
Station des Rousses
165.5 km
Sonnabend 10 Juli
Auf der ersten Mittelgebirgsetappe der Tour, haben Sylvain Chavanel und Jérôme Pineau die Anhöhen des Jura genutzt, um einem Tag ganz im Zeichen von Quick Step den krönenden Abschluss zu geben. Der Träger des Bergtrikots initiierte eine Ausreißergruppe, deren Hauptnutznießer er selbst ist, da er seine Position an der Spitze der Bergwertung festigt. Die Initiative von Pineau hielt zwar nicht bis zum Zielstrich, doch vollbrachte sein Kapitän Sylvain Chavanel ein Solo allererster Güte dank einer Gegenattacke im vorletzten Anstieg, die er im Schlussanstieg, der Côte de Lamoura, zu einem guten Ende führte. Dadurch avanciert er nicht nur zum zweiten französischen Doppeletappensieger der Tour seit Laurent Jalabert 2001, sondern übernimmt auch wieder das Gelbe Trikot, das er Cancellara in Wallers-Arenberg überlassen musste. In der Gesamtwertung führt er 1’25’’ vor Evans und 1’32 vor Hesjedal.
Pineau planmäßig
Eine Attacke mit Ansage, sogar im Fernsehen, wo Jérôme Pineau allen seine Absicht angekündigt hatte, einen Ausreißversuch zu wagen, um sein Bergtrikot zu verteidigen. Der Fahrer von Quick Step hält Wort und beschleunigt schon auf den ersten Metern. Mit ihm auf die Reise gehen Knees (MRM), Dumoulin (COF), Perez Moreno (EUS) und Hondo (LAM), die bei Km 50,5 einen Vorsprung von 8’35’’ auf das Peloton herausfahren.
Bouygues will seinen Teil vom Kuchen
Die Fahrer von Bouygues, die Frust schieben, weil sie die Attacke verpasst haben, blasen ab Km 57 zur Aufholjagd. Die Nachführarbeit macht sich ab dem Gipfel der Côte d’Arintod (Km 84,5) deutlich bezahlt, als der Vorsprung der Ausreißer auf 6’ geschrumpft ist. Die Bestätigung der Tempoarbeit folgt 20 Kilometer weiter auf dem Gipfel der Côte du barrage de Vouglans. Pineau überquert ihn als Erster und festigt seine Position, aber der Abstand beträgt nur noch 4’.
Voeckler und Gautier attackieren
Die eigentliche Offensive startet Bbox Bouygues Télécom im Anstieg zum Col de la Croix de la Serra mit einer gleichzeitigen Tempoverschärfung von Voeckler und Gautier. Im Anstieg folgen ihnen Perget (GCE), Lloyd (OLO), dann Cunego (LAM), Valls Ferri (FOT) und Chavanel (QST). Vorne offenbart die Spitzengruppe Auflösungserscheinungen: Pineau überquert den Gipfel in Begleitung von Hondo.
Chavanel in der Abfahrt
In der Abfahrt erhöht Sylvain Chavanel nochmals die Schlagzahl und bereitet den nächsten Coup vor. Als Jérôme Pineau seinen Weggefährten Hondo auf den ersten Metern der Côte de Lamoura (17 Km vor dem Ziel) abschüttelt, geht auch Chavanel erneut aus dem Sattel und macht sich alleine auf die Verfolgung von Pineau. Der Zusammenschluss erfolgt bei Km 14 vor dem Ziel, aber der Frischere der beiden, Chavanel, fährt im Alleingang weiter.
Bedrohung durch Valls Ferri
Im zweiten Abschnitt des Anstiegs muss Chavanel die Verfolger in seinem Rücken in Schach halten: Zunächst durch Cunego und Voeckler, dann durch Rafael Valls Ferris, der als letzter Siegrivale in Erscheinung tritt. Als der Zielstrich nur noch 5 Km entfernt ist, erscheint der 50’’ große Vorsprung ausreichend, aber der Franzose muss den jungen Spanier dennoch auf Abstand halten. Im Ziel setzt er sich alleine durch wie schon in Spa. Sein Vorsprung auf das dezimierte Hauptfeld, mit dem Cancellara nicht Schritt halten konnte, sichert Chavanel auch das Gelbe Trikot, das er auf der Kopfsteinpflasteretappe von Roubaix verloren hatte.
Mit diesem zweiten Platz bin ich hochzufrieden. Das Gelbe Trikot hätte meinen Teamkollegen sehr viel Druck aufgebürdet, und der Weg ist noch lang. Morgen wird es mehr Positionswechsel geben. Noch haben sich die Favoriten gegenseitig beäugt, und auf dem Schlussstück war das merkwürdig.
Bei Gegenwind verlangt es einem viel ab, vorne die Tempoarbeit zu machen. George und die anderen waren bereit, doch haben wir es vorgezogen, uns die Energie für morgen aufzusparen.
Auf der achten Etappe gibt es richtige Anstiege, aber es wird wohl ein weiterer Tag, an dem sich die Favoriten beäugen. Mal sehen, ob jemand wirklich bereit ist, loszuziehen und sein Glück zu versuchen. Das wäre sicher eine interessante Option für jemanden wie Alberto oder Lance.
Zwischen den Favoriten hat es erwartungsgemäß keine Auseinandersetzung gegeben. Es war eine Gelegenheit, die Form der einen und der anderen zu testen. Lance macht einen sehr guten Eindruck, Alberto auch, und ich hoffe, dass sie das Gleiche über mich sagen. Das war keineswegs eine Etappe, die Rückschlüsse auf den Sieger der Tour zulässt. Allerdings hatte ich es mir ganz ehrlich gesagt nicht so schwer vorgestellt.
Ich habe ein wenig um mich herum geblickt, um einen schadenfrohen Blick meiner Rivalen zu erhaschen, habe aber keinen gesehen. Jetzt liege ich in der Gesamtwertung an einer guten Position, und ich bin mir nahezu sicher, dass Alberto morgen attackieren wird. Ich werde da sein, um ihm zu folgen, und dann werden wir sehen, ob ich mit ihm Schritt halten kann. Nach dieser achten Etappe werden wir mehr Klarheit haben.
Was Astana heute gemacht hat, habe ich nicht wirklich verstanden. Sie haben das Feld in zwei geteilt, obschon es dafür keinen triftigen Grund gab. Danach wollte niemand das Tempo verschärfen, warum hätte ich es also tun sollen? Ich hatte nur einen Teamkollegen an meiner Seite und das Gelbe Trikot dahinter, auch wenn der Abstand zehn Minuten betrug.
Ich freue mich, das Weiße Trikot wieder überzustreifen. Um mir beim Anziehen zu helfen, habe ich die schönsten Mädchen der ganzen Podiumszeremonien!
Das ist die Belohnung für die Arbeit des gesamten Teams. Was für ein Spektakel, und dann auch noch der Sieg einer vertrauten Freundschaft. Als Sylvain zu mir aufgeschlossen hat, wusste ich schon, dass er dies tat, weil er sich gut fühlte. Und als ich ihn losfahren sah, konnte ich an seinem entschlossenen Blick erkennen, dass ihn niemand mehr einholen würde.
Es freut mich für unsere Mannschaft, denn viele sagen, dass wir ohne Tom Boonen nichts zustande bringen können. Natürlich ist er ein großer Champion, aber wir beweisen, dass es auch andere Fahrer in unseren Reihen gibt. Beim Giro zweifelten viele an uns, und wir haben zwei Etappen gewonnen. Bei dieser Tour de France zweifelte man erneut an uns, und wir haben wieder zwei Etappen gewonnen und zwei Mal das Gelbe Trikot übernommen.
Dieses Trikot gefällt mir, und meine Beine fühlen sich gut an, also setzen wir uns keine Grenzen. Und falls Sylvain es nehmen sollte, macht mir das überhaupt nichts aus, denn er wird es nur machen, wenn er sich gut fühlt.
Ich glaube, dass ich in den nächsten Jahren den Wettbewerb im Mai komplett aussetzen werde, wenn ich sehe, in welcher Verfassung ich momentan bei der Tour bin. Meine Beine waren voller Energie, und mir war klar, dass die Anstiege mir mit durchschnittlich 4 % Neigung seht gut lagen. Anfangs hatte ich Angst zu attackieren, denn ich wollte ja schließlich keine Fahrer an Jérôme heranbringen. Und als ich zu ihm aufgeschlossen hatte, sagte er mir nur «Gib Gas», er konnte nicht mehr.
Wir haben bei dieser Tour eine unglaubliche Entwicklung. Nach dem guten Anfang mit der ganzen Mannschaft geht es nahtlos so weiter. Was uns auf der Etappe von Spa gelungen ist, hatte schon Seltenheitswert. Aber zwei sind einfach nur ein Traum. Jetzt werden wir versuchen, auch noch eine dritte Etappe zu gewinnen!
Im letzten Anstieg habe ich mir über das Gelbe Trikot Gedanken gemacht und dann zu mir gesagt, dass die Rückeroberung nach dem Verlust eine tolle Sache wäre. Morgen werde ich alles daran setzen, es zu verteidigen, auch wenn sich der Kampf in erster Linie um Contador, Schleck und Evans dreht. Ich werde alles aus mir herausholen und sollte ich es verlieren, so ist das kein Beinbruch.
Momentan schwebe ich noch auf Wolke sieben, ich habe es noch gar nicht realisiert. Allerdings sehe ich die große Unterstützung für mich, auf der Straße und überall. Das geht mir sehr nahe.
Der Franzose feiert seinen zweiten Tageserfolg bei der diesjährigen Tour, den dritten bei der Tour insgesamt. Er wird wohl auch das Gelbe Trikot überstreifen.
1. Chavanel, 20 Pkte 2. Valls Ferri, 18 Pkte 3. Garate, 16 Pkte 4. Voeckler, 14 Pkte 5. Moreno, 12 Pkte 6. Perget, 10 Pkte
Noch 1000m für Chavanel, der um jede Sekunde kämpft...
Der Spanier, der eben den Gipfel passiert hat, kann die Lücke zu Voeckler nicht schließen. Die Gruppe Voeckler-Cunego liegt 2’ zurück.
Jetzt gleich erreicht Chavanel den Gipfel, dann geht es bergab in Richtung Ziel.