Tagebuch der Etappe

étape 20 - MontĂ©limar Mont Ventoux 167 km
Sonnabend 25 Juli

Garate meistert den Ventoux

Der Anstieg zum Mont Ventoux, der die letzte Gelegenheit bot, die Rangfolge bei der Tour de France noch einmal umzukrempeln, ist von der Gruppe der Favoriten um Alberto Contador mit Vorsicht angegangen worden. Contador konnte allen Offensiven der Schleck-Brüder systematisch Paroli bieten, ohne je Boden einzubüßen. Es ging am heutigen Tag auch um den Sieg bei dieser prestigereichen Etappe, doch im letzten Anstieg konnten nur noch zwei Anwärter der Rückkehr der Gruppe um das Gelbe Trikot trotzen. Zwischen Tony Martin und Juan Manuel Garate wurde der Sieg im Sprint ausgetragen. Garate wurde dabei zum ersten spanischen Sieger auf dem Gipfel zum Mont Ventoux.


Höchstabstand: 10’35’’

Eine Ausreissergruppe bildete sich bereits nach 3 km mit Roulston (CTT), Garate, Posthuma (RAB), Martin (THR), Riblon (ALM), Kuschynski (LIQ), Geslin (FDJ), Dumoulin (COF), Righi (LAM), Bonnet (BBO), Bouet (AGR), Lemoine und Timmer (SKS), zu denen bei km 25 noch Delage (SIL), Perez Moreno (EUS) und Gutierrez (GCE) hinzustoßen konnten. Die Ausreisser wurden vom Peloton zunächst nachsichtig behandelt: sie konnten den Vorsprung bei km 78 auf maximal 10’35’’ ausbauen.


Sastre und Evans in der Falle


Die Fahrer vom Team Saxo Bank, deren Ambitionen für das Finale des Tages deutlich waren, setzten sich an die Spitze des Pelotons, ohne jedoch wirklich zur Aufholjagd zu blasen. Die bei km 136 von der Astana-Mannschaft eingeleitete Tempoerhöhung erwies sich als weitaus brutaler und führte sogleich zu einem Bruch im Hauptfeld. Die Teamgefährten des Gelben Trikots fanden sogleich Unterstützung bei den Fahrern von Saxo Bank und Garmin, um den Abstand zu den in die Falle getappten Fahrern auszubauen, darunter Carlos Sastre und Cadel Evans.


Garate sprengt die Gruppe


Bei diesem Tempo schmolz der Vorsprung der Führungsgruppe dahin: am Fuße des finalen Anstiegs hatten die 16 Angreifer nur noch 4’05" Vorsprung. Einer von ihnen, Juan Manuel Garate, sprengte daraufhin mit einem Antritt die Gruppe und wurde auf dem weiteren Wege zum Gipfel nur noch von Tony Martin begleitet.


Hyperaktive Schleck-BrĂĽder


Der im Vorfeld zum Anstieg auf den Ventoux bereits begonnene Auswahlprozess setzte sich in der Gruppe der Favoriten fort – vor allem auf Betreiben der hyperaktiven Schleck-Brüder. Der ältere der beiden gab 14 km vor dem Gipfel den Auslöser, woraufhin von der Elite nur noch etwa 10 Fahrer übrigblieben: Contador, Armstrong, Klöden, Vanden Broeck, A. und F.Schleck, Wiggins, Pellizotti, Kreuziger und Nibali bildeten den harten Kern beim weiteren Geschehen unter den Favoriten. Der Zweite in der Gesamtwertung, Andy Schleck, hat alles versucht, um Contador abzuhängen, ohne ihm aber je auch nur eine Sekunde abnehmen zu können. Insgesamt hat der Träger des Weißen Trikots acht Attacken im Anstieg gestartet, wodurch zeitweilig weiter hinten Schaden angerichtet wurde: Klöden, Wiggins und Kreuziger waren die Leittragenden der wiederholten Tempoerhöhungen im Anstieg.


Garate im Sprint zu zweit


Franco Pellizotti hingegen fand noch einmal die Kraft für einen Versuch, doch noch diese ruhmreiche Etappe des Ventoux zu gewinnen: der Träger des Gepunkteten Trikots machte sich 5 km vor dem Ziel auf die Verfolgung von Garate und Martin, sollte das Duo jedoch nie erreichen. Der Etappensieg wurde zwischen Martin und Garate ausgetragen, der im Alleingang siegen wollte und 2 km vor dem Ziel beschleunigte. Doch der junge deutsche Fahrer konnte ihn auf dem letzten Kilometer noch einmal stellen: er wollte sich erst in einem Sprint zu zweit geschlagen geben. Der spanische Fahrer wartete demnach bis zum letzten Augenblick, ehe er zum Sprint ansetzt. Auf den letzten 50 Metern beendete er sein Tagewerk mit dem schönsten Sieg seiner Karriere.