
Galibier Serre-Chevalier
200.5 km
Donnerstag 21 Juli
Beim 100-jährigen Jubiläum der Tour de France am Col du Galibier sprengt Andy Schleck mit einer Offensive auf dem Anstieg zum Col d’Izoard das gesamte Feld. Er entledigt sich zunächst aller Rivalen im Titelkampf, bevor er einen nach dem anderen alle Ausreißer der heutigen Etappe überholt. Auf dem Schlussanstieg am Galibier fährt der Luxemburger die letzten 6 km im Alleingang, während in der Verfolgergruppe Thomas Voeckler alles gibt, um sein gelbes Trikot zu verteidigen. Der Franzose steht 2 km vor dem Ziel kurz davor, es zu verlieren, und mobilisiert in Begleitung seines Teamkollegen Pierre Rolland, von Cadel Evans, Ivan Basso und Fränk Schleck noch einmal alles, um seine Führung in der Gesamtwertung im Ziel mit 15’’ Vorsprung zu retten. Während sich Andy Schleck den dritten Etappensieg bei der Tour mit einem historischen Auftritt am Galibier sichert, bricht sein Rivale von 2010, der Spanier Alberto Contador, 2 km vor dem Ziel ein. Sein Rückstand auf Voeckler in der Gesamtwertung beträgt jetzt 4’44’’ und auf Andy Schleck 3’59’’.
16 + 3 = 19 Fahrer an der Spitze
Das umfangreiche Programm der 18. Etappe veranlasst viele Fahrer, sich eine Sicherheitsmarge zulegen zu wollen, um Vorsorge für den schwierigen Rest der Etappe zu treffen. Es dauert jedoch lange, bis sich eine erfolgreiche Ausreißergruppe bildet, weil bei km 46,5 ein Zwischensprint wartet. Die Formationen von HTC und Movistar geben das Tempo im Feld vor, aber bereits 2 km nach dieser ersten Auseinandersetzung setzt sich eine große Gruppe mit 16 Fahrern ab: Monfort, Posthuma (LEO), Perez Moreno, Urtasun Perez (EUS), Tjallingii (RAB), Navardauskas (GRM), Iglinskiy (AST), Irizar (RSH), Erviti (MOV), Roche (ELM), Devenyns (QST), Bookwalter (BMC), Duque (COF), Hondo (LAM), Hoogerland (VCD) und Delaplace (SAU) werden an der ersten Steigung von Delage (FDJ), Burghardt (BMC) und Silin (KAT) eingeholt. Die Gruppe bleibt auf den ersten Kilometern des Anstiegs zusammen, aber die steileren Teile führen zur Selektion der Fahrer, die im Gebirge weniger zuhause sind. Kurz vor dem höchsten Punkt der Tour setzt sich Iglinskiy vorübergehend von seinen zehn Weggefährten ab, um sich 20 Punkte für die Bergwertung zu sichern.
Gegenangriff mit Gesink
Das Verfolgerfeld gestattet den Ausreißern einen maximalen Abstand von 9’10’’, den sie bei km 83 erreichen. Der Anstieg zum Col Agnel führt zur neuerlichen Selektion. Eine kleine Gruppe mit Gesink (RAB), Zeits (AST), Leipheimer (RSH), Arroyo (MOV), Jeannesson (FDJ), Moncoutié (COF) und Westra (VCD) setzt zum Gegenangriff an. Sie erreichen die italienisch-französische Grenze mit 4’55’’ Rückstand auf die Spitze, aber nur 40’’ früher als die Gruppe um den Träger des gelben Trikots. Dieser magere Vorsprung reicht ihnen nicht, um sich auf der anschließenden Abfahrt vor dem Ansturm des Hauptfelds zu retten (km 130).
Iglinskiy versucht es weiter
Der Anstieg zum Col d’Izoard bietet Iglinskiy eine neue Gelegenheit sich abzusetzen, indem er 5 km vor dem Gipfel das Tempo verschärft. Die Formation Leopard-Trek, die nicht nur die Spitzengruppe, sondern auch das Feld auf dem Anstieg anführt, bereitet eine Offensive vor. Auf halber Höhe des Passes tritt Andy Schleck an und lässt seine Rivalen hinter sich, die keine Reaktion zeigen. Der Kapitän holt einen nach dem anderen die Fahrer ein, die aus der Ausreißergruppe ausgeworfen werden, darunter auch seinen Teamkollegen Posthuma, der ihn kurz unterstützt, bis auch er zurückfällt. Am Gipfel des Col d’Izoard hat der Luxemburger noch 1’50’’ Rückstand auf Iglinskiy, aber bereits 2’15’’ Vorsprung auf seine großen Rivalen im Kampf um den Titel.
Evans führt die Gruppe um das gelbe Trikot
Andy Schleck bestreitet die Abfahrt nach Briançon mit Monfort, Roche, Devenyns und Silin. Sie holen den Mann von Astana 29 km vor dem Ziel ein. Der Vorsprung auf das Feld um das gelbe Trikot, das zu diesem Zeitpunkt nur noch etwa 30 Fahrer zählt, liegt bei 3 Minuten. Die Anstrengungen von Maxime Monfort helfen Andy Schleck, diesen Vorsprung am Fuß des Schlussanstiegs auf 3’47’’ auszubauen. 15 km vor dem Ziel wächst die Marge auf 4’15’’, ohne dass sich die anderen Favoriten der Tour zum Gegenangriff durchringen könnten. Cadel Evans nimmt schließlich die Dinge 12 km vor dem Ziel in die Hand und erhöht das Tempo. Er bekommt keine Unterstützung und führt die Gruppe um Voeckler, die sich angesichts der Beschleunigung zunehmend ausdünnt, allein den Berg hinauf. Der Abstand der Gruppe unter Führung von Evans beträgt 5 km vor dem Ziel noch 3’05’’. Die Gruppe besteht nur noch aus zehn Fahrern: Voeckler, Rolland, Contador, Fraänk Schleck, Cunego, Basso, Szmyd, Vanendert und Taaramae. In der Zwischenzeit hat Andy Schleck erst Nicolas Roche und dann Maxim Iglinskiy (6 km) abgeschüttelt, um sich im Alleingang seinen dritten Etappensieg bei der Tour de France zu holen.
Contador bricht ein
Andy Schleck hat die Möglichkeit, sich neben dem Etappensieg am Galibier auch noch das gelbe Trikot zu holen, aber die Verfolgergruppe beschleunigt. Das Tempo wird zu hoch für Alberto Contador, der 1,5 km vor dem Ziel einbricht. Pierre Rolland und Thomas Voeckler starten die letzte Operation zur Verteidigung des gelben Trikots und werden dabei nur noch von Evans, Basso und Fränk Schleck begleitet. Auf dem letzten Kilometer gibt der Franzose alles und kommt dank der Verlangsamung von Andy Schleck einerseits und seiner eigenen Entschlossenheit als Fünfter mit 2’21“ Rückstand auf Schleck ins Ziel und rettet sein gelbes Trikot. Er hat noch 15’ Vorsprung in der Gesamtwertung.
„Ich habe eine Heldentat vollbracht und mit aller Kraft gekämpft. Ich habe es mit einem Andy Schleck zu tun, der mir das gelbe Trikot hätte abnehmen können, aber ich behalte es mit 15 Sekunden Vorsprung. Der Berg baute sich riesig vor uns auf und es galt anzugreifen. Er hatte zwei Fahrer vorn, die ihn notfalls hätten unterstützen können. Ich habe von den Anstrengungen von Cadel Evans profitiert, der hart gearbeitet hat, um Andy Schleck einzuholen, aber so ist das Rennen. Ich habe nicht gesehen, dass Contador zurückgefallen ist. Ich hatte vor allem Angst, dass er auf den letzten zwei oder drei Kilometern noch ein Ding landet. Ich habe im Finale den Ohrstöpsel verloren und habe Fränk Schleck gefragt, wie groß der Vorsprung seines Bruders ist, aber er sagte mir, er wisse es nicht. Dann habe ich gesehen, dass es etwas weniger als drei Minuten waren, also habe ich Pierre Rolland gesagt, dass wir antreten müssen. Und es hat funktioniert. Es ist wie ein Wunder. Was jetzt noch kommt, hängt nicht mehr von mir ab. Fünfzehn Sekunden sind im Vergleich zu den besten Bergfahrern der Welt nur ein winziger Vorsprung. Aber ich hoffe, dass es weiter so gut läuft wie heute.“
„Das ist heute der schönste meiner Siege. Bisher haben wir in Lauerstellung gelegen und ich habe beschlossen, die Dinge in die Hand zu nehmen und früh anzugreifen. Es ist mir dann gelungen, einen großen Vorsprung herauszufahren. Es ist für mich ein Traum, hier zu siegen. Als ich mir die Strecke angeschaut habe, wusste ich, dass ich diese Etappe gewinnen wollte. Jetzt bin ich bereit für das gelbe Trikot. Meine heutige Leistung zeigt, dass ich in der Lage bin, es mir zu holen.“
Garmin-Cervélo setzt sich in der Mannschaftswertung auf der Königsetappe der Alpen, die zum Gipfel des Galibier führte, durch. Die amerikanische Formation gewinnt die Dreierwette, weil sie Tom Danielson (9.), Ryder Hesjedal (10.) und Christian Vande Velde (12.) vorn platziert, während sich Leopard-Trek auf die Einzelwertung konzentriert hat. Der Doppelsieg der Schleck-Brüder geht zu Lasten des dritten Manns Maxime Monfort, der sich für die beiden geopfert hat. Folglich übernimmt Ag2r-La Mondiale mit Jean-Christophe Péraud (16.), Hubert Dupont (17.) und Nicolas Roche (19.) den zweiten Platz der Etappe mit 2’26’’ Rückstand auf Garmin-Cervélo. Die französische Formation ist auch Zweite in der Gesamtwertung mit einem Zeitdefizit von 10’30’’.
Auch wenn Thomas Voeckler die große Überraschung gelingt und er das gelbe Trikot einen weiteren Tag behält, ergeben sich doch beträchtliche Verschiebungen in der Gesamtwertung: 1. Thomas Voeckler (FRA) EUC 2. Andy Schleck (LUX) LEO mit 15" Abstand 3. Frank Schleck (LUX) LEO mit 1’08" 4. Cadel Evans (AUS) BMC mit 1’12" 5. Damiano Cunego (ITA) LAM mit 3’46" 6. Ivan Basso (ITA) LIQ mit 3’46" 7. Alberto Contador (ESP) SBS mit 4’44" 8. Samuel Sanchez (ESP) EUS mit 5’20" 9. Tom Danielson (USA) GRM mit 7’08" 10. Jean-Christophe Peraud (FRA) ALM mit 9’27".
Die Etappe von Pinerolo nach Gap versprach, ein Rennen epischen Ausmaßes zu werden. Und das hat sie gehalten. Die TOP 15 der 18. Etappe: 1. Andy Schleck (LUX) LEO - 200,5 km in 6h07’56" 2. Fränk Schleck (LUX) LEO mit 2’07" Abstand 3. Cadel Evans (AUS) BMC mit 2’15" 4. Ivan Basso (ITA) LIQ mit 2’18" 5. Thomas Voeckler (FRA) EUC mit 2’21" 6. Pierre Rolland (FRA) EUC mit 2’27" 7. Damiano Cunego (ITA) LAM mit 2’33" 8. Rein Taaramae (EST) COF mit 3’22" 9. Tom Danielson (USA) GRM mit 3’25" 10. Ryder Hesjedal (CAN) GRM mit 3’31" 11. Maxim Iglinskiy (KAZ) AST mit 3’35" 12. Christian Vande Velde (USA) GRM mit 3’38" 13. Haimar Zubeldia (ESP) RSH mit 3’44" 14. Jelle Vanendert (BEL) OLO mit 3’50" 15. Alberto Contador (ESP) SBS mit 3’50"
Thomas Voeckler ist als Fünfter ins Ziel gekommen. Der Kapitän von Europcar behält in der Gesamtwertung einen Vorsprung von 15’’ auf Andy Schleck.
Der Spanier hat auf dieser Etappe 3’50" und so gut wie alle Chancen auf einen weiteren Toursieg verloren.
Voeckler kann kaum noch gerade stehen, nachdem er sich mit 2’18" Rückstand auf Andy Schleck ins Ziel gekämpft hat. Der Franzose behält das gelbe Trikot einen weiteren Tag.