Der große Tour-Auftakt 2012

Brief der Tour

© A.S.O.

„Vielen Dank für das, was Sie für die kleinen Leute machen.“
Ich stand unmittelbar neben Jean-Marie Leblanc, meinem Vorgänger, dem sinnbildlichen Patron der Tour während 18 Jahren, als ein Mann ihm dieses Kompliment machte. Es war in Lüttich, nur einen Steinwurf vom Palast der Fürstbischöfe entfernt, in den ersten Julitagen 2004 vor dem großen Tour-Auftakt, dem bis dato einzigen der Provinz. Jean-Marie, der Fürsprecher der sozialen Tugenden der Tour, zeigte sich damals tief bewegt.

Ich erwähne gerade diese Anekdote, weil sie nicht nur symbolisiert, wie die Grande Boucle, dieses wunderbare, für alle offene und kostenlose Volksspektakel, die Menschen verbindet, sondern gleichzeitig auch einen grundlegenden Aspekt der Bande zwischen der Provinz Lüttich und der Tour de France unterstreicht: die zwischenmenschlichen Beziehungen.

Weil eine Gesellschaft ohne Erinnerungen eine Gesellschaft ohne Zukunftsperspektiven ist, möchte ich an dieser Stelle jene Menschen würdigen, die den Grundstein für dieses Ausnahmeverhältnis zwischen unseren beiden Institutionen gelegt haben: Paul Bolland, der heutige Vorsitzende des Royal Cyclist’s Pesant Club Liégeois, und Jean-Marie Leblanc.

Natürlich besitzt die Provinz Lüttich in erster Linie ganz objektive Trümpfe, mit denen sie zum zweiten Mal binnen acht Jahren – zusätzlich zu den regelmäßigen Etappen – das größte Rennereignis der Welt für sich gewinnen konnte: eine leidenschaftliche Bevölkerung, die den Radsport im Blut hat; ein außergewöhnliches Kultur- und Sportvermächtnis einschließlich der legendären Rennen Flèche Wallonne und der „Doyenne“; ein absolut passendes Relief für Radwettkäpmfe mit den Anstiegen der Ardennen, die in jedem Frühjahr brillieren und sich zum Teil nahtlos in die Streckenführung der Tour einfügen; und schließlich ein technisches Team, das hinter der Sache steht und sich mit Großereignissen auskennt. Schon jetzt wissen wir, dass der große Auftakt 2012, sei es in Lüttich, Seraing, Visé, und überall anderswo auf der Strecke der ersten Etappen, ganz im Zeichen von Leidenschaft und ansteckender Begeisterung stehen wird.

Allerdings ist dieses gemeinsame Abenteuer zweifellos auch eine Geschichte der Menschen. Und mein Freund André Gilles und ich haben die feste Absicht, diese weiter zu schreiben.

Christian PRUDHOMME
Direktor der Tour de France

 

Brief der Provinz Lüttich

Province de Liège

Nicht ohne Begeisterung und Stolz beherbergt die Provinz Lüttich im Jahr 2012 nach der erfolgreichen Auflage von 2004 einmal mehr den großen Auftakt der Tour de France.

Als Galeonsfigur einer hochkarätigen Sportdisziplin bildet die Tour de France ein weltumspannendes Ereignis und ein großes Volksfest zugleich. Die Weltoffenheit sowie das herzliche Miteinander einer ganzen Bevölkerung rund um ein stark mediatisiertes Projekt passen nicht nur wie angegossen zum Geist der Provinz Lüttich und zu ihren Einwohnern, sondern sind wie schon in der Vergangenheit auch dieses Mal ein Garant für einen würdigen Empfang der Tour.

Als Heimstatt für Sport und Sportler beherbergt die Provinz Lüttich auf ihrem Gebiet eine Vielzahl von Infrastrukturen, Vereinen und hochrangigen Champions. Regelmäßig wirken wir bei sportlichen Großveranstaltungen mit, wobei die Tour de France natürlich die markanteste und beliebteste bleibt, ohne dabei die internationalen Klassiker Lüttich-Bastogne-Lüttich und die Flèche Wallonne zu vergessen. Diese Leidenschaft für den Sport kommt nicht ausschließlich auf Profiniveau zum Ausdruck, wie uns die tausenden von Radwandertouristen auf unseren Straßen immer wieder in Erinnerung rufen.

Als Austragungsort von Großveranstaltungen hat die Provinz Lüttich wahrlich Know-how bei der Organisation großformatiger Kultur- oder Sportereignisse wie der Tour de France gesammelt. Moderne Infrastrukturen, einschließlich des neuen Bahnhofes für Hochgeschwindigkeitszüge, des führenden belgischen Cargo-Flughafens, des drittgrößten europäischen Binnenhafens sowie eines erstklassigen Autobahnverkehrsnetzes, sorgen für einwandfreie Rahmenbedingungen, um diese Veranstaltungen aufzunehmen und die Provinz Lüttich der Welt zu präsentieren.

Und schließlich empfängt die Provinz Lüttich die Tour mit offenen Armen, weil sie als Region Feierlichkeiten und Geselligkeit genauso groß schreibt wie Arbeit und Know-how. An dieser Stelle gilt ein Dankeswort vorab den kompetenten und verfügbaren Arbeitskräften, die an der Seite der Tour-Ausrichtergesellschaft A.S.O. mitwirken. Wir zweifeln keine Sekunde daran, dass die Menschen aus Lüttich, Seraing und Visé dieses große Volksfest nach dem Abbild der Bevölkerung der ganzen Provinz mit ihren Anfeuerungsrufen begleiten werden.

Der große Zuspruch wird unseren französischen Freunden und allen Radsportliebhabern vergegenwärtigen, dass die Tour de France in der Provinz Lüttich auf heimischem Boden unterwegs ist, um einen guten Start hinzulegen.

André Gilles
Präsident des Kollegiums der Provinz Lüttich

 

Praktische Hinweise

Die Provinz Lüttich liegt im Südosten Belgiens in der Wallonischen Region, zählt etwas mehr als eine Million Einwohner und besteht aus drei Bezirken (Lüttich, Verviers, Huy-Waremme) sowie 84 Kommunen auf einer Fläche von 3.862 Quadratkilometern.
Die gleichnamige Stadt Lüttich (192.000 Einwohner) ist der Hauptort der Provinz. Seraing zählt 62.000 Bürger, Visé knapp 17.000.
Die Provinz Lüttich ist ebenfalls eine politische Institution unter der Führung eines Provinzialkollegiums und eines Provinzialrates.

 
 

Wissenswerte Daten
Mittwoch, 27. Juni: Eröffnung des ständigen Empfangs und des Pressezentrums in den internationalen Messehallen von Lüttich (FIL), Quai de Wallonie
Donnerstag, 28. Juni: Vorstellung der Mannschaften der Tour de France 2012 in Lüttich
Samstag, 30. Juni: Prolog in Lüttich 6,1 km
Sonntag, 1. Juli: Erste Etappe, Lüttich > Seraing: 180 km
Montag, 2. Juli: Start der zweiten Etappe in Visé

 

Anreise nach Lüttich
Mit dem Flugzeug: Flughafen Lüttich in 10 km Entfernung des Stadtzentrums
Mit dem Zug: Täglich mehrere Verbindungen auf der Achse Frankfurt-Köln-Lüttich mit dem Thalys (Fahrtdauer: 2h10)
Pkw, Bus, Motorrad:

Von Deutschland aus leicht über die Autobahn E40 (Grenzübergang Eynatten/Lichtenbusch) zu erreichen
 

Der große Auftakt

Route of the prologue

PROLOG

Samstag, 30. Juni

Lüttich > Lüttich: 6,1 km

Im Herzen von Lüttich, im Parc d’Avroy, nimmt die Tour de France 2012 ihren Anfang. Die Startrampe dieses Prologs wird in der Avenue Rogier aufgebaut. Auf der flachen und 6,1 km langen Strecke im Stadtzentrum, auf der schon 2004 der Schweizer Fabian Cancellara triumphierte, nehmen die Fahrer über den Boulevard d’Avroy und dann den Boulevard de la Sauvenière Kurs Richtung Norden. Anschließend erreichen sie das Quai Roosevelt längs der Maas, schwenken nach links Richtung La Batte, um daraufhin die Place Saint-Lambert vor dem Palast der Fürstbischöfe zu passieren. Abermals über den Boulevard de la Sauvenière und den Boulevard d’Avroy, dieses Mal in der Gegenrichtung, erreichen die Fahrer das Ziel.

 

In der Provinz Lüttich

First stage

ERSTE ETAPPE

Sonntag, den 1. Juli

Lüttich > Seraing: 180 km

Erneut gibt sich das Peloton im Parc d’Avroy ein Stelldichein, bevor der Weg zur offiziellen Startzeremonie auf die Place Saint-Lambert vor dem Palast der Fürstbischöfe führt. Dann steht für die Fahrer ein hügeliger, aus den Ardennen-Klassikern bekannter Parcours auf dem Programm, der den Südosten der Provinz ansteuert und insbesondere Spa-Francorchamps und die dortige Autorennstrecke durchquert. Anschließend macht das Rennen einen Bogen in die Provinz Luxemburg, über die Baraque de Fraiture, einen der höchsten Punkte Belgiens (652 m), und Hotton, bevor es gen Norden nach Seraing zurückgeht, wo die Zielankunft vor den Kristallmanufakturen von Val Saint-Lambert erfolgt.

 

ZWEITE ETAPPE

Montag, den 2. Juli

Visé > …

Dritter und letzter Tag in der Provinz Lüttich. Der Startschuss fällt in Visé, wo die Tour de France zum ersten Mal zu Gast ist.
Das Peloton bricht dann auf in Richtung…

 

Belgien und die Tour de France

© Presse Sports

Im Jahr der Einführung des Gelben Trikots (1919) triumphierte Firmin Lambot (hier links zu erkennen) als Erster in dem berühmten Dress in Paris. Er ist einer der zehn belgischen Fahrer, die den Gesamtsieg bei der Tour de France feiern durften.

Die Geschichte des Radsports hat Lüttich viel zu verdanken. Der Name der Stadt ist für die Weltelite mit der anspruchsvollsten Hin- und Rückfahrt der Saison verbunden: Lüttich-Bastogne-Lüttich. Aber abgesehen von der so genannten Doyenne unter den Klassikern, präsentiert sich Belgien vor allem als Land mit weitreichender Radkultur. Das Peloton der Tour de France wird hier 2012 zum großen Auftakt erwartet (der 19. außerhalb Frankreichs), dem insgesamt vierten im Lande nach Brüssel 1958, Charleroi 1975 und Lüttich bereits 2004.

Bei der ersten Tour der Nachkriegszeit (1947) gewann das Rennen eine internationale Dimension. Bei ihrem ersten Abstecher außerhalb der französischen Landesgrenzen wendete sich die Tour de France naturgemäß in Richtung ihres nördlichen Nachbarn, waren doch die belgischen Fahrer in den Jahren vor dem Krieg die ärgsten Widersacher der Franzosen – zwölf Siege, darunter auch jene der beiden Wallonen Firmin Lambot und Léon Scieur gegenüber 15 – wobei ihr meistdekorierter Vertreter, Philippe Thys, der bis dahin einzige Dreifach-Gewinner des Wettbewerbs ist. Seit dieser ersten ausländischen Etappe in der Nachkriegszeit, die René Vietto mit seinem Erfolg in Brüssel krönte, waren insgesamt 37 belgische Städte Schauplatz von Etappenstarts oder Zielankünften der Tour, davon sieben in der Provinz Lüttich. Und ihre besten Fahrer haben stets im Kampf um die vorderen Plätze der Tour de France mitgemischt. Bei seinen fünf Gesamtsiegen heimste Eddy Merckx zwar die meisten Rekorde ein, doch zeigten sich auch seine belgischen Sprinterkollegen siegeshungrig bei der Grande Boucle (seit der Einführung dieser Sonderpunktwertung gab es 19 Grüne Trikots), und einige konnten auch in den Bergen glänzen wie Lucien Van Impe, der letzte belgische Toursieger (1976) und sechsfache Triumphator der Bergwertung.

Die Etappen in der Provinz Lüttich

Jahr Etappe Sieger

1948

Metz > Lüttich Italie Gino Bartali

1950

Metz > Lüttich Italie Adolfo Leoni

1953

Metz > Lüttich Suisse Fritz Schaer

1956

Reims > Lüttich France André Darrigade

1962

Nancy > Spa Allemagne Rudi Altig

1965

Köln > Lüttich Allemagne Rik Van Looy
Lüttich > Lüttich (Mannschaftszeitfahren)   Équipe Ford France Gitane

1976

Leuven > Verviers Espagne Miguel Maria Lasa

1980

Metz > Lüttich Pays-Bas Henk Lubberding
Spa-Francorchamps > Spa-Francorchamps (contre-la-montre) France Bernard Hinault

1989

Luxembourg > Spa-Francorchamps Mexique Raul Alcala

1995

Charleroi > Lüttich Belgique Johan Bruyneel
Huy > Seraing (contre-la-montre) Espagne Miguel Indurain

2001

Anvers > Seraing Allemagne Erik Zabel

2004

Lüttich > Lüttich (prologue) Suisse Fabian Cancellara

2010

Brüssel > Spa France Sylvain Chavanel
Zudem waren Lüttich (1989), Huy (2001, 2006), Wanze (2010) Etappenstartorte.

 

 

Die Provinz Lüttich hat viele Trümpfe

Le château de Jehay

Das Schloss von Jehay

 

Les Cristalleries du Val Saint-Lambert

Die Kristallmanufakturen von Val Saint-Lambert

Die zwischen dem nördlich-germanischen und dem südlich-lateinischen Europa gelegene Provinz Lüttich besitzt abwechslungs- und kontrastreiche Landschaften. Im Westen trennt das Maastal die Ebenen des fruchtbaren Hespengaus und das grüne Condroz.

Im Norden gleicht das Herver Land mit seinen Knicklandschaften einem normannischen Mikrokosmos. Im Osten thront das Hohe Venn mit seiner außergewöhnlichen Naturlandschaft. Und schließlich formen die im Süden von Ourthe und Amel umrahmten Täler einen der schönsten Landstriche der Ardennen.

Der in Anlehnung an seine Kohle- und Stahlaktivität mit dem Beinamen „glühende“ bzw. „feurige Stadt“ versehene Hauptort Lüttich blickt auf eine glorreiche Vergangenheit zurück, der ein besonders reichhaltiges Kulturerbe mit Kirchen und Museen zu verdanken ist. Als europäischer Knotenpunkt genießt die Stadt touristisch, kulturell und wirtschaftlich hohes Ansehen. Dank der bemerkenswerten Renovierung des Musée de la Vie Wallonne und des Musée du Grand Curtius, des neuen und grandiosen Bahnhofes für Hochgeschwindigkeitszüge des Architekten Santiago Calatrava, des Philharmonischen Orchesters sowie der Königlichen Oper der Wallonie hat sich Lüttich einen internationalen Ruf erarbeitet, wodurch die Stadt den Wettbewerb mit den großen europäischen Metropolen nicht scheuen muss. Davon abgesehen ist Lüttich auch eine Stadt mit Ausstrahlung und Traditionen, mit ihrem historischen Stadtkern, den typischen Vierteln, ihrer Gastronomie, dem berühmten und kosmopolitisch anmutenden Carré, und natürlich dem allseits bekannten Péket!

Neben den unbestreitbaren und unbestrittenen Trümpfen der feurigen Stadt verfügt die Provinz Lüttich insgesamt über eines der hochwertigsten Fremdenverkehrsangebote überhaupt, was ihr zum Titel der touristischen Provinz der Wallonie und sogar ganz Belgiens gereicht! Alleine schon die Thermalbäder von Spa und Chaudfontaine, weitere spezielle Vorzüge wie die namhafte und als weltweit schönste angesehene Autorennstrecke von Spa-Francorchamps, das Bergwerk Blegny-Mine, das als einziges in Europa besichtigt werden kann, ein Netz von mehr als 800 Wanderwegen, sowie eine Vielzahl wunderbar erhaltener Schlösser.