
Les Essarts
23 km
Sonntag 3 Juli
Der Radweltmeister hat in Les Essarts zum Ende des von seinem Team gewonnenen Mannschaftszeitfahrens die Führung in der Gesamtwertung der Tour de France übernommen. Dies ist zwar der erste Sieg für Garmin-Cervélo bei der Tour, doch Thor Hushovd hatte schon vor 10 Jahren in Bar-le-Duc eine Teamzeitfahrt gewonnen. Der Norweger hatte auch bereits die Ehre, das Gelbe Trikot überzustreifen, und zwar bei der Tour 2004 und dann nochmals bei der Tour 2006. Heute hat er den ersten Platz mit einer Sekunde Vorsprung auf Cadel Evans erobert, dessen Mannschaft BMC bei der heutigen Etappe den zweiten Platz erreicht hat.
Rabo läuft Saxo den Rang ab…
Alberto Contador, den all seine Teamgefährten zum Finale der 1. Etappe erwartet hatten, hat heute nochmals unter seinem Missgeschick vom Vortag zu leiden. Seine gestern letztplatzierte Mannschaft eröffnet heute den Reigen der Teamzeitfahrt über 23 km. Auf der Ziellinie lässt die Zeit von Saxo Bank dem Vorjahressieger kaum Hoffnungen, den anderen Favoriten heute Zeit abzunehmen. Bei einem Stundenmittel von 54,6 km/h wird die dänische Mannschaft auch nicht lange in Führung bleiben. Rabobank läuft den Fahrern der Saxo Bank mit einer Streckenabsolvierung im Mittel von 55,2 km/h schon bald den Rang ab.
Garmin-Cervélo setzt sich an die Spitze
Die auf das Teamzeitfahren spezialisierten Mannschaften können ggf. eine Verbesserung des Gechwindigkeitsrekords (57,324 km/h) anpeilen, der 2005 auf einer Strecke von 67,5 km aufgestellt wurde. Garmin-Cervélo nimmt das Rennen mit dem Ziel in Angriff, das Gelbe Trikot für Thor Hushovd zu erobern, und setzt sich in Führung, ohne allerdings auf Rekordkurs zu gehen: 55,6 km/h auf der Ziellinie. Das norwegische Projekt nimmt mit der Ankunft der Fahrer von Sky Formen an, die das Rennen zu sechst beenden und 4“ hinter der Zeit von Garmin zurückliegen.
HTC-Highroad ohne Eisel
Das Verfolgungsrennen beginnt dann mit den anderen Anwärtern. Sky Procycling mit seinen Spezialisten der Mannschaftsverfolgung stellt die größte Bedrohung dar, es fehlen aber 4“. Die RadioShack-Mannschaft, deren Rückgrat sich aus der Gruppe gebildet hat, die sich sich 2009 in Montpellier durchgesetzt hat (damals Astana), scheitert mit 10“ Rückstand. HTC-Highroad verliert Bernard Eisel schon ganz zu Beginn des Rennens und hat im Ziel einen Rückstand von 5“, genau wie Leopard-Trek.
Hushovd um eine Sekunde
Die Fahrer von Omega Pharma Lotto haben schon gleich zu Beginn der Zeitfahrstrecke zu kämpfen, und die Verteidigung des Gelben Trikots erweist sich schon bald als hoffnungslos für Philippe Gilbert. Die Zwischenzeiten ergeben ein Fernduell zwischen Thor Hushovd und Cadel Evans. Doch die BMC-Mannschaft, die den zweiten Platz bei der heutigen Etappe erzielt, erreicht die Ziellinie eine Sekunde zu spät, um es ihrem Kapitän zu erlauben, die Führung in der Gesamtwertung zu übernehmen.
Angesichts der kurzen Distanz (23 km) des Streckenverlaufs in Les Essarts hatten die Experten ein knappes Mannschaftszeitfahren vorausgesagt. Und sie sollten Recht behalten, denn der Stand in der Mannschaftswertung nach der zweiten Etappe enspricht weitgehend der des Vortages, mit einem Vorsprung von nur einer Sekunde für die Mannschaft von Garmin-Cervélo auf Team BMC, das heute für eine gelungene Überraschung in der Vendée gesorgt hat. Leopard-Trek und Sky folgen nach vier Sekunden, HTC-Highroad nach fünf. Die amerikanische Mannschaft ist entschlossen, das Gelbe Trikot von Thor Hushovd zu verteidigen, und gedenkt demnach auch bei der Einfahrt der Tour de France in die Bretagne in der Mannschaftswertung in Führung zu bleiben.
„Im Bus war die Spannung in Erwartung des Etappenendes unglaublich. Wir haben alle da gesessen, das Herz schlug so schnell, als ob wir noch im Zeitfahren wären. Wir sind uns sehr nahe, und es war dadurch ein ganz besonderer Augenblick. Wir wissen alle, was dies bedeutet, und demnach war es einfach ein magischer Augenblick.
Ich persönlich denke nicht an das Gelbe Trikot, denn wir haben Thor, der es trägt, und wir werden alles tun, um es zu verteidigen. Und morgen werden wir alles für Tyler geben. Wir haben viele Trümpfe, auf die wir setzen können!“
„Dieser Sieg gehört allen im Team. Es gibt so viele Leute, die dazu beigetragen haben, dieses Resultat zu erzielen! Alles zählt dabei, auch die kleinsten Details. Man muss arbeiten, arbeiten und nochmals arbeiten, bis alles perfekt ist: die besten Reifen, die besten Räder…
Wir wussten, dass alles bereit war, und wir hatten die richtigen Fahrer, um es umzusetzen. Und wir wussten auch, dass unsere Strategie für heute gut war. Danach muss aber am D-Day alles perfekt laufen, und das hat mich sehr nervös gemacht. Unvorhergesehenes kann eintreten, ein Hund mitten auf der Straße, gleich was…
Wir sind Montag angekommen und haben die Strecke sechs Mal erkundet. Wir haben uns den Vorgaben der Fahrer gefügt, das ist einer der Punkte, der mich so manche Stunde Schlaf gekostet hat. Und letztlich hat alles perfekt geklappt.“
„Das war wirklich ein schönes Mannschaftszeitfahren, und es war unser Ziel, es zu gewinnen. Alle haben zusammen an einem Ziel gearbeitet, man konnte wirklich das Gemeinschaftsgefühl spüren. Ich bin sehr stolz, bei der Tour de France mit dem Regenbogentrikot aufzutreten und nun das Gelbe Trikot zu übernehmen. Es ist unglaublich. Es war ein Traum, diese Etappe zu gewinnen, denn wir haben alle sehr hart gearbeitet, um es zu schaffen. Nach dem Rennen war ich extrem nervös in der Erwartung der Ankunft der anderen Mannschaften, insbesondere BMC, denn ich übernehme die Führung in der Gesamtwertung nur mit einer Sekunde Vorsprung auf Cadel Evans.
Ich habe vielleicht die Möglichkeit, es ein wenig zu behalten, aber es wird auf jeden Falle schwierig werden, vor allem auf der Etappe von Mur-de-Bretagne. Ich werde jedenfalls alles tun, um es zu verteidigen, und ich bin mir sicher, dass mir meine Teamgefährten dabei helfen werden.“
„Es war ein kurzer Tag, mit etwas mehr als zwanzig Minuten Anstrengungen, gleichzeitig aber auch eine schwierige Etappe. Von unserer Mannschaft sind gestern mehrere gestürzt, wir waren also nicht bei 100%. Dennoch haben wir alle unser Möglichstes gegeben, und es ist nichts zu bedauern.
Heute habe ich das Grüne Trikot. Das war kein Ziel, aber vielleicht wird dies in den kommenden Tagen noch zu einer echten Ambition. Derzeit weiss, ich dass wir morgen sehr aufmerksam sein müssen, denn es wird eventuell sehr viel Wind geben und somit Windkanten. Ich werde einfach mitfahren und Fallen aus dem Wege gehen.“
1. Garmin-Cervélo 2. BMC Racing Team, 4" zurück 3. Sky ProCycling, 4" 4. Team Leopard Trek, 5" 5. HTC-Highroad, 5"
Zwischenzeitig wurde bekannt, dass Navardauskas von seinen Teamgefährten abgehängt und daher nicht in der gleichen Zeit gewertet wurde. Der dritte Platz in der Gesamtwertung geht somit nicht an ihn, sondern an Cadel Evans.
Philippe Gilbert und seine Teamgefährten kommen mit 39“ Rückstand auf Garmin-Cervélo ins Ziel
Außer von Hushovd, dem neuen Träger des Gelben Trikots, ist Cadel Evans auch noch von Millar und Navardauskas überholt werden, zwei Mitgliedern der heutigen Siegermannschaft.
Mit einer Sekunde Vorsprung auf Cadel Evans übernimmt der Weltmeister die Führung in der Gesamtwertung.