
Aubenas
178 km
Freitag 24 Juli
Mark CAVENDISH© A.S.O.
Die 19 Fahrer, die bei der heutigen Etappe die Ausreißergruppe gebildet haben, konnten angesichts des im Peloton ab den ersten beiden Rennstunden vorgelegten Tempos (46,6 km/h) erkennen, dass ihre Aufgabe heute besonders schwierig werden würde. Die Fahrer vom Team Rabobank waren bei der Nachführarbeit zunächst die aktivste Mannschaft, aber einmal mehr hat Team Columbia sich im Finale an die Spitze des Pelotons gesetzt. Trotz einer etwas anderen Aufstellung in der Vorbereitung hat Mark Cavendish auf den letzten 200 m wieder seine Kraft sprechen lassen. Er siegt mit einer Länge Vorsprung auf Hushovd, ohne diesen jedoch in der Punktewertung gefährden zu können. Cavendish wird damit jedoch der erste fünffache Etappensieger bei einer Ausgabe der Tour de France seit Lance Armstrong im Jahre 2004.
19 Fahrer an der Spitze
Der erste Angreifer, Thierry Hupond, setzte sich bereits auf dem ersten Kilometer ab, letztlich entstand die AusreiĂźergruppe des Tages jedoch ohne ihn bei km 9. Evans (SIL), Popowitsch (AST), Millar (GRM), Kirchen (THR), Arrieta (ALM), Arroyo, Sanchez (GCE), Duque (COF), Spilak (LAM), Barredo (QST) und Lequatre (AGR) waren als erste Fahrer dabei, dann bildete sich aber mit den nachgezogenen Perez Moreno (EUS), Riblon, Roche (ALM), Bennati (LIQ), Gutierrez (GCE), Chavanel (QST), Vandenbergh (KAT) und Hivert (SKS) eine Gruppe von 19 Fahrern.
Insistenz von Duque
Mit 19 Fahrern, darunter einigen starken Streckenfahrern, setzte die Gruppe unter genauer Kontrolle der Rabobank-Mannschaft ihren AusreiĂźversuch fort. Bei der Versorgungsstelle (km 83) hatten die Fahrer einen Vorsprung von 2’45", der letztlich aber niemandem recht sein sollte. Bei km 110 setzte sich Duque in Begleitung von Arrieta ab. Die beiden Fahrer wurden schon bald von Popowitsch, Millar und Gutierrez verstärkt, während die Uneinigkeit in der restlichen Gruppe dazu fĂĽhrte, dass diese Fahrer bei km 128 gestellt wurden, mit noch 1’25" RĂĽckstand auf die FĂĽnfergruppe an der Spitze. Die neuen Gefährten waren dann einer weiteren Beschleunigung des Pelotons ausgesetzt. Duque insistierte einmal mehr, indem er seine ganzen Kräfte fĂĽr eine letzte Offensive einsetzte, dann aber 31 km vor dem Ziel doch noch vom Hauptfeld gestellt wurde.
Ballan und Lefèvre an der Spitze
Im Anstieg zum Col de l’Escrinet versuchte Laurent Lefèvre sein Glück mit einem Alleingang bei km 153. Nach anfänglichem Zögern setzte dann Alessandro Ballan weniger als 5 km vor dem Pass nach und versuchte sich gemeinsam mit Lefèvre weiter abzusetzen: am Gipfel hatten sie nur 8" Vorsprung, griffen auf der Abfahrt nach Aubenas aber weiter an. 10 km vor der Zielankunft stieg ihr Vorsprung auf 15’’ an. Team Columbia gab sich an der Spitze des Pelotons jedoch nicht geschlagen und ließ den Ausreißern somit wenig Hoffnung. Sie wurden kurz vor der Roten Flamme des letzten Kilometers vom deutlich reduzierten Hauptfeld – mit nur noch rund vierzig Fahrern - gestellt.
Hushovd weiter in GrĂĽn
Wenn Mark Cavendish auch seinen üblichen Pilotfisch Mark Renshaw verloren hat, konnte er dennoch auf Tony Martin zählen, der ihn auf das richtige Endtempo brachte. Auf den letzten 200 Metern setzte er dann zu seiner unwiderstehlichen Endbeschleunigung an, die bei den meisten Sprintankünften als Garant für den Sieg steht. Thor Hushovd gelang es jedoch, sich an sein Hinterrad zu heften und sich den zweiten Platz und somit einen weiterhin komfortablen Vorsprung in der Punktewertung zu sichern. Seine Erfolgsquote gegenüber dem Briten ist weiter ungünstig, er behält jedoch das Grüne Trikot.
Der fĂĽhrende Fahrer in der Gesamtwertung nach 19 Etappen hat einen groĂźen Vorsprung auf den Zweitplatzierten, doch Alberto Contador hat noch nichts zu feiern. Der Mont Ventoux lauert, und er muss seine Position verteidigen. Zumindest hat er die Oberhand, weil seine Rivalen angreifen mĂĽssen.
"Ich weiß, dass die Schleck-Brüder morgen angreifen werden. Dieser Anstieg ist ein Mythos und ich mag ihn, ich weiß aber nicht, ob ich am Ende der Etappe angreifen kann, weil wir heftigen Wind haben werden und es nicht einfach sein wird, alleine zum Ziel zu gelangen, da es auf den letzten sechs Kilometer immer heftig bläst.
Ich denke, dass Frank angreifen wird, weil dies seine letzte Chance ist zu zeigen, dass er stark genug ist, um aufs Podium zu kommen – wie er es neulich am Colombière gemacht hat – und ich glaube, es wird eine Art Krieg zwischen uns geben, es wird aber nicht einfach werden, noch etwas an den Podiumsplatzierungen zu ändern.
Ich bin mir sicher, dass ich leiden werde, weil es eine wirklich lange Etappe ist und es kompliziert werden wird. Ich werde dieses Rennen erst genießen können, wenn ich in Paris ankomme."
Andy Schleck hat vier Sekunden von seinem Vorsprung auf Lance Armstrong verloren, als sich die vordere Gruppe im finalen Sprint der 19. Etappe abgesetzt hat. So endete der nach den eigenen Worten des Trägers des Weißen Trikots „härteste Tag der Tour“.
"Heute war der für mich bislang härteste Tag der Tour in diesem Jahr. Viele werden das heute sagen, weil alle im Geiste schon bei der morgigen Etappe waren und gestern ein hartes Zeitfahren war. Es war somit eine harte Woche, aber morgen werden die Beine sprechen. Es ist kein Geheimnis: wir werden in guter Position in den Anstieg gehen, und wir werden vom Fuße an sehr aufmerksam sein. Ich habe persönlich noch nie eine Etappe bei der Tour gewonnen, vielleicht wird sich morgen dazu eine Gelegenheit bieten. Wenn Frank bei mir ist… nun, ich habe ihm letztes Mal geholfen, somit könnte es diesmal an ihm sein, mir zum Sieg zu verhelfen. Aber natürlich wollen viele am Ventoux gewinnen, und es wird nicht leicht sein, Alberto abzuhängen oder ihn im Anstieg zu schlagen. Wir werden aber da sein und es versuchen.
Ich hatte eigentlich heute ein wenig Energie sparen wollen, ich habe aber nichts sparen können. Ich musste alles geben, nur um am Ende am Rad der Sprinter zu bleiben. Es war eine unglaublich harte Etappe. Ich weiß nicht, welches Stundenmittel wir hatten, ich kann mich aber nicht erinnern, nach unten geschaut und weniger als 50 gesehen zu haben. Dies hat eine gute Seite: der Tag ging schnell vorbei, aber es war auch hart für alle.
Am Ventoux muss das Rennen vor dem Chalet Reynard gemacht werden, und das sind im Grunde noch sechs Kilometer vor dem Gipfel, und da muss die Auswahl erfolgen, denn danach wird es hart, einen Unterschied zu machen. Es wird nicht lange dauern,bis das Rennen am finalen Anstieg explodiert."
Einmal mehr hat es die kollektive Power der Columbia-Mannschaft Mark Cavendish ermöglicht, einen fünfte Etappensieg bei der Tour 2009 zu erringen
« Es ist toll und belegt unsere Entschlossenheit. Heute war ein schwerer Tag, und ich habe gesehen, wie fünf oder sechs meiner Teamgefährten ihre letzten Reserven abgerufen haben. Ich glaube, dass sie dadurch morgen leiden werden. Sie haben vor dem Ventoux alles gegeben, um mir den Sieg zu ermöglichen! Sie waren heute brillant: im Anstieg und im Finale, es war einfach perfekt!
Wir haben gestern Abend mit Brian Holm gesprochen, und ich habe ihm gesagt, dass ich mich in den Anstiegen der zweiten Kategorie gemeinhin nicht allzu schlecht fühle. Wenn ich gemeint hätte, es nicht schaffen zu können, hätte ich meinen Versuch gestoppt und das Rennen im Grupetto beendet. In der ersten Woche hätte ich keinerlei Problem gehabt, aber in der dritten Woche werden die Beine langsam müde. Wenn man aber von allen anderen Fahrern der Mannschaft umgeben wird, bekommt man wieder Mut. Wenn ich beim Anstieg aufgegeben hätte, weil es zu schwer war, hätte ich auch sie alle aufgegeben. Dadurch habe ich heute noch etwas tiefer schürfen können, um die Energie zu finden.
Es ist wirklich nicht einfach, vorne mit dabei zu bleiben, wenn man einen Fahrer wie Menchov hat, der das Tempo beim Anstieg vorne vorgibt. Dank meiner Teamgefährten ist es mir aber gelungen. Das Problem bestand darin, über den Gipfel zu kommen. Ich habe sogar versucht, beim Angriff von Sanchez die Abfahrt voll zu fahren, es ist aber niemand mitgekommen. Auf dem letzten Kilometer hat Tony Martin die letzte Tempoarbeit geleistet. Er hat alles gegeben, und ich musste dann bei etwa 260 Metern den Sprint starten, was auf flacher Strecke ausreichend ist, aber hier im Anstieg erschien mir dies sehr lang. Aber ich musste einfach durchhalten, um sie alle zu belohnen. »
Wenn es ihm auch an Frische gefehlt hat, um Cavendish den Etappensieg streitig zu machen, behält Thor Hushovd doch das Grüne Trikot und wartet auf seine Chance auf den Champs-Elysées.
« Es war eine sehr schnelle Etappe, die letztlich auch überaus schwierig war. Ich dachte, eine Ausreißergruppe würde es bis zum Schluss schaffen und war somit nicht auf einen Sprint gefasst. Team Columbia hat im Finale eine Riesenarbeit für Mark Cavendish verrichtet, und ich habe mich das ganze Finale über darauf konzentriert, an seinem Hinterrad zu bleiben. Er hat seinen Sprint vor mir gestartet, ich war nämlich nicht mehr frisch genug, um früher zu starten. Danach habe ich noch alles versucht, um zu gewinnen, aber es ist mir nicht gelungen.
Es wird Zeit, dass wir in Paris ankommen. Ich weiss, dass die 25 Punkte Vorsprung für das Grüne Trikot immer noch komfortabel sind, es gilt aber jetzt alle Risiken zu vermeiden, vor allem keinen Fehler zu begehen. Ideal wäre natürlich der Etappensieg auf den Champs-Elysées, um die Tour mit dem Grünen Trikot zu beenden. Ich weiss, dass ich Cavendish auf den Champs-Elysées schlagen kann, denn ich bin in sehr guter Form. »
1. Cavendish
2. Hushovd
3. Ciolek
4. Van Avermaet
5. Freire
Im Finale von seinem Teamgefährten Tony Martin angezogen, setzt sich Mark Cavendish an die Spitze und erringt seinen 5. Etappensieg bei der diesjährigen Tour de France, vor Hushovd und Ciolek.
Ballan und Lefèvre sind eingeholt worden, der Sprint wird mit Team Columbia an der Spitze vorbereitet...
Der Anschluss an Ballan und Lefèvre steht unmittelbar bevor...
Der Anschluss an Ballan und Lefèvre steht unmittelbar bevor...