
Bourg-lès-Valence
184.5 km
Donnerstag 15 Juli
Die drei Ausreißer des Tages, die die Stastistiken widerlegen wollten, mussten sich doch dem Gesetz der Flachetappen fügen, die zumeist von den Mannschaften der Sprinter kontrolliert werden. Die Teamgefährten von Cavendish sind gemäß ihrem taktischen Schema gefahren und haben dem Peloton einen regelmäßigen Rhythmus auferlegt, um dann auf den letzten Kilometern ihren Zug zu starten. Dessen letzter Vordermann im Zug, Mark Renshaw, hat sich dem Risiko ausgesetzt, von den Rennkommissaren für seine harte Gangart beim Öffnen einer Spur auf den letzten 500 Metern sanktioniert zu werden. Auf den letzten 300 Metern konnte dann der frei fahrende Cavendish erneut zu seinem unwiderstehlichen Tempovorstoß ausholen und seine dritte Etappe bei der diesjährigen Tour gewinnen. Petacchi konnte als Etappenzweiter das Grüne Trikot erobern.
Umgehende Billigung durch das Peloton
Gleich auf dem ersten Kilometer des Rennens hat Stéphane Augé (COF) einen Tempovorstoß unternommen, gefolgt von Anthony Geslin (FDJ) und Jose Benitez (FOT). Die Billigung des Pelotons war umgehend: bei km 2 hatten sie bereits 1’40’’ Vorsprung. Die Mannschaften der Sprinter haben jedoch schon bald ihre Absicht kundgetan, das Rennen zu kontrollieren, und dem Führungstrio nur eine relative Freiheit gewährt. Ihren maximalen Vorsprung von 5‘05“ erreichten sie bei km 47.
Pineau und dann Präzisionsarbeit
Der nach der Passage der Ausreißergruppe noch verbleibende letzte Punkt für die Bergwertung hat sogleich Pineau und Charteau auf den Plan gerufen, die in dem Klassement eben auch ein Punkt trennte. Der Fahrer vom Team Quick Step konnte sich wie am Vortag bei diesem Duell durchsetzen und das Gepunktete Trikot verteidigen. Die Nachführarbeit wurde danach vom Peloton mit Präzision ausgeführt, das darüber wachte, dass der Abstand um die zwei Minuten blieb.
Perget 41 km vor dem Ziel
Mathieu Perget (GCE) durchkreuzte dann noch einmal die Pläne der Sprintermannschaften mit einem Tempovorstoß 41 km vor dem Ziel. Er provozierte dadurch eine zeitweilige Beschleunigung, die das Peloton abrupt auf 45“ heranrücken ließ. Mit dem Gefühl des Hauptfeldes im Nacken startete Jose Benitez zwei Attacken, 31 km und dann 27 km vor dem Ziel. Anthony Geslin gab daraufhin auf und ließ seine beiden Weggefährten ziehen. Doch vier Kilometer weiter richteten sich auch die verbliebenen Ausreißer auf.
Saxo Bank zog das Peloton auseinander
Nach HTC-Columbia gab die Saxo Bank das Tempo vor und zog das Peloton auseinander. Trotz dieser Beschleunigung leitete Sylvain Chavanel 8 km vor der Ziellinie noch einmal eine Offensive ein. Doch der Franzose sollte – gemeinsam mit Popowitsch – nur 2 km an der Spitze bleiben. Danach begannen die großen Verschiebungen zur Vorbereitung des Sprints. Der Zug vom Team Columbia wurde daraufhin von den schnellsten Lokomotiven angezogen. Auf den letzten 500 Metern setzte Mark Renshaw Kopf und Schultern ein, um sich Platz zu verschaffen und seinen Sprintkapitän in die bestmögliche Situation zu bringen. 300 m vor der Ziellinie setzte Cavendish zu seinem finalen Spurt an und ließ sich auch nicht mehr von den heranrückenden Petacchi und Farrar einholen. Der Italiener wurde Zweiter und konnte dadurch Hushovd, der in Bourg-lès-Valence 7. wurde, das Grüne Trikot abspenstig machen.
“Ich habe soeben von der Disqualifizierung von Mark Renshaw erfahren, und ich kann es nicht glauben. Und Farrar? Der darf im Rennen bleiben? Ich verstehe es nicht. Neulich haben wir einen Fahrer gesehen, der einem anderen mit einem Rad in der Hand nachgerannt ist! Heute hat es keine solche Aggression gegeben. Farrar ist rangefahren und hat Renshaw in die Barrieren gedrängt, er musste sich also wehren, er hatte keine Wahl.
Ich glaube zwar nicht, dass Cavendish ohne Renshaw gewinnen kann, aber wir werden sehen.“
“Sobald die Saxo-Jungs im Peloton nach vorne fahren, herrscht immer Panik. Aber ich übernehme lieber die Führung des Rennens und fahre vorne weg, statt hinten eingeschlossen zu werden, wenn es einen Querwind gibt. Ich sagte bloß: ‚Ok, jetzt legen wir los…‘, und 15 km vor dem Ziel haben wir alles gegeben. Es ging nicht darum, das Peloton aufzusplittern, wir wollten bloß in der schwierigen Abfahrt zum Zielort Probleme vermeiden.
Die morgige Etappe endet mit einem harten Anstieg, und ich werde vorne dabei sein und versuchen, etwas zusätzliche Zeit zu gewinnen. Wer weiß, wenn es die Gelegenheit gibt, eine weitere Etappe zu gewinnen, dann werde ich das versuchen. Ich glaube, dass Contador angreifen wird, doch ich denke, dass ich in diesem Anstieg mit ihm kämpfen kann. Die Côte de Mende liegt mir, und ich glaube, es gibt die Möglichkeit, einen Unterschied zu machen. Wenn ich immer noch die Kraft habe, die ich vor ein paar Tagen hatte, kann das klappen – oder zumindest keine Zeit verlieren und vielleicht sogar Zeit gewinnen und die Etappe gewinnen. Und das Gelbe Trikot? Nun, ich muss es behalten. Da gibt es keine andere Option.
Ich habe heute nicht viel Energie verbraucht, die Mannschaft hat mich gut unterstützt.“
„Das war ein sehr schneller Sprint heute. Auf den letzten fünf Kilometern lagen wir beständig über 60 km/h. Der Sprint war gefährlich, weil ich auf dem letzen Kilometer nicht gut positioniert war, doch mein Team – und insbesondere Hondo – hat gute Arbeit geleistet, damit ich mich beim Sprint neupositionieren konnte. Doch Mark hat gleichzeitig mit mir angezogen, und es war extrem schwierig, zu ihm aufzuschließen.
Ich bin sehr froh, dieses Grüne Trikot zu haben. Ich werde es nicht machen wie 2003 und die Tour mit dem Grünen Trikot verlassen, denn das habe ich bedauert. Es gibt vielleicht Möglichkeiten, Sprintankünfte bei der Tour zu gewinnen, aber man muss auch bei den Zwischensprints dabei sein. Hushovd und McEwen wollen dieses Trikot auch, und ich glaube, dass Cavendish so allmählich auch ein interessantes Punktekonto aufbaut, es wird also schwierig“.
„Es tut gut, weiter zu gewinnen. Ich habe eine Gruppe von Fahrern um mich, die sich vollends für mich einsetzen, und ich muss allen dafür danken. Michael Rogers, der gerade die Alpen überwunden hat, übernimmt jetzt gewaltige Runden in der Führungsarbeit. Ich bin total happy.
Heute habe ich ein bisschen früher angezogen, vielleicht 350 m von der Ziellinie statt der gewöhnlichen 200-250 m. Das war sehr lange.
Mark hat mit Julian Dean gekämpft, um mir die Tür zu öffnen und es mir zu ermöglichen loszulegen. Ich glaube, Julian hat seinen Ellbogen eingesetzt, und wenn Mark ihn nicht zurückgedrängt hätte, wären sie vielleicht alle beide gestürzt. Er hat einfach nur alles getan, was er konnte, um Probleme von mir abzuwenden. Ich habe Glück, einen fähigen Mann zu haben, der für mich ans Limit geht. Er hat sein Rad auf unglaubliche Weise unter Kontrolle, und es ist ein großes Privileg, seinem Hinterrad bis zum Ziel zu folgen und sich dann in idealer Position wiederzufinden.
Im Hinblick auf das Grüne Trikot war die erste Woche überaus schwierig. Ich habe viele Chancen zum Punktesammeln verstreichen lassen, teilweise durch meine eigene Schuld bei der Etappe von Arenberg. Und am nächsten Tag hatte ich nicht die Beine, um den Sprint auszutragen. Jetzt konzentriere ich mich auf die Etappensiege. Wenn das Grüne Trikot mit dazukommt, umso besser, aber es wird ein großer Kampf.“
„Ich habe überhaupt nicht den Eindruck gehabt, einen ruhigen Tag verlebt zu haben. Um den verbleibenden Punkt am Col de Cabre zu holen, habe ich wirklich kämpfen müssen, genau wie mehrere Teamgefährten. Es war ein schwieriger Sprint, aber diesen Punkt musste ich unbedingt haben. Jetzt wird das Duell mit Anthony Charteau weitergehen, gleich morgen schon. Ich nähere mich so langsam den 100 Punkten, aber wir wissen beide, dass zur Eroberung des Gepunkteten Trikots etwa 140 Punkte erforderlich sein werden. Das bedeutet, dass man eine der Etappen in den Pyrenäen vorne beenden muss, um dorthin zu gelangen.“
Mit seinem heutigen zweiten Platz hat Alessandro Petacchi die Führung in der Punktewertung übernommen. Er hat jetzt 161 Punkte, vier mehr als der vorangehende Punktbeste, Thor Hushovd.
Nach der 11. Etappe wird sich nichts in der Gesamtwertung ändern.
Die Top 10 der Zielankunft in Bourg-lès-Valence:
1. Mark Cavendish (GBR) THR - 184.5km in 4h42’29"
2. Alessandro Petacchi (ITA) LAM
3. Tyler Farrar (USA) GRM
4. Jose Joaquim Rojas (ESP) GCE
5. Robbie McEwen (AUS) KAT
6. Yukiya Arashiro (JPN) BTL
7. Thor Hushovd (NOR) CTT
8. Lloyd Mondory (FRA) ALM
9. Jurgen Roelandts (BEL) OLO
10. Gerald Ciolek (GER) MRM
Renshaws Kopfstösse gingen nicht an Farrar, sondern an den Führungsmann des Amerikaners, Julien Dean
Der letzte Führungsmann für Cavendish - Mark Renshaw - hat Farrar drei Mal einen Kopfstoss versetzt, bevor der eigentliche Sprint begonnen hat... doch der Amerikaner hat doch noch den 3. Platz erkämpft
Cavendish schlägt Petacchi und Farrar und erobert den Sieg bei der 11. Etappe