
Cap Fréhel
164.5 km
Mittwoch 6 Juli
Nachdem er bei dem von Tyler Farrar gewonnenen Sprint in Redon nur Zuschauer war, wollte Mark Cavendish die Gelegenheit in Cap Fréhel nicht verstreichen lassen. Vorausgegangen war eine Etappe mit vielen Stürzen, was vor allem Janez Brajkovic zur Aufgabe zwang. Auf den letzten Kilometern hat sich das Peloton organisiert, um Jérémy Roy und Thomas Voeckler, die letzten Ausreißer des Tages, zu stellen und einen Massensprint vorzubereiten, den hauptsächlich Boasson Hagen und Philippe Gilbert animierten. Aber auf den letzten 300 Metern hat der britische Sprinter noch einmal angezogen, um ein knappes Dutzend Fahrer zu überholen. Nach dem Kraftakt feiert er seinen 16. Tagessieg bei der Tour, seinen ersten 2011.
Chavanel und Wiggins am Boden…
Beim Start in Carhaix gibt es viele Ausreißerkandidaten. Letztlich macht sich die Anstrengung von Tristan Valentin (COF) bei km 4 bezahlt. Ihm folgen Jose-Ivan Gutierrez (MOV), Sébastien Turgot (EUC) und Anthony Delaplace (SAU). Zu viert kommen die Ausreißer allmählich voran, wobei Garmin-Cervélo das Geschehen aus der Ferne kontrolliert. Beim Überqueren der Côte de Gurunhuel, wo Anthony Delaplace den einzigen Wertungspunkt ergattert, beträgt der Rückstand 5’30’’, um dann bei km 60 auf maximale 6’ zu klettern. Just dann bringt ein Sturz ein Dutzend Fahrer zu Boden, darunter auch Sylvain Chavanel (QST) und Bradley Wiggins (SKY).
Aufgabe von Brajkovic
Beim Zwischensprint von Goudelin erobert Sébastien Turgot die größte Punktzahl. Der fünfte Platz und die damit verbundenen elf Zähler motiviert die Sprinterteams, die das Tempo erhöhen. Bozic ist der schnellste und agilste Fahre und überflügelt Boonen, Duque, Feillu, Rojas und Gilbert. Diese Animation auf halber Strecke und der Rückenwind verleihen dem Peloton Flügel (45 km/h Durchschnittstempo nach zwei Stunden) und sorgen für Hektik, die Stürze verursacht. Bei km 71 stürzen Robert Gesink (RAB) und Janez Brajkovic (RSH) schwer. Der slowenische Fahrer muss sich sogar von der diesjährigen Tour auf einer Trage verabschieden. Einen Kilometer weiter findet sich auch Alberto Contador am Boden wieder, doch kostet ihn der Zwischen fall keine Zeit.
Der Coup von Roy und Voeckler
Die Sturzserie reißt nicht ab: Bei km 102 überschlagen sich Tom Boonen (QST) und Gert Steegmans (QST) und landen im Graben. Während der ehemalige Weltmeister versucht, seinen Rückstand im Alleingang wieder aufzuholen, nähert sich das Feld den Ausreißern, die 45 km vor dem Ziel geschluckt werden. Dieser vorzeitige Zusammenschluss setzt das Peloton weiteren Attacken aus. Jérémy Roy (FDJ) und Thomas Voeckler (EUC) geben der Versuchung nach und scheren 32 km vor dem Ziel aus dem Hauptfeld aus. Trotz eines vorübergehenden Vorsprungs von 1’10’’ werden sie 2 km vor dem Ziel gestellt, wobei sich der Fahrer von Europcar bis zuletzt tapfer wehrt.
Gilbert im Kampf
Der Sprint wird von den Sprinterteams auf diesem technisch eher anspruchsvollen Gelände vorbereitet. Die Attacke von Boasson Hagen 800 Meter vor dem Ziel kommt für sie überraschend, nur Feillu folgt. Doch dahinter kommt es zur Gegenreaktion. Zunächst mischt sich Philippe Gilbert in den Kampf der Spezialisten zwischen Rojas und Hushovd ein. Doch schließlich vor allem beschleunigt Mark Cavendish und überflügelt ein Dutzend Fahrer auf den letzten 300 Metern. Nachdem er Philippe Gilbert umkurvt hat, feiert er seinen 16. Tageserfolg bei der Tour de France.
«Das war hart, eine richtig schwere Etappe. Nicht nur auf den letzten beiden Kilometern, sondern eher auf den letzten 20, wo meine Teamkollegen unglaublich waren. Sie haben mich mitgezogen und den Wind von mir ferngehalten. Auch als ich den Zug verloren habe, sind sie weiter Vollgas gefahren, was das Feld auseinander gezogen hat. So konnte ich das Feld von hinten aufräumen, und ich bin froh, dass ich es geschafft habe.
Bei diesem schweren Finale sind viele mitgesprintet, Geraint Thomas im Weißen Trikot, Wiggins, Hushovd, Gilbert… es war ungemein hart, vorne dran zu bleiben. Ich musste heute alles aus mir rausholen, um den Sieg einzufahren. Etwa 200 Meter vor dem Zielstrich habe ich alles gegeben. Ich hätte nicht gedacht, dass ich den Sieg noch packen würde, sondern hatte eher die Punkte für das Grüne Trikot im Kopf. Ich habe nochmal nachgelegt, war dann auf einer Höhe mit Gilbert, und da brannten meine Beine wirklich unglaublich. Der Sieg überrascht mich, weil ich doch von so weit hinten kam.
Drei Kilometer vor dem Ziel wartete eine echte Côte, und danach eine ziemlich technische Abfahrt. Das war alles sehr schwierig. Ich habe schon auf härteren Streckenprofilen gewonnen, doch bin ich auch schon eingebrochen. Das ist ein Zeichen, dass ich gut drauf bin.»
«Wir sind den ganzen Tag lang vorne geblieben, um Stürze zu vermeiden, denn es war eine schwere Etappe. Das ganze Team war motiviert, insbesondere Hincapie und Burghardt, die viel Zeit an der Spitze verbracht haben. Aber sie sind das gewohnt und wissen, dass es unumgänglich ist. Das werden wir noch einige Tage lang so wiederholen. Derzeit muss man die Ruhe bewahren.»
In der Teamwertung geht die fünfte Etappe an Omega Pharma-Lotto. Philippe Gilbert, von den Bergspezialisten (Evans, Contador…) in Mûr-de-Bretagne geschlagen, muss sich auf den letzten Metern am Cap Fréhel den Sprintern beugen, doch beendet der belgische Meister die Etappe auf Rang zwei, wobei das Finale auch Andre Greipel auf Rang sechs in die Karten spielte. Und da die Ton angebenden Fahrer wachsam bleiben müssen, um bei einem möglichen Bruch im Feld keine Zeit einzubüßen, ergattert Jurgen Van den Broeck Rang 15, was ihn zum dritten Mann macht, den die Formation der belgischen Nationallotterie brauchte, um ihr französisches Pendant hinter sich zu lassen. FDJ bringt drei Fahrer in die Top 20: William Bonnet (8.), Arnold Jeannesson (13.) und Anthony Roux (19.). In der Mannschaftsgesamtwertung gibt es kaum Bewegung, da Garmin-Cervélo weiterhin zwei Sekunden vor Sky und vier vor Leopard-Trek liegt. Schlechte Kunde für die zehn Sekunden zurückliegende Formation RadioShack auf Rang vier: Der im Vorjahr von dem US-Team gewonnene Titel wird noch schwerer zu verteidigen sein, da der junge Kapitän Janez Brajkovic nach seinem Sturz ausscheidet.
«Heute morgen lautete das Ziel noch, das Gelbe Trikot zu verteidigen, und vor allem nicht in Gefahr zu geraten und eher vorne im Peloton zu bleiben. Also hat das Team den ganzen Tag lang gearbeitet, um uns unter den besten Voraussetzungen ins Ziel zu bringen. Die Etappe war nicht zuletzt wegen des Winds gefährlich. Ich denke, dass war eine der hektischsten Etappen, die ich in meiner Zeit bei der Tour erlebt habe. Was den Sprint betrifft, war alles für Tyler Farrar vorgesehen, aber fünf Kilometer vor dem Ziel hat er mir gesagt, dass er nicht in Topform ist, und dass ich mein Rennen zu Ende fahren könnte. Also habe ich losgelegt, allerdings bin ich wohl etwas zu früh nach ganz vorne gekommen, und mir fehlte heute die Power, um den Sieg einzufahren. Vielleicht zahle ich auch den Preis für meine gestrigen Anstrengungen in der Côte de Mûr-de-Bretagne.»
1. Mark Cavendish (GBR) THR 2. Philippe Gilbert (BEL) OLO 3. Jose Joaquin Rojas (ESP) MOV 4. Tony Gallopin (FRA) COF 5. Geraint Thomas (GBR) SKY
Cavendish lag etwa 300 Meter vor dem Ziel an 10. Stelle. Der Sprint ging mit Hushovd and Gilbert an der Spitze in die entscheidende Phase, aber der "Raketenmann" gab nicht auf. Der "schnellste Mann der Welt" überflügelt alle auf den letzten 50 Metern und siegt in bestechender Manier vor Gilbert und Rojas.
Nichts kann Mark Cavendish aufhalten. Mutig reagiert er auf die ersten Tempoverschärfungen. Er umkurvt Gilbert und Hushovd auf den letzten Metern und feiert seinen insgesamt 16. Etappensieg bei der Tour de France.
Boasson Hagen hat den Sprint 700 m vor dem Ziel angezogen. Feillu klebt an seinem Hinterrad, doch jetzt führt Hushovd die zweite Sprintwelle heran...
Der Sprint ist lanciert. Die Tempomacher heißen 1 km vor dem Ziel Hondo und Martin.