
Joigny
193 km
Mittwoch 11 Juli
Thor Hushovd hat seine fünfte Etappe bei der Tour de France gewonnen, nachdem er von Julian Dean auf ideale Weise zum Endsprint herangeführt wurde. Der neuseeländische Meister hat seinen norwegischen Kollegen bis 250 Meter vor die Ziellinie ‚gezogen’ und ihn damit in eine unschlagbare Position gebracht. Es war ein sauberer Sprint ohne Zwischenfälle und das Ergebnis einer pragmatischen Zusammenarbeit aller Sprintermannschaften, die ihre Aufholjagd auf die fünf Ausreißer ideal getimt haben. Matthieu Sprick hat bei Km 30 einen Angriff gestartet und wurde dabei durch vier weitere Fahrer unterstützt, u.a. Sylvain Chavanel. Sie wurden aber fünf Kilometer vor dem Ziel wieder eingeholt, woraufhin die Sprintspezialisten das Heft in die Hand genommen haben. Durch den Sieg rückt Hushovd von der neunten auf die zweite Position in der Gesamtwertung.
Die 193 km lange vierte Etappe der Tour de France 2007 – von Villers-Cotterets nach Joigny – wurde um 13.00 Uhr gestartet. Zum Eintrag in die Starterliste am Morgen erschienen 187 Fahrer, keine Ausfälle über Nacht. Auf dem Programm des Tages standen 4 Anstiege, und zwar: Côte de Veuilly-la-Poterie (bei Km 23,5km), Côte de Doucy (Km 62,5), Côte de Galbaux (Km 144) und Côte de Bel-Air (bei Km 148,5). Die drei Zwischensprints wurden gleichmäßig über die gesamte Etappe verteilt: der erste in La Ferté-Gaucher (Km 69), der nächste in Soligny-les-Bains (Km 122,5) und der letzte in Theil-sur-Vanne (Km 158,5).
Zandio stürzt und gibt auf
Es gab bei dieser Etappe keine frühen Attacken. Den ersten Kraftakt gab es beim ersten Anstieg, als drei der acht Fahrer mit Punkten in der Bergwertung aus dem Peloton ausgerissen sind. Die Punkte am Anstieg in Veuilly-la-Poterie gingen an Kuschynski (LIQ), Millar (SDV) und Augé (COF). Di Gregorio (FDJ) und Zandio (GCE) sind schwer gestürzt; der Spanier brach sich dabei das rechte Schlüsselbein und musste das Rennen aufgeben, während der Franzose weiterfahren konnte, aber vom Tourarzt mehrfach während der Etappe behandelt werden musste.
Sprick startet Ausreißversuch
Sprick (BTL) war der erste Fahrer, der einen ernst zu nehmenden Ausreißversuch bei Km 30,5 gestartet hat. Ihm folgten noch Verdugo (EUS), Flecha (RAB), Chavanel (FDJ) und – 3 km später - Knees (MRM). Bei der 40 km-Marke lag der Vorsprung der fünf Ausreißer bei 1’25“. Das Stundenmittel der ersten Stunde betrug 40,7 km/h. Bei Km 48 lag der Vorsprung bei 3’20“, woraufhin das Hauptfeld den Rhythmus erhöht hat, um die Ausreißer auf einer akzeptablen Distanz zu halten. Bei Km 56 war der Vorsprung auf 3’45“ angewachsen. Chavanel war der Bestplatzierte in der Gesamtwertung zum Tagesbeginn, auf dem 23. Platz mit 56“ Rückstand auf Cancellara. Beim 2. Anstieg lag das Peloton 4’00” zurück, dies war der maximale Vorsprung der Ausreißergruppe. Liquigas ist bei der 62 km-Marke nach vorne gestoßen und hat dabei das Peloton in zwei Gruppen geteilt. Flecha, Chavanel und Sprick haben die Sprintpunkte bei Km 69 eingestrichen; CSC übernahm wieder die Führung im Hauptfeld und reduzierte den Rückstand beträchtlich auf 1’55“. Das Stundenmittel für die 2. Rennstunde lag bei 40,7 km/h.
CSC verteidigen die Führung von Cancellara
Bei noch verbleibenden 100 km war der Vorsprung der Ausreißer wieder auf 3’45“ angewachsen. Flecha führte Chavanel und Knees über die Wertungslinie des zweiten Zwischensprints. Das Stundenmittel in der 3. Rennstunde lag bei 42,2 km/h. Die Sprinterteams – Predictor-Lotto, Quick Step und Lampre – beteiligten sich ab 70 km vor dem Ziel an der Führungsarbeit im Hauptfeld, und der Vorsprung schmolz rasch zusammen: 2’45” bei 67 km bis zum Ziel; 2’00” bei 60 km. Beim dritten Anstieg führte Chavanel Knees und Flecha bis zum Gipfel. Das Peloton lag dort 1’40” zurück. Die Reihenfolge beim vierten Anstieg lautete: Knees, Sprick und Chavanel… das Peloton folgte 1’50” später.
Flecha lag beim letzten Zwischensprint vor Chavanel und Verdugo. Das Peloton hatte dort nur noch einen Rückstand von 1’35”. 25 km vor dem Ziel hatte die Fünfergruppe noch 55” Vorsprung. Knees griff einen Kilometer weiter an, wurde aber wieder eingeholt, woraufhin die fünf Fahrer wieder zusammengearbeitet haben. Erst 8 km vor dem Ziel gab es noch einmal eine Attacke: das Peloton lag nur noch 30” zurück, und Sprick versuchte noch einmal sein Glück … dieser Versuch dauerte aber nur 20 Sekunden, woraufhin auch er die Waffen streckte. Der Ausreißversuch wurde 4,8 km vor dem Finale beendet.
Vorbereitung des Sprints
Auf den letzten Kilometern dominierten Quickstep und T-Mobile die Führungsarbeit im Peloton. Doch die Männer von Crédit Agricole fuhren das ideale Finale. Thor Hushovd nennt Julian Dean "den besten Anzieher der Welt”, und der Neuseeländer führte den Norweger bis zur 300 m-Marke vor der Ziellinie, woraufhin dieser sich dann unwiderstehlich an die Spitze setzte. Er konnte nicht mehr ernsthaft gefährdet werden, auch wenn Hunter (BAR) bis zur Ziellinie nicht aufgegeben hat. Dies ist Hushovds fünfter Etappensieg bei der Tour de France.
Fabian Cancellara beendete das Rennen als 47. in der gleichen Zeit wie Hushovd. Der CSC-Fahrer wird das Gelbe Trikot auch bei der fünften Etappe tragen.
Der Initiator des erfolgreichen Ausreißversuchs der heutigen vierten Etappe, Matthieu Sprick, wurde fünf Kilometer vor dem Ziel vom Hauptfeld gestellt. Beim Kampf um den Etappensieg auf der Ziellinie war er nicht mehr dabei, er erhielt jedoch den Trostpreis: die Stimmen für den kämpferischsten Fahrer des Tages.
„Sicher, jeder junge Fahrer hofft auf einen Etappensieg, und das ist mir nicht gelungen; das ist frustrierend, aber ein Tag an der Spitze ist immer gut. Das Peloton hat uns eigenlich nie wirklich einen soliden Vorsprung gestattet, mit guten Fahrern wie Fletcha und Chavanel in der Gruppe hat es sich gelohnt, sein Glück zu versuchen. Einerseits war ihre Anwesenheit nicht so gut, andererseits aber war es auch gut, weil sie so stark sind. Zum Ende hin hatte ich noch ein wenig Hoffnung, dass ich gewinnen könnte; dieses Spiel muss man spielen. Wenn es einen Sturz oder einen Augenblick des Zögerns bei der Verfolgungsarbeit im Peloton gegeben hätte, wäre es vielleicht möglich gewesen, vorne zu bleiben.“
Stéphane Augé hat sein Gepunktetes Trikot dank einer fairen Geste seines Teamgefährten Sylvain Chavanel behalten, der beim großen Anstieg der vierten Etappe nicht bis zum Gipfel mitgegangen ist, um seinem Kameraden die Führung in der Bergwertung nicht zu nehmen. Dennoch ist Augé realistisch genug zu sagen, dass er seine Führung nicht mehr verteidigen wird, weil er sich seine Kräfte für die kommenden Wochen lieber einteilen will.
“Mein Team hat alles in seinen Kräften stehende getan, um mir dabei zu helfen, das Gepunktete Trikot zu behalten. Ich bin Sylvain Chavanel sehr dankbar dafür, dass er beim letzten Anstieg nicht mit um die Punkte gefahren ist; dadurch konnte ich meine Führung in der Bergwertung wahren. Dadurch zeigt er sich als wahrer Champion, eine echte Führungsperson. Aber die Berge kommen erst noch, und ich könnte mein Trikot behalten, wenn ich bei einem weiteren Ausreißversuch dabei sein sollte, das ist aber unwahrscheinlich. Ich werde nicht versuchen, meine Führung zu behaupten, weil ich realistisch sein muss. Die Tour dauert drei Wochen, und ich will mir lieber meine Kräfte einteilen für das, was noch auf uns zukommt.“
Er hat in den ersten Wochen der letzten beiden Runden gelb und grün getragen, einem Sieg aber fährt Tom Boonen dieses Jahr noch hinterher. In Joigny erklärte er, dass eine Kurve auf dem letzten Kilometer ihn aus dem Konzept gebracht hat und Zeit auf Thor Hushovd verlieren ließ, den er aber zugegebenermaßen als verdienten Sieger der vierten Etappe sieht.
“Wir haben unser Bestes versucht, um vorne dabei zu bleiben, irgendwann aber kamen wir einfach nicht weiter, bis sich eine kleine Lücke geboten hat, in die ich hineingefahren bin. Bei 500 Metern vor der Ziellinie gab es eine Kurve, die nicht im Streckenbuch stand – und da bin ich aus dem Konzept gekommen, ich musste voll abbremsen, aus dem Sattel steigen und den Sprint neu ansetzen, um in eine gute Position zu kommen.
“Es war ok: dies war der erste Sprint, der wirklich nicht gut für uns gelaufen ist. Es war heute überaus chaotisch und sehr schwer, die richtige Position zu finden.
“Es war ein schöner Sieg für Thor heute. Er war wirklich beeindruckend. Man musste den Sprint genau zum richtigen Zeitpunkt ansetzen, und das ist genau, was er getan hat. Timing ist alles bei einem guten Sprint, und da hat er heute alle anderen übertroffen.”
Das Ende der vierten Etappe entsprach einem perfekten Szenario für die Sprinter: es gab keine bösen Überraschungen in Form von Stürzen oder kraftvollen Attacken des Zeitfahrweltmeisters. Und obwohl Massensprints immer auch ein chaotisches Element enthalten, wurde Thor Hushovd mit solcher Klasse ins Finale geführt, dass sein fünfter Etappensieg bei der Tour de France schon fast einfach anmutete.
“Es ist schön für mich, wieder zu gewinnen. Ich hatte viele Probleme zu Beginn des Jahres und hatte den Eindruck, auch die Tour de France schlecht begonnen zu haben. Ich bin gestürzt und gestern aus dem Takt geraten, heute aber hat alles optimal geklappt; Julian Dean hat einmal mehr phantastische Arbeit für mich geleistet, und nach seinem Anziehen hat alles gestimmt. Wenn er die Kraft behält, die er heute hatte… nun, dann ist das genau das, was ich zum Siegen brauche, und ich bin mir sicher, dass wir so weiter machen können. Wenn Julian seine jetzige Form behält, ist er der beste Anzieher der Welt.
“Er hat ab der 500 Meter-Marke angezogen, und ich war bis 200 Meter vor dem Ziel geschützt, und ich hatte einfach das Gefühl, dass es so klappen müsste. Der Zug war unglaublich und hat mir die Zeit gegeben, mich vor der Linie aufzurichten und die Arme zu heben.
“Letztes Jahr habe ich die Tour mit einem Sieg auf den Champs-Elysées beendet, und daran habe ich mich zu erinnern versucht, als das Glück sich von mir abgewandt hat. Heute bin ich wieder da, und ich weiß, dass ich noch weitere Etappen gewinnen werde, weil mein Selbstvertrauen wieder da ist.”
1. Hushovd
2. Hunter
3. Freire
4. Zabel
5. Napolitano
Der Berliner belegt erneut einen guten vierten Platz und macht erneut Boden in der Punktewertung gut…
Dank einer gewaltigen Beschleunigung auf den letzten 250 Metern siegt Thor Hushovd zum fünften Mal bei einer Etappe der Tour de France…
Der Norweger setzt sich unwiderstehlich beim Endspurt durch! Zweiter wird Hunter…
Der Sprint wird vorbereitet…