Bühne frei

15 Oktober 2019 - 12:05

Den Wagemut und Hauch von Tollkühnheit, die nötig sind, um Höchstleistungen abzuliefern und Emotionen zu wecken, kann man nicht anordnen. Aber wie bei allem hat die Kulisse großen Einfluss auf die Qualität der Darbietung. Die Kulisse der Tour 2020 gibt Aufschluss und öffnet Türen: Wie ein Regisseur, der weiß, war er seinen Schauspielern verdankt, sind wir uns bewusst, dass der Erfolg der Tour mit dem Glanz ihrer Fahrer steht und fällt. Ihnen wird es nicht an Gelegenheiten mangeln, ihr Talent unter Beweis zu stellen. Vom Tour-Auftakt in Nizza bis zur Zielgeraden auf den Champs-Élysées waren die Schauplätze, die sich für Gefechte anbieten, nie zuvor so vielfältig gestreut. So liegen zwanzig Tage zwischen dem Gastspiel am Col de la Colmiane, der ersten Passhöhe der Strecke 2020, bis zum Anstieg nach La Planche des Belles Filles, der zum ersten Mal als Zeitfahren auf dem Programm steht – und zwar am Tag vor dem Finale in Paris.

Die Tour 2020 hängt vor allem davon ab, was die Fahrer daraus machen. Aber die Abfolge und Eigenschaften der Schwierigkeiten lassen auf schöne Zweikämpfe hoffen. Neue Zieleinfahrten am Puy Mary und am Grand Colombier bedienen die Ambitionen der Kletterer. Der erstaunliche Folterweg, der in luftiger Höhe über dem Wintersportort Méribel hinauf zum Col de la Loze führt, ist als weitere Neuerung ebenfalls ein wichtiger Meilenstein.

Die oft sehr steilen Neuzugänge im Programm wechseln sich 2020 mit bekannten, aber neugestalteten Anstiegen ab. Der Col de la Madeleine wird beispielsweise über eine Strecke bezwungen, die noch nie auf dem Programm der Tour stand. Aber die Schlacht um das Gelbe Trikot könnte sich auch auf den Straßen des Départements Gard oder am Mont Aigoual, im Wind der Charente-Maritime, im Département Corrèze oder auf den Höhenzügen des Vercors im Département Isère entscheiden. Die Erinnerung an die Auseinandersetzungen der Tour 2019 lässt die Augen von Radsportfreunden leuchten. Sie erwarten im nächsten Juli das gleiche Engagement, die gleiche Leidenschaft.

Christian PRUDHOMME

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