Tagebuch der Etappe

etappe 5 - Chablis Autun 182.5 km
Donnerstag 12 Juli

Die Etappe im Rückblick

Pozzato hat das richtige Timing

Der italienische Fahrer, der sich bereits 2004 in Saint-Brieuc durchsetzte, holt dank einer Teamstrategie, die sich am Ende auszahlen sollte, den Etappensieg in Autun. Nachdem man zunächst eine Ausreißergruppe mit Sylvain Chavanel, Philippe Gilbert, William Bonnet und Gianpaolo Cheula ziehen ließ, vereitelte das Team Liquigas alle Hoffnungen von Chavanel und Gilbert mit einer Aufholjagd, die seinen Spitzenfahrer in ideale Position brachte. Auf den letzten 300m des Rennens setzte sich Filippo Pozzato gegen Freire und Bennati durch. Sylvain Chavanel beendet den Tag im gepunkteten Trikot.

Immer wieder Sylvain Chavanel
Stéphane Augé (FRA – COF) versucht zwar, sich bei km 8 abzusetzen, aber es ist Sylvain Chavanel (FRA – COF), der im ersten Teil des Rennens die größte Entschlossenheit an den Tag legt. Ab km 19 sind mehrere Offensiven erforderlich, bis es dem Spitzenfahrer von Cofidis gelingt, in Begleitung von William Bonnet (FRA – C.A) und Philippe Gilbert (BEL – FDJ) Boden gut zu machen. Gianpaolo Cheula (ITA – BAR), der nicht stark genug ist, um mit dem französisch-belgischen Trio mitzuhalten, schließt später zur Spitze auf.

Aus dem Quartett wird ein Duo
Während sich Sylvain Chavanel anschickt, alle Bergwertungen des Tags einzusammeln, wächst der Vorsprung der Ausreißergruppe kontinuierlich und erreicht zwischenzeitlich 14’50’’ bei km 52. Erst bei km 60 gelingt es Cheula, die Lücke zur Spitze des Rennens zu schließen. Auch wenn es für das Team CSC keine erklärte Priorität war, das gelbe Trikot zu verteidigen, zeigt sich das Hauptfeld doch angesichts der Höhe des Vorsprungs alarmiert, der den Interessen einiger Mannschaften zuwiderlaufen könnte. Die Aufholjagd beginnt prompt, denn nur 50 km weiter ist der Vorsprung der Ausreißer bereits auf 4’ geschrumpft. Am Fuße des langen Aufstiegs nach Haut-Folin hat die Spitzengruppe nur noch 2’30’’ Minuten Vorsprung. Um ausreichenden Abstand zu wahren, um sein Tagesziel zu erreichen, verschärft Chavanel auf dem Anstieg das Tempo, um den schwindenden Vorsprung der Gruppe zu sichern (3km vor dem Gipfel 1’30’’). Nur Philippe Gilbert kann mithalten und hilft dem Franzosen, den Vorsprung auszubauen: Auf dem Gipfel beträgt der Abstand zum Hauptfeld wieder 2’10’’.

Sturz für Vino
Im Übergang zum letzten Zwischensprint, wo Gilbert seine Position in der Wertung der Jungprofis durch einige Bonussekunden ausbaut, bleiben den beiden Fahrern an der Spitze noch 37 Kilometer zum Ziel und weniger als zwei Minuten Vorsprung. Die Abfahrt und Enge der Straße erschweren die Verfolgung und ermöglichen es den Ausreißern, ihre Hoffnungen weiter zu nähren. Aber 15 km vor dem Ziel schrumpft der Abstand auf 40’’ Sekunden. Weiter hinten verfolgen Vinokourov und seine Teamkollegen eine ganz andere Mission. Der kasachische Fahrer versucht, nach einem Sturz 25 km vor dem Ziel, die verlorene Zeit gutzumachen. Er tritt die Etappen in den Alpen wahrscheinlich mit 1’ Rückstand auf seine Hauptrivalen an.

Popovych und Cancellara fast gestürzt
Der Aufstieg zum Croix de la Libération beendet das Abenteuer für Gilbert und Chavanel, die vom Hauptfeld eingeholt werden, in dem die Fahrer von Rabobank und Liquigas den Ton angeben. Auf der Abfahrt nach Autun versucht Laurent Lefèvre, sich abzusetzen. Er wird zunächst von Popovych eingeholt, dann überholt. Der Ukrainer geht etwas zu ehrgeizig an die Abfahrt heran und kann in einer Kurve nur knapp einen Sturz verhindern. Fabian Cancellara, der sich offensichtlich von den Angriffen am Ende des Rennens hat anstecken lassen, tut es ihm gleich. Auf dem letzten Kilometer versucht Lefèvre, sich in Begleitung von Millar abzusetzen, aber es deutet sich ein Massensprint im Ziel an. Pozzato setzt sich gegen Freire, Bennati, Kirchen und Zabel durch. Der deutsche Fahrer sichert sich das grüne Trikot.

 

Interviews

Erik Zabel: "Ich mag nicht der Schnellste sein, aber ich bin immer dabei"

Der Sprinter aus Deutschland hat nicht die Etappe gewonnen, holt sich aber das grüne Trikot dank seiner regelmäßigen guten Platzierungen.

"Es ist fantastisch, wieder das grüne Trikot zu tragen. Ich habe es letztmals 2001 gewonnen und zum letzten Mal getragen habe ich es 2002. Das ist schon lange her, aber ich fühle mich immer noch gut. Eigentlich sollte ich bei der Tour Alessandro Petacchi unterstützen. Leider ist er nicht dabei, also hat sich meine Rolle geändert. Letzten Mittwoch sagte mein sportlicher Leiter zu mir: „Jetzt musst du sprinten“, und ich hatte nur zwei Tage, mich an den Gedanken zu gewöhnen, also bin ich ziemlich zufrieden, dass es mir gelungen ist, dieses Trikot zu holen. Ich weiß, dass ich nicht der Schnellste bin, aber mit mir ist immer zu rechnen und ich habe viel Spaß im Hauptfeld. Das ist das Wichtigste für mich.
Paris ist für mich noch weit weg. Im Moment denke ich nur an morgen. Die üblichen Rivalen sind McEwen, Boonen und Freire…, aber jetzt kommt auch Pozzato dazu. Jeder kann jeden schlagen, das macht diese Wertung so interessant.“

Fabian Cancellara: "Ich habe etwas zuviel riskiert"

Der Träger des gelben Trikots konnte auf der Abfahrt nach Autun nur knapp einen Sturz vermeiden. Er wollte seine Platzierung in der Gesamtwertung verteidigen, aber heute keinen weiteren Etappensieg holen.

„Jeder wollte an der Spitze mithalten, und dann passieren manchmal Unfälle, wenn man etwas riskiert, wie ich es auf den letzten Kilometern getan habe. Ich wollte mein Trikot verteidigen und so meinen Teamkollegen für alles danken, was sie für mich getan haben, und es vielleicht noch einen Tag länger tragen.
Ich habe nicht wirklich versucht, die Etappe zu gewinnen. Ich wollte mich nur gut platzieren. Als wir gesehen haben, dass alle Mannschaften das Tempo verschärfen, um die Ausreißer einzuholen, haben wir beschlossen, mitzugehen, aber das war heute Morgen nicht geplant.“

Sylvain Chavanel: "Einen Etappensieg würde ich immer vorziehen"

Sylvain Chavanel hat heute erneut die bittere Pille schlucken müssen, dem Feld davon zu fahren und am Ende doch eingeholt zu werden. Das Punktetrikot und die Wertung des kämpferischsten Fahrers sind große Auszeichnungen, aber der Franzose verliert sein Hauptziel nicht aus den Augen: einen Etappensieg.

Dieses Punktetrikot ist der Lohn für meine Anstrengungen. Der Tag war schwierig, vor allem weil es zu Beginn der Etappe windig war. Als unser Vorsprung fast fünfzehn Minuten betrug, haben alle Teams angezogen und dann wurde es wirklich schwierig, den Vorsprung zu halten. Philippe Gilbert und ich haben zusammen ein schönes Ende hingelegt und ich fing schon an, daran zu glauben. Aber der letzte Anstieg hat uns komplett ausgebremst.
Heute habe ich wirklich Schmerzen in den Beinen, also werde ich versuchen, es morgen ruhiger angehen zu lassen. Aber für die Tage danach habe ich meine Vorstellungen. Ich weiß nicht, ob es mir gelingen wird, dieses Trikot zu verteidigen, weil es im Hochgebirge viel schwieriger wird. Auf jeden Fall werde ich einen Etappensieg der Verteidigung des Trikots immer vorziehen.“

Filippo Pozzato: "Ich träume gern, also… "

Da es so gut läuft, denkt Filippo Pozzato nicht daran, es bei seinem zweiten Etappensieg bei der Tour de France nach dem Sieg in Saint-Brieuc 2004 zu belassen. Er hat bereits einen weiteren Etappensieg im Blick, und warum nicht auch das gelbe Trikot?

Seit der ersten Etappe hatte ich das Gefühl, dass ich in der Lage bin, eine Etappe zu gewinnen. Dank meines Siegs beim Rennen Mailand – San Remo 2005 weiß ich, dass ich mich mit den Besten messen kann, also habe ich jeden Tag versucht, am Ende der Etappe vorn mitzumischen. Dass ich überhaupt in dieser Position war, habe ich natürlich allen Fahrern von Liquigas zu verdanken, die im Finale hervorragende Arbeit geleistet haben. Ich konnte sie einfach nicht enttäuschen, aber ich habe trotzdem befürchtet, dass Valverde antritt. Ich fürchte auch, dass ich Bennati gestört habe, denn unsere Reifen haben sich berührt.
Jetzt habe ich nur noch 35’’ Abstand auf Cancellara und ich träume gern, also … Ich habe große Lust, eine weitere Etappe zu gewinnen.

 

Agenturmeldungen

17:47 - Die ersten 10 Fahrer der 5. Etappe

1. Filippo Pozzato (LIQ) 182,5 km in 4h39’01" (39,244 km/h)
2. Oscar Freire (RAB)
3. Daniel Bennati (LAM)
4. Kim Kirchen (TMO)
5. Erik Zabel (MRM)
6. George Hincapie (DSC)
7. Cristian Moreni (COF)
8. Stefan Schumacher (GST)
9. Bram Tankink (QSI)
10. Jerome Pineau (BTL)

17:46 - Cancellara fährt weiter im gelben Trikot

Fabian Cancellara hat die Etappe als 12. beendet. Der Fahrer von CSC behält das gelbe Trikot.

17:40 - Top 5 im Ziel

1. Pozzato
2. Freire
3. Bennati
4. Kirchen
5. Zabel

17:39 - Rückstand von Vinokourov

Der gestürzte Vinokourov trifft mit einem Abstand von 1’20’’ auf das Hauptfeld im Ziel ein.

17:38 - Sieg für Pozzato

Der Sprint wurde mit Freire ausgetragen. Pozzato holt seinen zweiten Etappensieg bei der Tour de France.