
Redon
198 km
Montag 4 Juli
Bei seiner dritten Teilnahme feiert Tyler Farrar seine Siegpremiere bei der Tour de France, indem er sämtliche Sprintspezialisten hinter sich lässt. Dem US-Fahrer wird diese Ehre ausgerechnet am amerikanischen Nationalfeiertag zuteil, nach einem von seinem Team perfekt aufgezogenen Finale. Somit feiert seine Mannschaft nach dem Sieg im Teamzeitfahren von Les Essarts den zweiten Erfolg in Serie. In Redon dominiert der Zug von Garmin-Cervélo die HTC-Maschinerie von Mark Cavendish. Insbesondere Thor Hushovd, der Träger des Gelben Trikots, verdient eine Sondererwähnung als Luxus-Tempomacher für Farrar. Der Tagesieger widemt seinen Sieg seinem Teamgefährten Wouter Weylandts, der auf den Straßen des Giro ums Leben kam.
Quintett an der Spitze
Bereits im ersten Rennkilometer bildet sich ein Ausreißerquintett mit Ruben Perez Moreno (Esp-EUS), Jose-Ivan Gutierrez (Esp-MOV), Maxime Bouet (Fra-ALM), Niki Terpstra (Hol-QST) und Michael Delage (Fra-FDJ). Die Formation Garmin-Cervélo bestimmt das Tempo an der Spitze des Pelotons, lässt den Vorsprung der Ausreißer aber bei km 74 bis auf 8’05’’ anwachsen.
Gilbert ehrt das Trikot
Die Ausreißer genießen zunächst zwar eine gewisse Narrenfreiheit, doch lässt die Aussicht auf Punkte beim Zwischensprint das Hauptfeld näher herankommen. Hinter der fünfköpfigen Ausreißergruppe mit Michael Delage an der Spitze bleiben vor allem noch 10 Punkte für den sechstplatzierten Fahrer. Die bekannten Spezialisten organisieren den Sprint, aber auch Philippe Gilbert steht dem in nichts nach, und macht seinem Trikot alle Ehre. Allerdings wird er 200 Meter vor der Markierung von Mark Cavendish nach dessen Tempoverschärfung überflügelt. Das Peloton ist bis auf 4’45’’ an die Ausreißer herangerückt.
Ein Punkt für Delage
Ein anderer Showdown steigt auf dem Pont de Saint-Nazaire, wo Michael Delage den einzigen Punkt der Bergwertung einfährt. Dahinter schwindet das Tempo nicht, und der Anstieg des Tages verursacht einen Bruch im Feld, das die Mündung der Loire mit einem Rückstand von 1’35’’ überquert. Zu den Fahrern, die große Mühe haben, gehören auch Wladimir Karpets, Sandy Casar und Rémy Di Gregorio. Der allgemein günstige Wind auf dem letzten Streckendrittel erleichtert die Verfolgung. 40 km vor dem Zielstrich erscheint der Vorsprung der Ausreißer von 40’’ ziemlich mager, obschon sich das Feld nicht überschlägt, um sie einzuholen.
Garmin gewinnt die Oberhand
20 km vor dem Ziel startet Jose-Ivan Gutierrez eine Offensive, die das Fünfer-Abenteuer jäh beendet. Dennoch geht es für ihn im Duo mit Michael Delage weiter. Die beiden Männer werden erst 9 km vor dem Ziel vom Peloton gestellt. Ein Massensprint bahnt sich an, hauptsächlich von HTC aufgezogen, wobei die Formation eine schier unbesiegbare Maschinerie aufbietet. Aber auf dem letzten Kilometer gewinnt die Formation Garmin die Oberhand und zieht mit Thor Hushovd als letztem Tempomacher, dem Gelben Trikot in Person, den Schlussspurt für Tyler Farrar an. Der US-Sprinter holt anschließend alles aus sich heraus und wehrt die Attacke von Romain Feillu ab, der in Redon Zweiter wird. Mit dem dritten Platz erobert der spanische Meister Jose Joaquim Rojas das Grüne Trikot.
«Ich hatte gehofft, Edvald Boasson Hagen und Ben Swift im finalen Sprint zu helfen, doch leider wurden sie weggeschubst und konnten nicht mehr folgen. Der Plan war, einen Kilometer vor dem Ziel anzuziehen, was ich auch getan habe. Allerdings haben sie mein Hinterrad verloren, und als ich mich umgesehen habe, war niemand mehr da. Und alleine hatte ich keine Chance auf den Sieg. Ich hatte schon viel Kraft gelassen, und knapp hinter mir waren Fahrer wie Hushovd und Renshaw!
Ich denke, dass die Organismen am Ende der Woche allmählich müde werden, und dass dann ein ruhigeres Rennen folgen wird. Es ist toll, sich mitten im Renngeschehen wiederzufinden, gute Plätze zu erobern und dieses Weiße Trikot zu tragen. Das ist die Tour de France, das größte Rennen des Jahres, und ich stehe auf dem Podium!
Die letzten 50 Kilometer waren eher verrückt. Bei dem Zuschauerandrang hätte man denken können, es sei eine Bergetappe, dabei fuhren wir mit 60 km/h. Das war ein echter Sprint der Marke Tour de France, unglaublich heftig umkämpft und abwechslungsreich.»
Bereits nach dem siegreichen Auftritt beim Mannschaftszeitfahren von Les Essarts thronte das Team Garmin-Cervélo an der Spitze der Wertung, doch heute hat die Formation ihr Talent in einer anderen Disziplin gezeigt: im Massensprint. Man begnügt sich nicht nur damit, Tyler Farrar in Redon zum Sieg zu geleiten, sondern fährt auch noch den Team-Etappensieg ein, da die Tempomacher Thor Hushovd und Julian Dean bis zum Schluss durchgezogen haben und die Plätze 6 und 7 belegen. Vacansoleil, Omega Pharma-Lotto und FDJ vervollständigen die Tagestabelle, während in der Mannschaftsgesamtwertung alles beim Alten bleibt, da alle in der gleichen zeit klassiert sind. Bevor Mûr-de-Bretagne ansteht, behauptet Garmin-Cervélo eine Sekunde Vorsprung auf BMC und vier auf Leopard-Trek und Sky.
«Seit dem Beginn dieser Tour trage ich quasi sämtliche Trikots, und morgen ist das Bergtrikot an der Reihe. Das nennt man wohl eine schöne Sammlung. Die Etappe von Mûr-de-Bretagne erwarte ich seit langem und ich denke, dass es sich um ein Teilstück ganz nach meinem Geschmack handelt. Ich hoffe auf den Tagessieg. Es wird vielleicht anders als beim Mont des Alouettes, denn seither hat sich die Situation verändert. Beispielsweise hat Alberto Contador Zeit eingebüßt und er könnte versuchen, seinen Rückstand wettzumachen. Er könnte für mich also zu einem Verbündeten werden, ich könnte mich eine Zeit lang an sein Hinterrad klemmen.»
«Seit mehrer Saisons fahre ich diesem Sieg hinterher. Häufig war er zum Greifen nah, und endlich einen zu feiern, ist eine enorme Erleichterung. Wir haben bereits die gestrige Etappe gewonnen, das war schon unglaublich. Auf dem Podium zu stehen, ist ein Traum. Und am nächsten Tag gleich nochmal drauf zu klettern, das muss ich erst noch verarbeiten. Der Sieg bei einem Zeitfahren ist etwas ganz Besonderes, aber ein Sprintsieg bei der Tour… davon träume ich, seitdem ich ein kleiner Junge bin! Außerdem noch mit dem Weltmeister und Träger des Gelben Trikots als Lokomotive, daas ist einzigartig. Mit einer solchen Hilfe kann nichts schiefgehen. Das Ganze am amerikanischen Nationalfeiertag, das ist ein Zeichen, dass einfach alles gepasst hat.
Heute haben wir auch unter Beweis gestellt, dass wir auch einen leistungsstarken Zug aufziehen können. Anfangs hat David Millar die Führungsarbeit geleistet, dann Thor Hushovd, dann Julian Dean und schließlich war ich an der Reihe. Diese Arbeit haben wir 2009 gemeinsam begonnen, und wir verbessern sie ständig.
Diesen Sieg widme ich Wouter, sein Tod bedeutet einen schrecklichen Verlust. Hinter mir liegen einige sehr schwere Monate, seitdem er von uns gegangen ist. Ich wollte bei der Tour etwas zustande bringen, um ihm die Ehre zu erweisen, und es ist mir gelungen.»
«Ich habe den heutigen Tag in Gelb gut genutzt, konnte mich im Peloton umher bewegen und viel mit den anderen Fahrern reden. Aber wir mussten natürlich unsere Arbeit erledigen, weil wir doch Tyler Farrar zum Tagessieg führen wollten. Im Finale habe ich den Zug auf dem letzten Kilometer eine Zeit lang angeführt, bevor ich Platz gemacht habe für Julian Dean und dann Tyler. Wir haben unseren Job korrekt erledigt, denn es hat funktioniert.
Bei der Tour-Ankunft hatten wir mehrere Ziele, von denen zwei bereits erfüllt sind, das ist außergewöhnlich. Heute wollte ich das Gelbe Trikot verteidigen, was mir gelungen ist. Allerdings bin ich auch zur Tour gekommen, um Tyler zu Siegen zu verhelfen, und auch das hat geklappt. Besser geht nicht, das ist die reinste Freude.
Jetzt werde ich alles daran setzen, um das Gelbe Trikot zu verteidigen, doch ist mir bewusst, dass es schon ab morgen sehr schwer wird. Der Anstieg von Mûr-de-Bretagne ist über zwei Kilometer lang und sehr steil. Ich werde versuchen, mich an die Kletterer zu hängen und mitzuhalten. Ich habe für morgen nur einen Namen parat: Philippe Gilbert.»
1. Tyler Farrar 2. Romain Feillu 3. Jose Joaquim Rojas 4. Sébastien Hinault 5. Mark Cavendish
Farrar hat soeben die Tempoarbeit seines Lebens von Hushovd geliefert bekommen und der Amerikaner feiert somit seinen ersten Solo-Tagessieg am 4. Juli. Mit einem angedeuteten "W" gedenkt er seines verstorbenen Kameraden Wouter Weylandts...
Garmin-Fahrer sind jetzt direkt hinter dem HTC-Express platziert...
HTC ist wieder ganz vorne vertreten, aber auch das Gelbe Trikot ist gut platziert...
Zwei Kilometer vor dem Ziel prescht er rund 20 Meter vor, doch das Feld stellt ihn...