
Arenberg Porte du Hainaut
213 km
Dienstag 6 Juli
Nachdem er mehrfach bei Paris-Roubaix den Kürzeren zog, darunter auch bei der letzten Ausgabe (2. Platz), wurde Thor Hushovd auf einer Etappe, die das Gesamtklassement erheblich durcheinander wirbelte, endlich für sein Talent als Pflastersteinfahrer belohnt. Sylvain Chavanel verlor durch zwei Reifenpannen sämtliche Chancen, sein Gelbes Trikot zu verteidigen, aber die gepflasterten Passagen bedeuteten vor allem für Frank Schleck das Aus. Alberto Contador verliert Zeit auf eine kleine Gruppe, in der Andy Schleck und Cadel Evans auf Kurs blieben, während Lance Armstrong, ebenfalls Opfer einer Reifenpanne, die Ziellinie mit einem noch größeren Rückstand überquerte und jetzt 2’30’’ hinter Cancellara liegt.
Hesjedal Initiator des Ausreißversuchs
Die schnelle Gangart zu Beginn der Etappe bringt die ersten Ausreißer nach vorne. Bei Km 8 verschärft Ryder Hesjedal (GRM) beharrlich das Tempo, ihm folgen zwei weitere Fahrer. In zwei Phasen entsteht eine Ausreißergruppe von sieben ehrgeizigen Fahrern mit Cummings (SKY), Hesjedal (GRM), Brutt (KAT), Kluge (MRM), Rolland (BTL), Erviti (GCE) und Augé (COF). Die Teamgefährten von Sylvain Chavanel machen im Hauptfeld ausreichend Tempo, um die Gruppe unter Kontrolle zu halten. Der größte Vorsprung wird bei Km 48 gemessen: 4’50’’.
Quick Step wie im April
Mit der nötigen Erfahrung des Anfahrens von Pflastersteinpassagen sorgen die Fahrer von Quick Step für das Tempo, aber die Formation von RadioShack stürmt auch nach vorne, genauso wie Saxo Bank und Liquigas. Die Ausreißer bekommen die Tempoverschärfung schon bald zu spüren, als sie den ersten gepflasterten Abschnitt mit einem geschmolzenen Vorsprung von 2’ durchqueren. Danach entspannt sich die Lage wieder etwas für die Spitzengruppe: Der Vorsprung wächst wieder auf 2’50’’ an, aber die letzten Pflastersteinsektoren vor der belgisch-französischen Grenze scheinen das Peloton zu beflügeln. Der Kampf um die Plätze beginnt, und bei der Einfahrt in den Sektor von Hollain ist der Vorsprung der Ausreißer auf 1’20’’ gesunken. Zu den ersten Sturzopfern zählt Cunego.
Sturz und Aufgabe von F. Schleck
Doch die Härteprobe steht den Tourfavoriten erst noch bevor, da sie mit dem gepflasterten Sektor Sars-et-Rosières vor echte Probleme gestellt werden. Dort endet das Rennen für Frank Schleck, der nach seinem Sturz nicht mehr auf das Rad steigt. Und auf eben jener heiklen Passage startet Fabian Cancellara zum gleichen Zeitpunkt eine Offensive für seinen Kapitän, Andy Schleck. Rund um die beiden bildet sich eine Gruppe mit Cadel Evans, Thor Hushovd und Geraint Thomas. Die fünf Fahrer verfolgen Ryder Hesjedal, der alleine an der Rennspitze überlebt hat.
Doppelte Reifenpanne für Chavanel
Hinter ihnen findet eine erste Selektion mit «Pedalen» statt. Armstrong schlägt sich besser als Contador, der in eine dritte Gruppe zurückfällt. Aber auf den Pflastersteinen gehören auch Reifenpannen dazu. Der Kapitän von RadioShack macht diese leidliche Erfahrung im Sektor von Wandignies und versucht danach, die Lücke wieder zu schließen. Der Kapitän von Astana bleibt zwar von Reifenpannen verschont, doch muss Sylvain Chavanel zwei Zwangsstopps einlegen und verliert so das Gelbe Trikot.
Erfolg für Evans auf der ganzen Linie
An der Rennspitze fällt die Entscheidung um den Sieg in einer sechsköpfigen Gruppe nachdem Hesjedal unmittelbar nach der gepflasterten Passage von Haveluy eingeholt wird. Thor Hushovd, hängt sich an seine Rivalen und erring tauf den letzten 200 Metern einen prestigeträchtigen Sieg. In der Endabrechnung erobert Fabian Cancellara das Gelbe Trikot zurück. Er liegt jetzt 29’’ vor Thomas und 39’’ vor Cadel Evans, dem vielleicht größten Gewinner dieser Positionswechsel im Klassement. Contador fällt auf Platz 9 zurück, mit einem Rückstand von 1’40’’, während Armstrong 2’30’’ hinter Cancellara liegt.
«Diese Etappe war ein Wechselbad der Gefühle. Einerseits bin ich froh, weil ich das Gelbe Trikot zurückerobere, und weil Andy einen Zeitvorteil auf seine Rivalen herausgefahren hat. Es war ein großer Tag in dem Sinn, dass die Teamarbeit bemerkenswert funktioniert hat. Wir hatten die Chance, das Beste aus uns herauszuholen, und genau das haben wir getan, allerdings kann ich die Negativbilanz des Tages nicht von der Hand weisen: Wir haben Frank verloren. Es tut einem unendlich weh, einen Teamgefährten und einen Freund stürzen und bei der Tour ausscheiden zu sehen. Alle wussten, dass es heute gefährlich würde, und dass man die Tour Tag für Tag angehen muss. Wir waren bereit. Doch gegen solch einen Sturz kann man nichts machen. So ist der Sport, so ist der Radsport: An einem Tag verlierst du, am nächsten stehst du auf der Gewinnerseite.
Es ist etwas Besonderes, das Gelbe Trikot hier in Arenberg zurückzuerobern. Jetzt haben wir drei außergewöhnliche Tage hinter uns gebracht, es ist an der Zeit, wieder Ruhe rein zu bringen und für eine Sprintankunft zu arbeiten. Das können wir von den nächsten beiden Tagen erwarten. Ich denke, dieses Trikot bis zu den Bergen behaupten zu können, und dann wird es an der Zeit sein, für Andy zu arbeiten.»
«Mein Team hat gestern hart gearbeitet, aber nicht den entsprechenden Lohn für seine Mühen bekommen, doch heute ist mir der Etappensieg geglückt, und das ist eine echte Genugtuung. Gestern war ich nicht mit dem Beschluss über die Aufhebung der Punktvergabe einverstanden, aber heute Morgen habe ich mir dann gesagt, dass das schon Schnee von gestern ist. Ich habe mich wieder voll auf das Rennen konzentriert. Diese Etappe hatte ich mir schon seit langem vorgemerkt, denn ich weiß um meine Stärke auf Pflastersteinen und rechnete mir Siegchancen aus. Daher war ich entschlossen, bei dieser Etappe «alles auf eine Karte zu setzen». Dann braucht man auch das nötige Quäntchen Glück, damit auf den gepflasterten Passagen alles glatt läuft, man muss in Form sein. Heute hat alles gepasst.
Das ist ein erster Schritt zum Grünen Trikot. Heute bin ich mit meiner Leistung zufrieden, und ich habe auch noch die Mittel, um dieses Trikot lange zu verteidigen. Meine Mannschaft ist sehr stark, und ich fühle mich sehr schnell. Daher glaube ich, auch noch andere Etappen gewinnen zu können.»
1. Hushovd 2. Thomas 3. Evans 4. Hesjedal 5. A.Schleck
Der Norweger tritt 200m vor dem Zielstrich an und sichert sich den Etappensieg.
Nur noch 500m
Ein Sprint von fünf Fahrern wird über den Etappensieg entscheiden, Cadel Evans führt die Gruppe an...
Armstrong hat zu einer 20-köpfigen Gruppe aufgeschlossen...