
pogacar (tadej) - (slv) -  PAU/LUZ ARDIDEN
pogacar (tadej) - (slv) - PAU/LUZ ARDIDEN © PRESSE SPORTS

Man kennt die alte Leier der zweifachen Sieger – ob sie ihren Titel sofort verteidigen oder später nachlegen -, dass es „immer deutlich schwieriger ist, die Leistung zu bestätigen als die Tour de France erstmals zu gewinnen“. Es steht uns nicht zu, darin unangemessenen Hochmut zu vermuten, aber es scheint, dass diese Maxime für Tadej Pogacar weniger zutrifft. Bereits vor dem Auftakt in Brest muss der Vorjahressieger die Rolle des Favoriten ausfüllen, den letztes Jahr im September wenige in ihm sahen (wir erinnern an Bernal, Roglic, Pinot!). Und dennoch hat es den Anschein, dass er die zusätzliche Aufmerksamkeit nicht wie eine Last empfindet und seine Mission ohne falsche Bescheidenheit angeht und diesmal voller Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten ist, die er durch tadellose Leistungen zu Beginn des Jahres bestätigt: Er gewinnt drei von vier Etappenrennen und feiert einen Erfolg beim Rennen Lüttich-Bastogne-Lüttich. Wirkt sich dieses gesunde Selbstvertrauen auf die Fähigkeit Pogacars aus, die Stürze auf den ersten Etappen zu umschiffen? Schwer zu sagen, aber bereits nach drei Etappen sind die Reihe seiner Rivalen ausgedünnt. Und als messerscharfer Analytiker, der er inzwischen geworden ist, hat er schnell kapiert, dass er nicht mit Roglic wird kämpfen müssen, seinem älteren „Bruder“ im Peloton und Lieblingskind der Slowenen.  

Selbst angeschlagen wie Geraint Thomas oder von den vorderen Rängen abgehängt wie Miguel Angel Lopez, haben die im Vorfeld verkündeten Titelanwärter noch nicht abgedankt, als Pogacar beim Zeitfahren in Mayenne zum ersten Schlag ansetzt. Aber der Urteilsspruch von Laval sendet bereits eine erste Warnung an seine direkten Rivalen, darunter auch die, die an den Tagen davor weniger Federn gelassen haben. Drei Tage später bietet ihm die Sequenz von Anstiegen am Col de Romme gefolgt vom Col de la Colombière die Gelegenheit, die Konkurrenz in Le Grand Bornard zu düpieren. Auf einem 10 km langen Anstieg teilt er aus und Carapaz, Uran, Mas, Gaudu, Vingegaard oder auch Quintana müssen die unverdauliche Pille in Form minutenlanger Abstände schlucken. Von der ersten Bergetappe ist die Ansage klar: Wer darauf hofft, „Pogi“ ins Wanken zu bringen und ihm das Gelbe Trikot abzunehmen, das er gerade übernommen hat, muss sich mehr einfallen lassen.  

 Mit seinen beiden aufeinanderfolgenden Siegen am Col du Portet und in Luz Ardiden im Gelben Trikot steigt der junge Mann aus Komenda endgültig in die Weltklasse auf und beweist nicht nur seine sportliche Überlegenheit, sondern gleichzeitig auch seine Siegermentalität.

pogacar (tadej) - (slv) -  MURET/ST LARY SOULAN COL DU PORTET
pogacar (tadej) - (slv) - MURET/ST LARY SOULAN COL DU PORTET © PRESSE SPORTS
pogacar (tadej) - (slv) -  MURET/ST LARY SOULAN COL DU PORTET
pogacar (tadej) - (slv) - MURET/ST LARY SOULAN COL DU PORTET © PRESSE SPORTS
pogacar (tadej) - (slv) -  CHANGE/LAVAL
pogacar (tadej) - (slv) - CHANGE/LAVAL © PRESSE SPORTS


Nur einmal! Nur einziges Mal während des gesamten restlichen Rennens wird der junge Wilde abgeschüttelt, als Jonas Vingegaard in Sichtweite des Gipfels des Mont Ventoux sein Glück versucht. Die Hängepartie dauert nur zwei Kilometer und endet ohne jeglichen Zeitverlust am Scheitelpunkt des Bergs oder im Ziel in Malaucène. Ausgehend von diesem Sturm im Wasserglas klammern sich die Widersacher von Pogacar und die Kommentatoren an die winzige Hoffnung einer Anfälligkeit und die vermeintliche Schwäche seiner Helfer im Gebirge. Tatsächlich ist die Unterstützung durch seine Wasserträger für ihn im Flachen deutlich wichtiger als im Gebirge, wo er keinerlei Hilfe braucht. Und das stellt er unter Beweis, indem er über die Pyrenäen gerade hinwegfliegt. Mit seinen beiden Siegen an zwei aufeinanderfolgenden Tagen am Col de Portet und in Luz Ardiden im Gelben Trikot steigt der junge Mann aus Komenda endgültig in die Weltklasse auf und beweist nicht nur seine sportliche Überlegenheit, sondern auch seine Siegermentalität. Eddy Merckx höchstpersönlich braucht nicht lange, um dem slowenischen Pyrenäenbären den Beinamen „der neue Kannibale“ zu verpassen.  

Nach diesem Doppelauftritt muss sich Pogacar keine Gewalt antun, um Paris als Sieger zu erreichen. Sein achter Platz im Zeitfahren von Saint-Emilion und ein Vorsprung von 5’20’’ auf Jonas Vingegaard genügen am Ende, um den Sieg einzufahren. Gerade was seine Gewandtheit und auch Eleganz fernab des Rads angeht, ist aus dem Jungen ein gestandener Mann geworden. Seit der Episode von La Planche-des-Belles-Filles, die Pogacar schlagartig ins Rampenlicht rückte, wo wenig Platz für Kindereien ist, sind gerade einmal zehn Monate vergangen. Aber die Kilometer, die man bei der Tour in Gelb fährt, wiegen doppelt, dreifach oder fünffach in Sachen Reife. Tadej Pogacar 2021 ist um Lichtjahre gereift.

pogacar (tadej) - (slv) -  MURET/ST LARY SOULAN COL DU PORTET photo retouchee  mcnulty (brandon) ( usa) -
pogacar (tadej) - (slv) - MURET/ST LARY SOULAN COL DU PORTET photo retouchee mcnulty (brandon) ( usa) - © PRESSE SPORTS

Folge uns

Erhalten sie exklusive informationen zur Tour de France

DE CLUB