Tagebuch der Etappe

étape 11 - Blaye-les-Mines Lavaur 167.5 km
Mittwoch 13 Juli

Supermanx siegt schon wieder!

Mark Cavendishs 18. Streich. Einen Tag zuvor bekannte er, dass André Greipel den „perfekten Sprint“ fuhr, um ihn zu schlagen, aber in Lavaur wurden die beiden Spitzenpositionen umgekehrt. Und die Bemühungen des HTC-Teams ernteten die ersehnten Früchte nach einer Anfahrarbeit, die bereits nach der Entstehung der Ausreißergruppe ihren Anfang nahm. ‘Cav’ beendet den Job, aber der Sieg gebührt dem Team, und Danny Pate sowie Lars Bak verdienen genauso viel Dank für den Tageserfolg wie Mark Renshaw – eine wahre Demonstration der Stärke geleitet ‘Supermanx’ zur Ziellinie als letzter Teil eines Zuges, der am Vorabend der Ankunft der Tour in den Pyrenäen auf seine gewohnten Gleise zurückfand.

Der Fortschrittsbericht
Zu Beginn der 11. Etappe der Tour de France von Blaye-les-Mines nach Lavaur regnete es. 177 Fahrer gingen an den Start riders, die einzige Abmeldung betraf John Gadret (ALM). Die Temperatur betrug im Startbereich 17,5 Grad. Die Strecke umfasste zwei ausgewiesene Anstiege, die Côte de Tonnac (Kat. 3 bei km 28,5) und die Côte de Puylaurens (Kat 4 bei km 135,5). Der Zwischensprint befand sich in Gaillac (bei km 85). Erst bei km 13,5 konnte sich eine Ausreißergruppe aus dem Feld lösen.
Sechs bilden eine Gruppe...
Wieder einmal initiiert Delage (FDJ) die erfolgreiche Ausreißergruppe des Tages mit Perez Moreno (EUS), Boom (RAB), Grivko (AST), Valentin (COF) und Engoulvent (SAU). Boom führt die Gruppe über den ersten Anstieg, wobei der Vorsprung 4’15” beträgt. Das maximale Zeitpolster beläuft sich auf 4’25” bei km 33. Der bestplatzierte Ausreißer in der Gesamtwertung ist Perez Moreno auf Rang 83 nach 10 Renntagen, 30’41” hinter Voeckler. Zwei HTC-Fahrer übernehmen ab km 15 die Nachführarbeit, das ganze Europcar-Team folgt Pate und Bak.
Delages frühe Initiative bedeutet, dass er zu dem Fahrer avanciert, der bei der biesherigen Tour 2011 von allen die meiste Zeit in Ausreißergruppen verbracht hat, vor Etappenbeginn waren es 392 km von bisher 1.749 km.
Das Durchschnittstempo beträgt in der ersten Rennstunde 46,2 km/h. Delage führt die Gruppe als erster über die Sprintmarkierung, scheint sich aber bei seinen Weggefährten dafür zu entschuldigen, dass er erst kurz vorher in Front gegangen ist. HTC bereitet den Sprint für Cavendish in Gaillac vor, und der zweifache Etappensieger 2011 überquert als erster Fahrer des Pelotons die Sprintmarkierung 2’50” nach den Ausreißern. Vier HTC-Fahrer kommen in die Punkte. Das Durchschnittstempo der zweiten Rennstunde beträgt 47,0 km/h. Die Ursache dafür ist der Rückenwind, der das Peloton nach dem Sprint in Gaillac antreibt.
Drei Teams jagen die Führenden
In der zweiten und dritten Rennstunde ist es zwar bewölkt jedoch nicht regnerisch, was sich 40 km vor dem Ziel ändert. Noch besitzen die Ausreißer ein Zeitpolster von 2’30”, das aber rasch schmilzt, nicht zuletzt dank der Bemühungen des ganzen HTC-Teams sowie von Lang (OLO), Hejsdal (GRM) und, später, Gerrans (SKY) an der Spitze des Feldes. Bei noch 35 ausstehenden Kilometern sinkt der Vorsprung auf 1’40”. Delage ergattert einen Bergpunkt auf dem Gipfel der Côte de Puylarense, das Peloton sitzt seiner Gruppe mit 1’34” Rückstand im Nacken. Zehn Kilometer vor dem Ziel führen HTC und BMC das Peloton bis auf 30” an die Ausreißer heran. Boom attackiert die kleine Gruppe 4,8 km vor dem Ziel, doch das Feld ist ihm mit 11” Abstand auf den Fersen.
Seine fünf Mitstreiter werden 3,5 km vor dem Ziel gestellt, für ihn selbst ist 2,8 km vor dem Zielstrich Schluss.
Cavendish kriegt die Lücke
“Meine gefährlichste Waffe ist mein Antritt,” so Mark Cavendish nach seinem Sieg bei der 11. Etappe, seinem insgesamt 18. bei der Tour de France. Er wird (abermals) von Anfahrer Renshaw tadellos an die Linie herangeführt. Und der eigentliche Sprint beginnt etwa 300 m oder weniger vor dem Zielstrich im regennassen Lavaur. Millar (GRM) führt 1 km vor dem Ziel, und Dean sowie Hushovd sind auf den letzten 1000 m ebenfalls vorne zu sehen, aber dann taucht der HTC-Express rechts von Farrar auf, und Cavendish kriegt die Lücke, von der er einen Tag zuvor gesprochen hat. Greipel und Farrar bedrängen ihn, letztlich gewinnt er aber mit mehr als einer Radlänge Vorsprung.
Voeckler beendet die Etappe als 75., allerdings in der Siegzeit. Er fährt auch auf der 12. Etappe im Gelben Trikot.

 

Mark Cavendish: "Wir werden weiter kämpfen"

„Ich habe gestern gesagt, dass ich jetzt schon vier oder fünf Siege in der Tasche haben könnte, allerdings hege ich keinen Groll. Die erste [Sprint-] Etappe, als Tyler [Farrar] gewann, war eine nach meinem Geschmack, und gestern, als [André] Greipel mich geschlagen hat – auch dort hätte ich siegreich sein können – und ich habe heute mit André gesprochen und ihm gesagt, ‘Technisch war das einer der besten Sprints, den ich von einem Sprinter dieser Generation je gesehen habe’. Sein Fahrstil war einfach perfekt. Also kann ich wegen gestern kaum enttäuscht sein. Gestern bin ich nicht in Tritt gekommen. Vor dem Antritt bin ich eher gerollt, also wollte ich sicherstellen, dass ich heute in Tritt komme. Man sieht, wie Mark [Renshaw] mich lanciert, ich platziere meinen Antritt 250 Meter vor dem Ziel, komme auf Touren und kann das Tempo halten.
Ich hatte die perfekte Anfahrarbeit, und wir haben bewiesen, dass wir das stärkste Sprinterteam im Feld sind. Wir sind den ganzen Weg lang gefahren. Sechs Ausreißer waren vorne, und wir haben zwei Fahrer vorne platziert und sie auf drei Minuten Abstand gehalten. Zum Schluss gab es etwas Hilfe von anderen Teams, aber wir haben zwei in den Top 10 der Gesamtwertung – Tony Martin und Peter Velits – und die sind für mich gefahren, um das Ruder herumzureißen. Ich habe einfach eine unglaubliche Gruppe an meiner Seite.
Gestern habe ich meine Enttäuschung darüber geäußert, weil sie den ganzen Tag lang gefahren sind, und ich nicht gewinnen konnte. Das musste ich heute gerade biegen. Ich habe ihre Arbeit zu einem guten Ende geführt.
Ich hoffe, dass ich in diesem Jahr das Grüne Trikot behaupten kann. Wir kämpfen die ganze Zeit schon darum; alle Zwischensprints, die wir bestritten haben, die Zieleinläufe... 15 Punkte sind ein knapper Vorsprung, aber wir kämpfen weiter.
Lars Bak ist eine Maschine. Man muss sich einmal anschauen, wie er fährt. Ich mag den Kerl und habe mich dafür stark gemacht, dass er im Tour-Aufgebot steht, weil ich wusste, dass wir auf ihn bauen können. Er fährt bei Sonne, Regen und einfach nur den ganzen Tag lang. Außerdem ist er am Tisch beim Abendessen ein feiner Kerl.“