Der Galibier 1911-2011

Ewig ruft der Galibier

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Aix les bains > Grenoble - 1936 - Frederico Ezquerra © Presse Sports

 

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Aix les bains > Briançon - 1974 - Raymond Poulidor © Presse Sports

Die Tour feiert 2011 das hundertjährige Jubiläum der ersten Bezwingung des Galibier durch das Peloton. Es ist der am häufigsten befahrene Alpenpass der Tour. Hier verläuft 2011 die Ziellinie der 18. Etappe in 2.645 m Höhe!

Das Fahrerfeld stand nach der Erkundung der Pyrenäen bei der Tour 1910 noch ganz unter dem Eindruck des Aubisque und des Tourmalet. Und schon war die Rede von einem neuen Gipfel, der erklommen werden sollte: einmal mehr eine Idee, die dem Einfallsreichtum von Henri Desgrange und Alphonse Steinès entspringt, den beiden Radsportbesessenen. Bei der Tour de France 1911 nahm das Peloton den Galibier ins Visier: höher, härter und kälter als alles, was die Starter bis dato überwinden mussten.

Trotz der körperlichen Qualen und inneren Revolte beseelte die Faszination des Orts und das Bewusstsein für ihren Husarenritt die Fahrer, die zwischen Himmel und Erde schweben. „Da bleibt einem die Spucke weg“, rief Émile Georget stolz den Zuschauern entgegen, als er an diesem 10. Juli 1911 als Erster den Gipfel des Col du Galibier in 2.556 m Höhe erreichte. Der Pionier der Pioniere hatte den 34 km langen Anstieg von Saint-Michel-de-Maurienne über den Télégraphe geschafft, ohne ein einziges Mal einen Fuß abzusetzen. Henri Desgrange, der natürlich vom Aufeinandertreffen dieser Giganten beeindruckt ist, singt völlig beseelt von diesem historischen Tour-Tag sein „Loblied“ in der L’Auto: “Sie müssen Flügel haben, unsere Männer, die sich in Höhen hinauf schwingen, in die sich selbst die Adler kaum begeben…“ Sappey, Laffrey, Col Bayard, Tourmalet! Ich muss es in die Welt rufen, dass ihr neben dem Galibier verblasst und klein werdet; vor diesem Riesen muss man den Hut ziehen und sich tief verneigen.“

Die Worte des ersten Tourchefs noch im Ohr stellen sich auch hundert Jahre später die Fahrer diesem gewaltigen Berg noch mit der gleichen Demut. Einige haben ihn gezähmt und es sogar geschafft, seine steilsten Flanken zu nutzen, um ihr Glück zu schmieden. Gino Bartali entledigte sich 1948 beispielsweise der Bedrohung durch Louison Bobet, als er am Galibier dominierte. Vier Jahre später erlebte er hier jedoch mit einer Nummer, die den Namen von Fausto Coppi trug, am eigenen Leib, was Generationenwechsel bedeutet: „Er geht ab wie eine Seilbahn an ihrem Stahlseil“, begeisterte sich Jacques Goddet.

Auch Bahamontes, Gaul, Merckx, Zoetemelk, Ocana oder Pantani haben in den Folgejahren ihre Spuren am Gipfel hinterlassen, der seit Schließung des Tunnels und dem Bau der neuen Straße übrigens noch ein paar Meter höher geworden ist. Und 2011 bekommt das Buch ein neues Kapitel mit der ersten Bergankunft, die sich am Col du Galibier entscheiden wird. Mit 2.645 m wird sie die bislang höchste in der Geschichte der Tour.