
Reims
153.5 km
Mittwoch 7 Juli
Nach einem relativ nervösen und chaotischen Tour-Start ist dies eine traditionellere Etappe ohne größere Schwierigkeiten. Es ist die erste große Etappe in Frankreich. Sie ist kurz, aber in den letzten drei Tagen haben die Fahrer viele schwierige Kilometer absolviert, und heute können sie ihre Wunden lecken. Die Fluchtspezialisten werden versuchen, sich abzusetzen, wogegen die Sprinter-Teams erreichen wollen, dass das Peloton am Ende wieder zusammen ist. Der Wind hätte eine Rolle spielen können, wenn diese Etappe früher im Jahr stattgefunden hätte, denn der macht in Nordfrankreich oft einiges aus. Aber zu dieser Jahreszeit ist das eher unwahrscheinlich, vor allem, weil das letzte Stück vor dem Ziel etwas wellig und nicht so dem Wind ausgesetzt ist.
Rathausfensterscheiben mit den Farben der Wappen der Tour-Etappenstädte 2004© Studio Déclic – Vincent Bertin
Cambrai (34 000 Einwohner) liegt im Schelde-Tal, am Rande der beiden Plateaus Hennegau und Artois sowie an den weitläufigen Ebenen der Naturregion Cambrésis mit ihrem typischen, leicht welligen Profil. Durch die Lage an den Toren zum Departement Nord ist dieses regionale Drehkreuz im Laufe der Zeit zu einer einflussreichen Handelszone aufgestiegen. Unterpräfektur, Universitätsstadt und Herz des Ballungsraumes – Cambrai bildet den städtischen Pol im Südwesten des Departements. Die Stadt besitzt ein bemerkenswertes Architekturerbe, das Vermächtnis einer 17 Jahrhunderte langen Vergangenheit. Die Befestigungsanlagen der Stadt, ihre religiösen Bauwerke, ihre Herrenhäuser, ihre Häuser im Art-déco-Stil – sie alle sind stille Zeugen der Vergangenheit und zugleich Bindeglied zwischen gestern und heute. Kennzeichen von Cambrai sind seine Lebensqualität, seine Grünflächen, seine kulinarischen Traditionen, Feste und Veranstaltungen. Für die Gestaltung ihrer Zukunft baut die Stadt auf das Know-how ihres Umlands mit Standorten der Textil- und Lebensmittelbranche. Aus Anlass der Tour de France werden die Fenster des Rathauses mit allen Mariannen (Symbol der französischen Republik) der Etappenstädte 2010 verziert.
Blick auf Reims und die Kathedrale Notre-Dame© Fremdenverkehrsamt von Reims 2010 / F. Canon
Reims ist als Stadt der Weine aus der Champagne und als einstige Krönungsstadt der Könige Frankreichs bekannt. Im Schatten der imposanten Anhöhen des Montagne de Reims haben sich viele große Champagner-Stammhäuser niedergelassen. Der ganze Stolz der Stadt ist die Kathedrale aus dem 12. Jahrhundert, ein Sinnbild für den Höhepunkt der gotischen Stilepoche. Sie war Schauplatz der Krönung der Könige Frankreichs von 1027 bis 1825 (ausgenommen bei drei Anlässen) und erinnert auch an die Taufe des Merowingerkönigs Chlodwig durch Bischof Remigius 489. Seit 1991 ist die Kathedrale Notre-Dame Bestandteil des Weltkulturerbes der UNESCO, wie auch der Palast von Tau, ehemalige Residenz des Erzbischofs der Stadt, die Basilika Sankt-Remigius und die angrenzende ehemalige königliche Abtei mit dem gleichen Namen, wo jahrhundertelang das heilige Öl zur Salbung der französischen Könige bei der Krönung aufbewahrt wurde. Die Universitätsstadt Reims beherbergt alljährlich 20 000 Studenten in ihren Fakultäten, Schulen und Instituten. Seit 2007 beträgt die Fahrzeit bis Paris dank Hochgeschwindigkeitsverbindung mit der Bahn 45 Minuten. Zusätzlich ist Reims mit einem knappen Dutzend internationaler Ziele verbunden, und 2011 wird eine Straßenbahnlinie den Einwohnern die Fortbewegung in ihrer Stadt erleichtern.