
Bordeaux
198 km
Freitag 23 Juli
Die Überquerung der Pyrenäen konnte der Endgeschwindigkeit von Mark Cavendish also nichts anhaben. Am Ufer der Gironde in Bordeaux feiert der Brite seinen vierten Tageserfolg 2010 und seinen 14. Etappensieg insgesamt bei der Tour. All seine Teamgefährten hat er eingespannt, um die Verfolgung der zu Beginn der Etappe ausgebüchsten Ausreißer voranzutreiben. Auf den letzten Metern fehlte ihm auch nicht sein üblicher Anfahrer Mark Renshaw, der nach der Etappe von Revel ausgeschlossen wurde. Cavendish wählt das Hinterrad von Thor Hushovd und dann das von Alessandro Petacchi, bevor er seinen Schlussspurt anzieht. Der Italiener wird Dritter und übernimmt mit zehn Punkten Vorsprung auf Thor Hushovd wieder das Grüne Trikot.
Lampre und Columbia kontrollieren
Eine siebenköpfige Gruppe setzt sich auf den ersten beiden Kilometern auf Initiative von Mathieu Perget vom Feld ab, wird aber schon bei Km 7 wieder eingeholt. Eine kleinere Gruppe scheint den Sprinterteams eher akzeptabel, und so lässt man das Quartett um Breschel (SAX), Oss (LIQ), Vaugrenard (FDJ) und Pineau (QST) ziehen. Grundsätzlich erhalten die Ausreißer einen Freischein, nur HTC-Columbia und Lampre stellen sich im Feld quer. Daher wird der Höchstabstand bei Km 41 mit 3’35’’ gemessen.
Auch Milram mischt mit
Der Rückenwind bringt das Feld auf ein hohes Renntempo von 45,4 Km/h nach zwei Rennstunden. Die Ausreißer lassen nicht locker und heben sich noch einige Reserven für den viel gefürchteten Moment der Tempoverschärfung auf. 50 Km vor dem Ziel untermauern die blau gekleideten Milram-Fahrer ihre Ambitionen an der Spitze des Feldes. Und als nur noch 25 Km zurückzulegen sind, beträgt der Vorsprung der Ausreißer noch magere 1’10’’.
Hushovd auf Platz 14
Die Lage wird 15 Km vor dem Ziel immer bedrohlicher, als der Vorsprung auf 30’’ schmilzt. In diesem Moment platziert Jérôme Pineau eine Attacke, aber die Reaktion von Daniel Oss ist von längerer Dauer. Im Alleingang schafft er es bis zur 4-Km-Marke vor dem Ziel, wird dann aber vom durch die Fahrer der Formation Sky angeführten Feld geschluckt. Auf den letzten 1000 Metern befindet sich Thor Hushovd hinter seinem Tempomacher Brett Lancaster scheinbar in aussichtsreicher Position. Petacchi zieht den Sprint als erster Fahrer an. Aber auf den letzten 200 Metern gibt es kein Mittel gegen die Tempoverschärfung von Mark Cavendish, der das Hinterrad des Italieners gewählt hat. Er überquert den Zielstrich mit zwei Radlängen Vorsprung auf Julian Dean. Thor Hushovd, auf Platz 14, tritt das Grüne Trikot wieder an Alessandro Petacchi ab
“Ich habe zwei Etappen gewonnen und bin sehr glücklich. Ich will dieses Trikot. Es ist schwer, das Grüne Trikot in Paris zu behaupten. Ich glaube, dass Cavendish sehr schnell ist, und möglicherweise gewinnt er noch eine weitere Etappe. Deshalb kommt es für mich darauf an, in Paris einen guten Sprint hinzulegen. Nach den Pyrenäen bin ich ausgelaugt und etwas krank. Ich habe einige Antibiotika eingenommen und das sorgt für noch mehr Müdigkeit, aber heute war ich noch im Rennen. Ich habe den Sprint von weit hinten angezogen und der Gegenwind machte uns die Sache wirklich schwer… allerdings konnte ich nicht stoppen, weil ich nur an die Punkte für das Grüne Trikot denken konnte. Ich sah Hushovd in der Nähe der Ziellinie und wusste, dass er noch Punkte holen konnte. Doch ich wollte nicht aufgeben. Heute sah ich, dass sich Cavendish den Etappensieg holen würde – er ist so schnell – aber ich wollte immer noch den zweiten Platz holen, weil der für das Grüne Trikot den Unterschied ausmacht.”
“Hoffentlich spielen meine Beine mit. Mir ist klar, dass morgen der wichtigste Tag meiner Radsportkarriere ansteht. Ich bin bereit für den Kampf. Gestern war ein ziemlich harter Tag, und über meine gute Verfassung heute bin ich echt erstaunt. Ich konnte noch treten, als viele andere im Feld mit einer großen Übersetzung fuhren, weil sie einfach tot waren. Für meinen Teil fühlte ich mich richtig gut, und heute ging es im Grunde darum, Kraft zu sparen und nicht zu viel Energie zu vergeuden, damit ich sie morgen noch einsetzen kann.”
„Ich war mir nicht ganz sicher, ob ich bei dieser Etappe an den Start gehen konnte. An den letzten vier Tagen habe ich mit einer Bronchitis gekämpft – und im Grunde stehe ich damit nicht alleine da, weil es vielen Fahrern im Feld genauso ergeht. Schließlich kam gestern Abend die Fieberattacke, und mir war hundeelend zumute. Den heutigen Start hatte ich eigentlich schon abgeschrieben. Dann haben wir gesagt, ‘Okay ich fahre hin. Wenn es klappt, klappt es. Wenn nicht, dann eben nicht…’ Noch während der Etappe sprach ich mit Brad [Wiggins], und er meinte, ‘Sprintest Du heute?’ Und ich erwiderte, ‘Ja.’ Dann erwiderte er noch, dass ich normalerweise nicht so gesprächig sei, wenn ich einen Sprint vorbereiten würde. Ich entgegnete dann noch, dass wir ja keinerlei Druck hätten, und falls ich nicht gewinne, ist uns der Grund ja bekannt… aber es war fantastisch zu sehen, wie unglaublich hart die Jungs gearbeitet haben. Ich war an zehnter Position, und die Jungs haben nicht nachgelassen. Die Ausreißer waren stark und auch sehr clever. Wie man zum Schluss gesehen hat, war es ein hartes Stück Arbeit, [Daniel] Oss wieder einzufangen – zum Schluss hat er einen fantastischen Lauf hingelegt – und wir mussten Michael [Rogers] und Tony [Martin] einsetzen. Auf den letzten 1000 Metern konnte ich dann eine Art Freestyle vornehmen. Ich bin von einem Hinterrad zum nächsten gegangen, war wieder bei meiner alten Sprintgewohnheit, und es hat geklappt, also was will man mehr. Diesen Sieg widme ich Mark [Renshaw]. Wir hatten eine Feier geplant. Ich wollte ‘Renshaw’ auf meine Handschuhe schreiben, aber Bob sagte, so etwas könnte ich nicht machen. Allerdings glaube ich, dass die ganze Mannschaft heute für Mark gefahren ist. Es war bemerkenswert. Er fehlt uns im Team, während der Fahrt, beim Abendessen, und ich denke immer noch, dass sein Abschied unter diesen Umständen eine Schande ist. Wenn es um das Grüne Trikot geht, sollte man niemals nie sagen, aber ich habe es in der ersten Woche verloren. Es war nie wirklich mein Ziel. Unter dem Strich will ich Radrennen gewinnen. Ich sage immer: ‘Wenn ich das Grüne Trikot durch Rennerfolge gewinne, ist das in Ordnung.’ Wir werden auch in Paris unser Bestes geben und sehen, was dabei herausspringt.“
Noch liege ich in Front, aber wer weiß, ob dem morgen auch noch so ist. Bei einem dreiwöchigen Rennen kann sich alles im letzten Moment entscheiden. Heute fühle ich mich körperlich sehr gut, aber das kann sich von einem Tag auf den anderen ändern.
Das war heute eine heikle Angelegenheit, denn in diesen letzten Tagen hat man die Zielankunft praktisch schon vor Augen und auch die damit verbundene Aufregung. Glücklicherweise habe ich ein Team, das sich den ganzen Tag um mich gekümmert hat, und es hat gut geklappt. Aber auf den letzten beiden Kilometern war das Tempo sehr hoch, und ich fühlte mich nicht ganz wohl in meiner Haut.
Morgen ist das Gelände flach, und es geht durch die Weingegend. Während der gesamten Streckendauer geht man nicht ein einziges Mal aus dem Sattel. Natürlich trete ich an, um mich zu verausgaben, und nicht nur um mich an den Zeiten von Andy zu orientieren. Ich hoffe auch, die Etappe zu gewinnen.
1. Mark Cavendish (GBR) THR 2. Julian Dean (NZL) GRM 3. Alessandro Petacchi (ITA) LAM 4. Robbie McEwen (AUS) KAT 5. Oscar Freire (ESP) RAB 6. Edvald Boasson Hagen (NOR) SKY 7. Jurgen Roelandts (BEL) OLO 8. Jose Joaquin Rojas (ESP) GCE 9. Grega Bole (SLO) LAM 10. Ruben Perez (ESP) EUS
Alessandro Petacchi zog genau dann an, als Lancaster seinen Kollegen Hushovd lancierte. Der Italiener zog nach links, woraufhin Cavendish den Turbo zündete. Der Mann von HTC-Columbia hat einfach die besten Sprinterbeine der Tour. Es ist sein vierter Tageserfolg in diesem Jahr und sein 14. Etappensieg in vier Tour-Teilnahmen.
Etappensieg Nummer 14 für Cav, der seine Mannschaft für ihre harte Arbeit belohnt. Der Brite schlägt Julian Dean und Alessandro Petacchi.
Cavendish kann niemand folgen, Petacchi versucht es trotzdem...
Jetzt geht es um alles...