Tagebuch der Etappe

etappe 9 - Toulouse Bagnères-de-Bigorre 224 km
Sonntag 13 Juli

Und Ricco zum Zweiten…

Der junge Bergfloh vom Team Saunier-Duval hat mit einem entscheidenden Angriff 5 km vor dem Col d’Aspin zum zweiten Mal zugeschlagen. Ricardo Ricco, der den letzten Fahrer der Ausreißergruppe – Sebastian Lang - schnell stellen konnte, hat die Etappe mit mehr als einer Minute Vorsprung auf die Gruppe der Tourfavoriten abgeschlossen. Auf den letzten 26 km ist es ihm gelungen, seinen Vorsprung zu halten. Die ‚Kobra’ erringt einen zweiten Etappensieg bei der diesjährigen Tour de France.

Ein Trio an der Spitze
Sechs Fahrer versuchen ab dem ersten Rennkilometer eine Attacke. Doch Cheula (BAR), Bichot (AGR), Clement (BTL), Schröder (GST), De la Fuente (SDV) und Moncoutié (COF) schaffen es nicht, sich mit einem Vorsprung von 30’’ abzusetzen und werden bei km 14 vom Peloton gestellt. Ein Trio, das sich aus Aleksandr Kuschynski (LIQ), Sebastian Lang (GST) und Nicolas Jalabert (AGR) bei km 22 bildet, zeigt sich effektiver. Nach den ersten beiden Anstiegen des Tagesprogramms haben sie bereits 13’30’’ Vorsprung auf das Peloton (km 46) und erreichen dann noch einen Höchstabstand von 14’20’’.

Euskaltel in der Verfolgung
In den Pyrenäen haben aber die Fahrer vom Team Euskaltel sehr wohl die Absicht, « ihr Territorium zu verteidigen ». Nach der Feststellung, dass die Columbia-Mannschaft die Verantwortung für die Nachführarbeit ablehnt, nehmen sie selbst die Situation in die Hand und geben ab km 55 ein etwas höheres Tempo vor. Beim 100. Rennkilometer ist der Rückstand auf 11’ gesunken. Fünf Kilometer weiter gerät Cadel Evans durch einen Sturz in Rückstand und zieht sich vor allem Verletzungen an Ellbogen, Schulter und Knie zu.

Evans verletzt
Der australische Teamkapitän vom Team Silence-Lotto kann auf die Hilfe seiner Teamgefährten zählen, um den Weg zurück ins Hauptfeld zu finden, das den Fuß des Anstiegs zum Col de Peyresourde mit 9’10’’ Rückstand auf die drei Ausreißer erreicht.

Rasante Abfahrt von LL.Sanchez
Bei dieser ersten großen Schwierigkeit fällt das Führungstrio auseinander: Jalabert muss als Erster ablassen, dann Kuschynski, woraufhin Sebastian Lang alleine einen Angriff auf das Gepunktete Trikot fährt. In der Hauptgruppe, in der keiner der Favoriten in Rückstand geraten ist, können sich einzig De la Fuente und Monfort absetzen. Das Peloton hat am Gipfel einen Rückstand von 5’25’’. Bei der Abfahrt startet LL.Sanchez einen Gegenangriff. Es gelingt ihm, zu Maxime Monfort und David De la Fuente vorzustoßen, mit denen er die ersten Hänge des Anstiegs zum Col d’Aspin in Angriff nimmt.

Ricco hebt ab
Die Selektion erfolgt dann in einer ersten Phase am Ende der Hauptgruppe, einige Abenteurer versuchen dann auf halber Höhe des Anstiegs Angriffe. Stefan Schumacher hat das Peloton als Erster wachgerüttelt. Auch Sandy Casar hat ebenfalls einen Versuch gestartet, genau wie Nibali und Kreuziger. Zum beeindruckendsten Schlag aber setzt Ricardo Ricco an, dessen furiose Tempoerhöhung 5 km vor dem Bergpass alle anderen Fahrer zurücklässt. Nachdem er das Trio LL.Sanchez-Monfort-De la Fuente und dann Sebastian Lang eingeholt und hinter sich gelassen hat, erreicht er den Gipfel mit einem Vorsprung von 1’15’’ auf die Gruppe um das Gelbe Trikot, es bleiben noch 26 km.

Die ‚Kobra’ hält stand
Nachdem er den Anstieg mit Leichtigkeit geschafft hat, gelingt Ricco auch noch ein Zeitfahren über 26 km bis zur Ziellinie. Als Sieger dank seiner Explosivität in Super-Besse fügt er diesmal noch die Fähigkeit hinzu, auch eine lange Streckenfahrt zu überstehen. Bis zum Ziel erhält er den Abstand zur Gruppe um das Gelbe Trikot aufrecht, das hinter dem zweitplatzierten Efimkin das Ziel mit 1’17“ Rückstand erreicht. Kirchen wahrt die Führung in der Gesamtwertung und erobert dank der in Bagnères gewonnenen Punkte zudem das Grüne Trikot zurück.

 

Kim Kirchen: „Ich habe gelitten, aber das ist die Tour…“

Es war eine Riesenwoche für die Columbia-Mannschaft. Kim Kirchen hat seit der sechsten Etappe die Führung übernommen, und er gibt zu, dass es am ersten Tag in den Pyrenäen hart für ihn gewesen ist. Er hat die Kontrolle in zwei Klassements behalten, glaubt aber, dass ein weiterer Tag wie derjenige über den Col d’Aspin ihn sein Gelbes Trikot kosten könnte.

„Es war ein harter Tag, und ich hatte wirklich Glück, dass wir Gegenwind hatten, denn dadurch wurden die Angriffe in Grenzen gehalten. So konnte ich den Rädern der anderen folgen. Ich habe überlebt, was vielleicht ein schlechter Tag gewesen ist. Wir werden sehen, wie es morgen wird. In den Bergen ist es nicht so wichtig, wenn ich ohne Teamunterstützung isoliert werde. Es gibt viele Mannschaften mit Fahrern, die in der ersten Woche noch nicht so viel wie wir gearbeitet haben. Demnach glaube ich, dass sie in den kommenden Tagen einen Vorteil haben werden. Es ist an der Zeit, dass sie sich zeigen und etwas arbeiten.
Ricco ist heute sehr gut gefahren. Ich war beeindruckt. Es war sehr windig, und fĂĽr einen Fahrer alleine war das, was er geschafft hat, der Beweis dafĂĽr, dass er sehr, sehr stark ist.
Sie werden mich heute etwas mehr im hinteren Bereich gesehen haben. Ich habe wohl gelitten, aber das ist die Tour, und ich hoffe, morgen wieder besser drauf zu sein. Schauen wir mal, was dann passiert. Ich hoffe nur, dass meine Beine in der 10. Etappe etwas besser sein werden. Wenn ich mich wie heute fühle, werde ich zurückfallen.”

 

Andy Schleck: „Ich hoffe, ich kann zeigen, dass ich in guter Form bin…“

Zu seinen Erfahrungen bei seiner ersten GroĂźen Schleife meint Andy Schleck, dass die neunte Etappe eine ĂĽberaus gelungene in seinem Rennen um das WeiĂźe Trikot gewesen ist. Er hat nunmehr die FĂĽhrung in der Jungprofiwertung ĂĽbernommen und freut sich auf die kommenden Herausforderungen bei seiner ersten Tour de France.

„Ich erinnere mich daran, letztes Jahr beim Giro d’Italia auch in der neunten Etappe das Weiße Trikot erobert und es nicht mehr abgegeben zu haben, demnach hoffe ich, dies auch hier schaffen zu können. Natürlich haben wir gesehen, dass Ricco neulich schon extrem stark gewesen ist und heute wieder am Col d’Aspin, und er wird bestimmt noch weitermachen. Lövkvist hat heute einen wirklich schlechten Tag gehabt, und er tut mir ein wenig leid, weil ich mit ihm befreundet bin, aber so ist der Radsport.
Das WeiĂźe Trikot ist ein Ziel, und wenn ich gut bin, werde ich es auch behalten. Wenn ich um ein gutes Ergebnis in der Gesamtwertung mitfahren kann, sollte ich in der Lage sein, es zu verteidigen.
Es war heute noch nicht so schlimm, weil die Favoriten sich gegenseitig beobachtet haben, und als Ricco dann attackiert hat, haben sie ihn einfach ziehen lassen. Caisse d’Epargne hat Evans im Auge behalten, und Evans hat Menchov im Auge behalten, und der wiederum uns, und so sind wir dann ohne allzu viele Angriffe zusammen zum Ziel gefahren. Ich bin zu keinem Zeitpunkt in Schwierigkeiten geraten, obwohl es Augenblicke gegeben hat, in denen ich mir Fragen über meine Form zu Beginn der Tour gestellt habe, aber das war nur in meinem Kopf. Meine Beine sind jetzt gut, und ich freue mich auf das Hochgebirge morgen und in den Alpen. Ich hoffe, ich kann zeigen, dass ich in guter Form bin.
Heute sind wir nicht allzu aggressiv gefahren, wir haben auf Attacken der anderen gewartet, und die haben wiederum auf uns gewartet, und so konnte Ricco die Gunst der Stunde nutzen. Er war wirklich stark, und ich weiß nicht, ob ihm heute tatsächlich jemand hätte folgen können.“

 

Ricardo Ricco: „Ich bin der glücklichste Mann der Welt“

Nach seinem zweiten Etappensieg bei der Tour 2008 hat Ricardo Ricco bestätigt, dass sein Ruf als Ausnahmekletterer berechtigt ist.

„Ich hatte in Super-Besse gesagt, dass ich noch eine weitere Etappe gewinnen wolle. Es gibt keinen Zweifel daran, dass ich heute der glücklichste Mann dieser Welt bin. Aber gewöhnen Sie sich nicht zu sehr an meine Siege, denn den nächsten Sieg wird hoffentlich mein Teamgefährte Piepoli erringen.
Diese Attacke war nicht programmiert, ich habe alles improvisiert. Im Anstieg ist Piepoli einen sehr guten Rhythmus gefahren, und danach war ich in idealer Position für eine Tempoerhöhung. Da bin ich losgefahren, und ich glaube, dass ich wirklich beeindruckend war. Ich war sehr schnell.
Was die Gesamtwertung betrifft, denke ich schon nicht mehr an die beim Zeitfahren in Cholet verlorene Zeit, das ist nicht so wichtig. Aber ich werde niemals aufgeben. Ich weiß, dass das Gebirge meine Domäne ist, da kann ich es mit den Besten aufnehmen. Demnach werde ich versuchen, bis Paris auf Tuchfühlung zu bleiben.
Mir wäre es recht, wenn wir im nächsten Jahr die Mannschaft für die großen Rundfahrten verstärken würden, um ein Team zu haben, das auch die Gesamtwertung anpeilen kann. »

 

Agenturmeldungen

17:08 - Die Top 5 im Ziel

1. Ricco
2. Efimkin
3. Dessel
4. Fofonov
5. Knees

17:01 - Sieg fĂĽr Ricardo Ricco

Damit erringt er den zweiten Etappensieg bei der Tour de France 2008

16:59 - 1 km bis zum Ziel

Der ‚rote Teufelslappen’ zeigt Ricardo Ricco das nahe Etappenziel an, er hat weiterhin über 1’ Vorsprung…

16:58 - 3 km bis zum Ziel

Der junge Italiener ist auf bestem Wege zu seinem zweiten Etappensieg bei der Tour 2008…

16:57 - Lang als kämpferischster Fahrer

Sebastian Lang vom Team Gerolsteiner ist 186 km an der Spitze des Rennens gefahren und hat dafür den Brandt-Preis für den größen Kampfgeist erhalten