
Mende
210.5 km
Freitag 16 Juli
An der Côte de la Croix-Neuve hat sich ein erstklassiger Puncher durchgesetzt, Joaquin Rodriguez, dem es gelungen ist, seine Chance zu ergreifen und Alberto Contador auf einem Anstieg zu schlagen, den der Kapitän vom Team Astana zuvor noch zwei Mal bei Paris-Nizza gemeistert hatte (2007, 2010). Eine imposante Ausreißergruppe hat das Rennen im Tagesverlauf geprägt und es Anthony Charteau ermöglicht, das Gepunktete Trikot zurückzuerobern, und Thor Hushovd, das Grüne Trikot wieder überzustreifen. Aber auch Alexander Winokurov, der letzte Vertreter der Ausreißer, konnte sich der Rückkehr der Favoritengruppe im finalen Anstieg nicht entgegenstemmen. In der Reaktion auf eine Offensive von Rodriguez hat Contador seinen Titelrivalen Andy Schleck abgehängt, dem er in der Gesamtwertung 10“ abgenommen hat. Das Duell der letzten 100 Meter konnte Rodriguez für sich entscheiden, indem er die Situation beim Sprint optimal genutzt hat.
Es kann nicht jeder schaffen
Fabian Wegmann (MRM) und Lars Boom (RAB) haben als erste Fahrer attackiert, doch nicht jeder schafft es, bei einer Ausreißergruppe dabei zu sein. Zwei Trios haben danach versucht, sich abzusetzen, doch Hesjedal (GRM), Fédrigo (BTL) und Costa (GCE) haben es bei ihrer Attacke in der Côte de Saint-Barthélémy nicht viel weiter geschafft, genau wie Chavanel (QST), Vaugrenard (FDJ) und Fédrigo (BTL), die bei km 50 nach 8 km an der Spitze wieder gestellt wurden.
Charteau auf der Jagd nach… dem Gepunkteten…
Im Anstieg zum Col de Nonières hat Sandy Casar das Peloton durchgerüttelt, konnte sich jedoch nicht weiter absetzen. Im letzten Teil konnte sich jedoch eine Gruppe von 18 Fahren absetzen, mit Winokurov (AST), Hesjedal (GRM), Casar (FDJ), Hushovd (CTT), Aerts (OLO), Sivtsov (THR), Santambrogio (BMC), Barredo (QST), Charteau (BTL), Kiryienka, Perget (GCE), Kern, Moinard, Pauriol (COF), Verdugo (EUS) und Valls Ferri (FOT). Beim Erreichen des Passes konnte Anthony Charteau das Gepunktete Trikot von Jérôme Pineau zurückerobern, der es, beeinträchtigt und gebremst durch einen Sturz, nicht verteidigen konnte.
… und Hushovd sichert sich die Punkte für das Grüne
Etwa fünfzehn Kilometer später wurde ein anderes Fernduell zwischen Hushovd und Petacchi ausgetragen. Der Norweger hat versucht, die Wertungslinie des Zwischenspurts als Erster zu erreichen, doch Grega Bole, ein Teamgefährte des Italieners, kam ihm dabei zuvor und macht ihm die volle Punktzahl abspenstig. Mit 4 Punkten konnte Hushovd dennoch mit seinem Rivalen gleichziehen. Hinter den Ausreißern haben sich die Teamgefährten von Andy Schleck darum gekümmert, den Rückstand unter Kontrolle zu halten (2’20’’ bei der Verpflegung, km 97), unterstützt in dieser Aufgabe von den Lampre-Fahrern, die ihren Träger des Grünen Trikots zur Wertungslinie des zweiten Zwischensprints (km 158,5) führen wollten. Das Unterfangen sollte nicht gelingen, und Hushovd konnte seinen Plan umsetzen und die 6 Punkte in Langogne einheimsen.
Ein Quartett vorne
50 km vor dem Ziel leitete Klöden eine Offensive ein und splitterte damit die imposante Ausreißergruppe auf. Nur Winokurov, Hesjedal und Kiryienka konnten noch mithalten, die Zusammenarbeit funktionierte gut. Doch ihre ehemaligen Mitausreißer gaben sich noch nicht geschlagen : 15 km vor dem Ziel betrug der Abstand nur 22’’, während das Peloton bis auf 1’40’’ heranrückte, insbesondere von Cervélo und Liquigas angeführt.
Andy Schleck abgehängt
Die Situation sollte dann am Fuße der Côte de la Croix-Neuve komplizierter werden, wo Hesjedal schon auf den ersten Metern des steilen Anstiegs abgehängt wurde, kurz danach auch Klöden. Weiter hinten nahm das Hauptfeld den Anstieg mit 45“ Rückstand in Angriff. Gadret sollte die ‚Kampfhandlungen‘ 4 km vor dem Ziel einleiten und das Ausscheidungsrennen in der Hauptgruppe herbeiführen, wo sich Van den Broecke, Evans, und auch Kreuziger in Position brachten. Derweil setzte Winokurov den Ausreißversuch auf den letzten 3 Kilometern noch alleine fort und versuchte, an den letzten zwanzig Sekunden Vorsprung festzuhalten. Joachin Rodriguez attackierte 2 km vor dem Gipfel. Alberto Contador reagierte umgehend und distanzierte dabei Andy Schleck. Das Duo Contador-Rodriguez schloss am Gipfel des Anstiegs zu Wino auf. Auf den letzten 2 Kilometern bis zum Flugplatz ließ Rodriguez seinen Landsmann das Tempo vorgeben. Er war für diesen Sprint zu zweit besser positioniert und überholte Contador weniger als 100 Meter vor der Ziellinie, um seinen ersten Etappensieg bei der Tour de France zu erringen. Andy Schleck, der das Ziel mit 10“ Rückstand erreichte, behielt somit das Gelbe Trikot.
„Ich erinnere mich an diesen Anstieg seit der Tour 2005, und ich hatte hier beim Grand Prix du Midi Libre zu Beginn meiner Karriere gewonnen. Dieser Anstieg ist ein kleiner Teil der Strecke, ich glaube aber, dass er eine gute Gelegenheit geboten hat, um Andy Schleck ein wenig Zeit abzunehmen.
Es ist ein wenig enttäuschend, die Etappe nicht zu gewinnen, aber nochmals, es ist ein gutes Ergebnis für Alberto in der Gesamtwertung. Es stehen aber noch viele Etappen an, und ich habe absolutes Vertrauen in Alberto.“
„Die größte Bedrohung für das Grüne Trikot ist Alessandro Petacchi, weil er in der Wertung sehr nahe ist, aber Cavendish ist natürlich sehr schnell, ich würde sogar sagen, der schnellste von uns allen. Er liegt etwasweiter zurück, aber ich erwarte noch einen tollen Kampf bis Paris.
Heute Morgen, als es gleich mit Tempo losging, habe ich mich wohl gefühlt. Ich war stark genug, um die ersten Anstiege zu überstehen und bei der Ausreißergruppe dabei zu sein. Danach habe ich versucht, um alle Punkte zu kämpfen. Und ich bin froh, deren 10 gewonnen zu haben, das ist viel mehr, als ich mir gestern Abend erträumt hätte.“
„Mein Verhältnis zu Alberto ist prima. Wir kennen uns sehr gut, weil wir 2003 zusammen für 0nce gefahren sind, und er ist auch mit meinem kleinen Bruder gefahren. Im heutigen Finale aber war keine Einigung möglich. Ich war zudem sehr zuversichtlich, weil ich weiß, dass mein Top Speed besser ist als seiner.
Meine Ziele zu Beginn der Tour waren überaus klar: Ich wollte eine Etappe gewinnen UND die bestmögliche Position in der Gesamtwertung erobern. Ich bin froh, heute feststellen zu können, dass die beiden Zielen zusammenfließen. Ich habe einen Etappensieg und eine überaus korrekte Position in der Gesamtwertung.
Im Hinblick auf den Titelkampf zwischen Contador und Schleck habe ich den Eindruck, dass die anstehenden Etappen dem günstigsten Teil für Alberto entsprechen. Ich glaube zudem, dass Andy Schleck im ersten Teil der Tour schon viel Energie verbraucht hat. Meines Erachtens hat er bessere Aussichten auf den Gesamtsieg.“
„Heute Morgen habe ich erwartet, einige Sekunden auf Alberto zu verlieren, denn ich mag diesen Anstieg wirklich nicht. Er steht auf meiner schwarzen Liste. Er ist sehr kurz und lässt einem keine Zeit, einen Rhythmus zu finden, aber er ist nicht wirklich an mir vorbeigefahren. Am Fuße des Anstiegs habe ich versucht, ein wenig mit ihm zu spielen, er ist aber hinter mir geblieben. Und danach hat er zum richtigen Zeitpunkt angegriffen, und ich konnte ihm nicht folgen. Ich bin einfach ruhig geblieben und habe mir gesagt: ‚Ok, auf dem steilsten Teil werde ich mein Tempo fahren‘, und danach habe ich versucht, den Rhythmus nach dem Gipfel wieder zu erhöhen. Am Ende hat er nur 10“ gewonnen, d.h. denselben Zeitunterschied wie ich in Morzine-Avoriaz. Von dieser Etappe ist keine weitere Erkenntnis abzuleiten, ich hätte es nicht anders machen können.
Das Rennen hat heute Morgen schnell begonnen, und in der Ausreißergruppe gab es Fahrer, die in der Gesamtwertung gut platziert waren. Aber ich habe meiner Mannschaft gesagt: ‚Wir werden fahren und den Abstand akzeptabel halten, aber die Fahrer, die vorne fahren, sind auch diejenigen, denen ich in den Pyrenäen Zeit abnehmen werde.‘ Wenn ich also das Gelbe Trikot verlieren sollte, wäre das kein großes Problem, mein einziges Ziel besteht nämlich darin, es in Paris zu haben.“
Der finale Anstieg war erwartungsgemäß dramatisch. Das Gelbe Trikot konnte bei der Tempoerhöhung von Contador nicht mithalten, den Zeitverlust jedoch begrenzen… Die Top 10 der 12. Etappe sind:
1. Rodriguez (ESP) KAT – 210,5km in 4h58’26" (42,3km/h)
2. Contador (ESP) AST in gleicher Zeit
3. Vinokourov (KAZ) AST 4" zurück
4. Van den Broeck (BEL) OLO 10"
5. Schleck (LUX) SAX 10"
6. Sanchez (ESP) EUS 10"
7. Kloden (GER) RSH 10"
8. Menchov (RUS) RAB 10"
9. Gesink (NED) RAB 15"
10. Kreuziger (CZE) LIQ 15"
Andy Schleck hat die Etappe als Fünfter beendet und dabei nur 10 Sekunden auf Contador eingebüsst. Der Luxemburger wird morgen wieder in Gelb fahren...
Joaquim Rodriguez hat seine erste Etappe bei der Tour de France gewonnen. Er ist Contador auf dem letzten Kilometer gefolgt und hat ihn dann auf den letzten 150 Metern attackiert, um den Etappensieg zu erringen...
Contador und Rodriguez werden den Sprint um den Etappensieg austragen. Sie fahren schon auf dem letzten Kilometer und haben einen Vorsprung von 11" auf Schleck, Van Den Broeck, Sanchez...