
Saint-Brieuc
164.5 km
Sonntag 6 Juli
Auf der Etappe von Auray nach St.-Brieuc, bei der sich vier Franzosen über den Großteil der Strecke in Kooperation üben, holt sich ein Norweger den großen Preis. Thor Hushovd hat den Zeitpunkt für seinen Sprint perfekt ausgewählt, als er nur 300 Meter vor dem Ziel aus dem Windschatten von Mark Renshaw, seinem Vorarbeiter bei Crédit Agricole, ausschert. Obwohl ihm zwei Fahrer vom Team Columbia auf den Fersen sind – Kim Kirchen und Gerald Ciolek – kann sich der Norweger durchsetzen und seinen sechsten Etappensieg bei der Tour de France holen. Die Ausreißer – darunter auch der bretonische Fahrer David Lelay und der stets angriffslustige Sylvain Chavanel, der erst auf den letzten 1.500 Metern eingeholt wird – müssen auf eine neue Etappe hoffen. Auch Valverde kämpft in dem hektischen Sprint vorn mit, geht als 12. über die Ziellinie und sichert sich so das gelbe Trikot für einen weiteren Tag!
Der Verlauf
Die 164,5km lange zweite Etappe startet um 13h11 mit 179 Fahrern. In Auray fällt leichter Regen, aber es klart während der ersten Stunde auf und der Großteil des Rennens wird auf trockenen Straßen ausgetragen. Die Etappe nach St.-Brieuc zählt vier Anstiege – in Bieuzy-Lanvaux (Kat. 4, bei 23,5km), Kergroix (Kat. 4, bei 43km), Mur-de-Bretagne (Kat. 3, bei 92km) und Côte de Saint-Mayeux (Kat. 4, bei 96km). Die Zwischensprints liegen in Camors (28,5km), Pontivy (74km) und Corlay (103km).
Zwei Franzosen setzen sich ab
Danny Pate vom Team Garmin greift als Erster an; er versucht bereits auf dem ersten Kilometer sein Glück und ihm folgen acht weitere Fahrer, darunter Fischer (LIQ), Sylvain Chavanel (COF), Wegmann (GST), Eisel (THR) und Voigt (CSC). Bouygues Télécom ist entschlossen, den Ausreißversuch noch vor dem ersten Anstieg zunichte zu machen und es gelingt; die acht Ausreißer werden bei Kilometer 21.5km, am Fuß des Côte de Bieuzy-Lanvaux, eingeholt. Voeckler (BTL) im gepunkteten Trikot versucht sich auf dem Anstieg durchzusetzen, aber dies wird von Chavanel vereitelt. Schröder (MRM) wird Dritter. Die französischen Fahrer lassen nicht nach; Chavanel wird Erster im Sprint (mit 35” Vorsprung auf das Feld) und Voeckler hat die Nase am zweiten Anstieg vorn (4’00” Abstand auf das Feld). Die durchschnittliche Geschwindigkeit in der ersten Stunde beträgt 44,8km/h.
’Teamarbeit’ von Chavanel & Voeckler
Den größten Vorsprung erreichen die beiden Männer an der Spitze 100km vor dem Ziel, als ihr Abstand auf das Hauptfeld 6’25” beträgt. Nachdem sich die Ausreißer abgesetzt haben, übernimmt das Team Caisse d’Epargne die Führung im Peloton und gibt das Tempo vor. In der zweiten Stunde erreicht die mittlere Geschwindigkeit 42,6km/h. Jalabert stürzt in der Versorgungszone, kann aber schnell wieder aufsteigen. Chavanel führt Voeckler beim zweiten Zwischensprint über die Linie und die beiden arbeiten bis zum Mur-de-Bretagne gut zusammen. Am Gipfel holt sich Chavanel erneut die Punkte für den ersten Platz mit 2’00” Vorsprung auf zwei Fahrer von Agritubel, die zwischenzeitlich einen Angriff wagen – Moreau und Lelay. Diese beiden lassen sich in ihrem Gegenangriff nicht beirren und liegen beim vierten Anstieg 2’00” hinter dem Duo an der Spitze, das 3’30” Abstand auf das Feld hat. Beim dritten Sprint verkürzt sich der Abstand der beiden Führenden auf Lelay und Moreau auf 53“ und 3’15” auf das Peloton.
Vier Franzosen in FĂĽhrung
Lelay und Moreau holen Voeckler und Chavanel 57km vor dem Ziel ein. Der Abstand auf das Hauptfeld beträgt zu diesem Zeitpunkt 2’55”. Française des Jeux schickt jetzt Fahrer an die Spitze des Felds, um die Verfolgung der vier französischen Fahrer aufzunehmen. 50km vor dem Ziel verkürzt sich der Vorsprung auf 2’35”; 40km vor dem Ziel auf 1’55”… Die Durchschnittsgeschwindigkeit beträgt in der dritten Stunde 39,4km/h. Soler kann 27km vor dem Ziel nicht mehr mit dem Feld mithalten. Der Abstand des Pelotons auf die vier Ausreißer beträgt 25km vor dem Ziel noch 1’00”. Soler liegt 2’35” hinter den Führenden.
Vorbereitung des Sprints
Chavanel greift die anderen Ausreißer 3km vor dem Ziel an, und in diesem Augenblick schicken auch die Sprintteams ihre Spitzenfahrer in den Kampf. Quickstep führt das Peloton an, das Moreau, Lelay und Voeckler einholt und verschluckt. Caisse d’Epargne übernimmt mit Valverde in zweiter Position liegend, als auch Chavanel eingeholt wird (etwa 1,500m vor dem Ziel). Cancellara riskiert wagemutig einen Angriff, wird aber etwa 500m vor der Ziellinie eingeholt. Mark Renshaw fliegt an dem Schweizer Fahrer vorbei und dann vollendet sein Mannschaftskapitän Thor Hushovd die herausragende Vorarbeit. Zwei Fahrer von Columbia arbeiten sich heran, aber der Norweger ist uneinholbar. Es ist sein sechster Etappensieg bei seinem sechsten Tourstart.
Der Luxemburger, Vierter in Plumelec und Zweiter in Saint-Brieuc, sichert sich zwar keinen Etappensieg, dafĂĽr aber das grĂĽne Trikot.
„Am Ende der Etappe kam es zu einigen Stürzen und ich musste bremsen, bevor ich wieder beschleunigen konnte. Ich war ziemlich müde, und ich wusste, dass wir am Ende starken Gegenwind haben würden, und daher war es kein Tag für mich, früh auszureißen. Ich hatte Glück, weil ich mich auf der rechten Straßenseite positioniert hatte und dort hat sich für mich eine Lücke geöffnet. Insgesamt habe ich nicht schlecht abgeschnitten: gestern Vierter, heute Zweiter; ich kann mit mir zufrieden sein.
Diese Etappe war wegen des kleinen Anstiegs und vor allem wegen des Winds schwierig. Mark Cavendish war im Ziel nicht gut positioniert, so wurde Gerald Dritter, was aber auch zeigt, dass wir ein starkes Team haben. Sobald sich für „Cav“ eine Chance ergibt, gehen wir alle mit ihm nach vorn.
Zweimal nacheinander hatten wir jetzt Zieleinfahrten, die mir lagen. Gestern wurde ich 150m vor der Ziellinie eingeholt. Heute hatte ich Glück, dass ich Zweiter wurde und mir das grüne Trikot sichern konnte. Für mich ist das bisher schon eine gute Tour.“
Der norwegische Sprinter berechnet seine Beschleunigung zusammen mit Teamkollege Mark Renshaw. Ein unschlagbares Duo.
„Das ist der beste Start in eine Tour. Jetzt kann ich mich etwas entspannen. Die erste Mission ist bereits erfüllt. Ich kann mich auf das grüne Trikot konzentrieren, und warum nicht auch weitere Etappensiege.
Etwa 700m vor dem Ziel hing ich am Hinterrad von Mark Renshaw und sagte zu ihm: „Keine Panik, ich bin da.“ Er hat also gewartet, um dann 400m vor dem Ziel zu beschleunigen, und ich bin direkt hinter ihm geblieben. Ich habe eigentlich erst 200m vor der Linie zum Sprint angesetzt und alles ist perfekt gelaufen. Ein sehr guter Sprint.
Wenn Cancellara so angreift, bedeutet es, dass er sehr stark ist. Seine Kraft ist beeindruckend. Heute war ich an der Reihe, aber ich denke, dass wir von Cancellara noch einiges sehen werden.“
Für Thomas Voeckler, der bereits am Vortag in einer Ausreißergruppe mitfuhr, rächten sich seine Bemühungen am Ende der Etappe, als es galt, dem Ansturm des Pelotons standzuhalten.
„Der Start war heikel, weil es sehr schnell losging. Das Team hat hervorragende Arbeit geleistet, die erste Ausreißergruppe nicht davonziehen lassen und mir so die Möglichkeit gegeben, am ersten Anstieg Punkte zu holen. Das hat mich sehr motiviert, also habe ich mich mit Sylvain Chavanel abgesetzt. Als Moreau und Lelay dazukamen, haben wir versucht, das Tempo zu verschärfen, aber meine Beine haben nicht mehr mitgespielt. Ich gebe unumwunden zu, dass ich heute nicht den Beitrag gebracht habe, den ich normalerweise in einer Ausreißergruppe leiste. Aber der Tag gestern hat mich bereits sehr viel Energie gekostet und ich hatte es einfach nicht mehr in den Beinen. Und man darf auch nicht vergessen, dass auf dieser Art von Etappe 95% der Ausreißer von den Sprinterteams eingeholt werden.“
Etwa 1km vor dem Ziel eingeholt, verpasst Chavanel erneut haarscharf den Etappensieg. Nächstes Ziel: das Zeitfahren in Cholet.
„Auf dem letzten Kilometer noch eingeholt zu werden? Ich bin das gewöhnt! Das ist natürlich nicht ernst gemeint. Klar ist es enttäuschend, vor allem weil die heutigen Anstrengungen ihre Spuren hinterlassen werden. Es war heute vor dem Start überhaupt nicht geplant, aber als ich Wegmann, Voigt und einige andere davonziehen sah und wir dann die Chance hatten, mit Thomas Voeckler mitzugehen, haben wir es gewagt.
Zehn Kilometer vor dem Ziel dachte ich noch, dass wir eine Chance haben, weil wir eine Minute Vorsprung hatten, aber der Gegenwind auf den letzten drei oder vier Kilometern war für uns fatal. Das ist schade, weil wir sie fast gehabt hätten.
Ich werde es auf einer anderen Etappe noch einmal versuchen, das ist sicher. Aber jetzt muss ich mich erstmal erholen, weil ich vor allem ein gutes Zeitfahren in Cholet hinlegen möchte, wie im letzten Jahr in Albi. Ich habe schließlich einen französischen Titel, dem ich gerecht werden muss.“
Die zehn besten Fahrer auf der 164,5km langen Etappe von Auray nach St.-Brieuc:
1. Thor Hushovd (NOR) C.A
2. Kim Kirchen (LUX) THR
3. Gerald Ciolek (DEU) THR
4. Robbie Hunter (RSA) BAR
5. Erik Zabel (DEU) MRM
6. Yury Trofimov (RUS) ALM
7. Oscar Freire (ESP) RAB
8. Jimmy Casper (FRA) AGR
9. Martin Elminger (CH) ALM
10. Leonardo Duque (KOL) COF
Es ist der sechste Etappensieg fĂĽr Thor Hushovd. Der Gewinner des grĂĽnen Trikots 2005 brach sich auf den letzten 300m Bahn und setzte sich mit hauchdĂĽnnem Vorsprung gegen andere Sprintspezialisten durch.
Thor Hushovd setzt sich gegen alle durch und holt sich den Etappensieg vor einem Fahrer vom Team Columbia, wahrscheinlich Cavendish.
Cancellara schiebt sich an die Spitze. Weniger als 1km vor dem Ziel wird er von Pozzato gejagt.
Valverde ist jetzt Zweiter im Feld. Setzt er zum Sprint an? Es scheint so. Chavanel ist in Sicht und Cancellara schert aus.