
Revel
196 km
Sonnabend 17 Juli
Nachdem er in Mende knapp am Sieg vorbeigestreift ist, hat Alexander Winokurov nicht lange gewartet, um die nächste sich bietende Gelegenheit beim Schopf zu ergreifen. Diesmal hat der Kasache sein Glück nicht versucht, indem er bei der Ausreißergruppe des Tages mitgewirkt hat, sondern die der letzte Schwierigkeit des Tages genutzt, die Côte de Saint-Ferréol, deren Gipfel 7,5 km vor dem Ziel lag. « Wino » hat damit die Pläne der Sprintermannschaften durchkreuzt, die den ganzen Tag lang die Nachführarbeit hinter Flecha, Fédrigo und Chavanel übernommen hatten. Team Lampre kann am Ziel dennoch zufrieden sein, da Petacchi, der den Sprint des Pelotons hinter Cavendish beendet, Thor Hushovd das Grüne Trikot wieder abnimmt.
Aufgabe von Taaramae
Der Tag hat mit einem Sturz von Lance Armstrong begonnen, während das Peloton vor dem realen Start noch auf den Straßen von Rodez in der Parade fuhr. Gleich nach dem Beginn des eigentlichen Renngeschehens haben sich sogleich die Ausreißer gezeigt, und drei von ihnen konnten sich bei km 4 erfolgreich absetzen. Juan-Antonio Flecha (SKY), Sylvain Chavanel (QST) und Pierrick Fédrigo (BTL) gelang es, einen Vorsprung von bis zu 6’ bei km 24 herausarbeiten. Derweil hat Rein Taaramae (COF) das Rennen wegen anhaltender Schmerzen an der Achillessehne aufgeben müssen.
Die Ausreißer an der Leine
Das Führungstrio unterstand danach der Kontrolle durch das Hauptfeld, das kein Geheimnis um seine Absichten gemacht hat, denn die Teams HTC-Columbia und Lampre haben ein regelmäßiges Tempo vorgegeben, um die Nachführarbeit vorzubereiten: 4’40’’ Abstand bei km 59 ; 4’10’’ bei km 111. Das näherrückende Peloton ließ keinerlei Zweifel am Schicksal der Ausreißergruppe, die 30 km vor dem Ziel nur noch 35’’ Vorsprung aufwies. Flecha, Fédrigo und Chavanel wurden bis zur Anzeige der letzten 10 km in dieser unkomfortablen Situation belassen, bis sie dann letztlich vom Hauptfeld geschluckt wurden.
Grünes Trikot für Petacchi
Soweit schien das Szenario zur Vorbereitung einer Massenankunft im Sprint aufzugehen. Doch die Côte de Saint-Ferréol wurde dann ihrem Ruf als Sprungbrett für die Puncher gerecht. Alessandro Ballan versuchte als Erster, diesen ideal gelegenen « Buckel » zu nutzen, indem er 9 km vor dem Ziel eine Attacke gestartet hat. Doch die Reaktion von Alexander Winokurov einen Kilometer weiter erwies sich als entschlossener und nachhaltiger. 5 km vor dem Ziel setzte Wino nach dem Erreichen des Gipfels seine Anstrengungen fort, trotz der Initiative von Voeckler, der 8“ zurücklag. 2 km vor dem Ziel widerstand der Kasache der Rückkehr des Pelotons, das immer noch 12“ zurücklag. Er beendete seinen Alleingang mit 13“ Vorsprung auf das Hauptfeld, in dem Cavendish den Sprint um den 2. Platz für sich entschieden hat. Petacchi konnte als Etappendritter Thor Hushov das Grüne Trikot wieder abnehmen.
„Beim Ausreißversuch haben wir uns einfach auf die zu verrichtende Arbeit konzentriert. Wenn man in einer Ausreißergruppe mitfährt, weiß man, dass es möglich ist. Und man muss unbedingt Hoffnung haben, sonst ist es ausgeschlossen, dass man noch weiter kämpfen kann. Wichtig ist, es versucht zu haben, und hart. Ich würde heute nicht von einer Enttäuschung sprechen. Gestern war das der Fall, denn es gab eine schöne Etappe, eine große Ausreißergruppe, und keiner von unserem Team war dabei.“
„Morgen wird es bestimmt sehr schwierig werden. Doch ich muss versuchen, bei einem Ausreißversuch dabei zu sein, wenn ich dieses Gepunktete Trikot behalten will. In Avoriaz habe ich gesehen, dass ich unter den ersten 20 ankommen kann, also muss es mir gelingen, dies erneut zu schaffen, um ein Maximum an Punkten bei den Gipfelankünften zu sammeln.
Die Verteidigung dieses Trikots hat mir schon viel Energie abverlangt, doch die Mannschaft hat mir dabei geholfen. Körperlich bin ich nicht weit von der Zerreißprobe entfernt, doch ich habe den Eindruck, noch genug in den Beinen zu haben, um gut über die Pyrenäen zu kommen.“
„Wir hatten heute nicht viel Arbeit, außer mich vor Problemen und dem Wind zu schützen. Aber sie haben einen ruhigen Tag verbringen können, denn in den kommenden Tagen wird richtig viel los sein.
Morgen wird es natürlich sehr schwierig, aber ich habe darauf hin trainiert, und ich brenne darauf, diese Berge zu erklimmen.
Gestern war ein Tag für Alberto, und heute hat Winokurov angegriffen, um sich einen Sieg zu holen. Morgen ist es nicht nur für ihn… es ist für Alberto, für mich und für andere. Ich bin nicht sicher, ob ich gleich morgen schon angreifen werde. Aber wenn ich mich wohlfühle, dann ja.“
„Gestern war Alberto sowohl für sich als auch für mich enttäuscht. Wir hatten eine Möglichkeit, die Etappe in Mende zu gewinnen, und dazu ist es nicht gekommen. Doch heute ist der Sieg da, und genau zum richtigen Zeitpunkt für die Moral im Team, bevor es in die Pyrenäen geht, wo wir das Gelbe Trikot für Alberto erobern müssen. Wir haben vier schwere Tage zu überstehen, aber es herrscht große Zuversicht in der Mannschaft. Ich habe sehr gute Beine, und wir sind sehr motiviert. Man kann sagen, dass dies für mich die letzte Gelegenheit war, um eine Etappe zu gewinnen, denn wenn du im Gebirge 100 % für deinen Kapitän geben willst, ist es unmöglich, einen Sieg zu erringen. Ich war müde, aber nicht im Kopf. Ich hatte keinen Angriff geplant, aber ich kannte diesen Buckel sehr gut, und als ich gesehen habe, wie die anderen das Tempo erhöhten, insbesondere Ballan, habe ich mir gesagt, dass ich auch mitgehen kann. Danach ist Luis Leon Sanchez losgefahren, ich habe mich sofort an sein Hinterrad gehängt und dann gekontert.
Für mich war der Start bei der Tour de France schon ein Sieg. Und während der letzten beiden Tage habe ich viel Unterstützung von den Zuschauern bekommen. Diese hier gewonnene Etappe ist einer der schönsten Tage meiner Laufbahn.
Als Garantie meines Wandels, und wie ich auch schon nach Lüttich-Bastogne-Lüttich gesagt habe, sage ich auch hier, dass Wino wieder da ist. Das ist der neue Wino. Und ich denke, dass jeder das verstehen kann. Ich muss meine Popularität in Frankreich wiedergewinnen, und ich denke, dass ein Sieg bei der Tour mir dabei helfen kann. Aber ich will nicht mehr von 2007 reden.“
Mark Cavendish war deutlich der schnellste Sprinter, doch ein vierter Etappensieg bei der Tour 2010 blieb ihm zunächst versagt. Die Top 10 der 13. Etappe:
1. Alexandre Winokurov (KAZ) AST
2. Mark Cavendish (GBR) THR 13" zurück
3. Alessandro Petacchi (ITA) LAM 13"
4. Edvald Boasson Hagen (NOR) SKY 13"
5. Jose Joaquim Rojas (ESP) GCE 13"
6. Julian Dean (NZL) GRM 13"
7. Anthony Geslin (FRA) FDJ 13"
8. Thor Hushovd (NOR) CTT 13"
9. Grega Bole (SLO) LAM 13"
10. Lloyd Mondory (FRA) ALM 13"
Alexander Winokurov hat nun offiziell vier Etappen bei der Tour de France gewonnen. Er siegte 2003 in Gap und sicherte sich zwei Etappensiege in 2005. Nun hat er sich erneut in die Siegerliste eingetragen, bei seiner ersten Tour seit seiner Rückkehr aus der erzwungenen Dopingpause von 2007...
Winokurov erringt den Sieg bei der 13. Etappe für die Astana-Mannschaft, mit 15" Vorsprung auf das Peloton...
Tja, dumm gelaufen, liebe Sprinter, doch heute wird es nicht klappen. Winokurov wird die Etappe gewinnen. Er hat 1 km vor dem Ziel einen Vorsprung von 20"...
Nachdem er den Preis für den grössten Kampfgeist bei der 12. Etappe gewonnen hat, wird Alexander Winokurov bei 1 km bis zum Ziel wohl auch seine erste ’echte’ Etappe seit der Tour 2003 gewinnen...