
Gap
179 km
Mittwoch 14 Juli
Die Straße nach Gap, die zuweilen auch ‘Route Napoléon’ genannt wird und auf der es auch eine Armstrong-Passage gibt, wurde von Sergio Paulinho dominiert, zum Ende eines Ausreißversuchs, an dem letztlich sechs Fahrer beteiligt waren. Im Finale hat der olympische Medaillengewinner von Athen nur mit Wassily Kiriyenka zu kämpfen gehabt, um seinen ersten Etappensieg bei der Tour de France zu erringen. Der Sprint zu zweit wurde auf dem letzten Kilometer ausgetragen: Paulinho war taktisch klüger und stark genug auf den letzten 300 Metern, um sich letztlich um eine Viertelradlänge durchzusetzen.
Petacchi startet durch
Die Kandidaten für einen Ausreißversuch waren zu Beginn dieser Etappe überaus zahlreich, durcheinander geworfen wurde das Ganze durch die Stürze von Robbie Hunter (GRM) und dann Yaroslav Popowitsch (RSH). Das hohe Tempo hat es den Sprintern ermöglicht, im Kampf um das Grüne Trikot ein erstes Kraftmessen beim Sprint von La Buissière (km 19,5) zu veranstalten. Petacchi (LAM) lag dabei vor Hushovd (CTT) und McEwen (KAT), wodurch er 2 Punkte in der Wertung für das Grüne Trikot zurückgewinnen konnte.
Bouet und Rolland im Konter
Die Frage der Bildung einer Ausreißergruppe blieb damit weiter offen: eine kurze Ausfahrt von Oss (LIQ), Roy (FDJ), Martin (THR) und Perez Arrieta (FOT) an der Spitze konnte das Peloton noch nicht überzeugen, es reagierte auch postwendend bei km 26. Danach leitete Aerts (OLO) bei km 36 einen Tempovorstoß ein, gefolgt von Paulinho (RSH), Devenyns (QST) und Kiryienka (GCE). Diese Ausreißergruppe schien dem Peloton genehm zu sein, außer natürlich den französischen Mannschaften, die an ihrem Nationalfeiertag nicht repräsentiert waren. Ein Kompromiss schien mit dem Gegenangriff von Bouet (ALM) und Rolland (BTL) gefunden worden zu sein. Die beiden Franzosen konnten bei km 66 zur Führungsgruppe aufschließen.
Wertvolle Punkte für Pineau
Die sechs führenden Fahrer konnten sich danach mit relativer Freiheit vorarbeiten. Am Gipfel der Côte de Laffrey hatten sie ihren Vorsprung auf das Peloton auf 8’20’’ ausgebaut, während Pineau und Charteau sich um die letzten zu vergebenden Punkte duellierten. Dieses Sprintduell konnte der Quick Step-Fahrer für sich entscheiden und dadurch das am Vorabend abgetretene Bergtrikot zurückerobern.
Bouet zeitweilig abgehängt
Die Ausreißer konnten ihre Ausfahrt in aller Ruhe fortsetzen, der Vorsprung lag am Gipfel der Côte des Terrasses bereits bei 10’40“. Team Saxo Bank und das Peloton insgesamt hatten den Etappensieg mittlerweile abgeschrieben und ließen den Rückstand noch weiter ansteigen, 11‘25“ bei km 120. Der Anstieg zum Col du Noyer wurde innerhalb der Führungsgruppe nicht genutzt. Auch wenn Maxime Bouet zeitweilig abgehängt wurde, nahmen die sechs Ausreißer die Abfahrt doch gemeinsam in Angriff, ohne im Entferntesten von einer Rückkehr des Pelotons gefährdet zu sein. Ihr Vorsprung war bis zum Zwischensprint in La Fare-en-Champsaur noch weiter angestiegen: 12 Minuten.
Ein Sprint zu zweit, ein Sprint für das Peloton
Mario Aerts leitete 15 km vor dem Ziel einen ersten Angriff ein, letztlich aber sollte sich – mit Paulinho und Kiriyenka – ein Duo zum Finale von allen anderen absetzen. Die beiden konnten ihre ehemaligen Weggefährten recht mühelos abhängen und den Sieg dann auf dem letzten Kilometer unter sich ausmachen. Paulinho hatte sich am Hinterrad seines Rivalen festgesetzt und war dann 300 Meter vor dem Ziel ausgeschert, um das Tempo noch einmal zu erhöhen. Dieser Coup war genau berechnet, denn Kiriyenka scheiterte um eine Viertelradlänge am portugiesischen Fahrer. Dahinter war noch eine Abrechnung unter den Sprintern für das Grüne Trikot angesagt. Während sich Nicolas Roche und Rémi Pauril noch vom Peloton abgesetzt hatten, um in der Gesamtwertung ein wenig Zeit gutzumachen, gewann Cavendish vor Petacchi und Hushovd den Sprint um den 9. Platz.
„Das war ein eher ruhiger Tag, auch wenn es zu Beginn schnell zuging. Es war ein Tag für die Ausreißergruppen, dahinter haben wir es in aller Ruhe angehen lassen. Es gab ein wenig Wind, die Mannschaft hat daher arbeiten müssen, aber es war nicht allzu stressig. Ich hatte Zeit, meinen ersten Tag im Gelben Trikot zu genießen.
Es gab heute für mich kein Ziel. Ein Glück, denn ich hatte heute nicht meine besten Beine, und das war auch der Fall meiner Teamgefährten, für die es gestern eine schwere Fahrt war.“
„Als Mario Aerts eingeholt wurde und danach Devenyns angegriffen hat, habe ich beschlossen zu kontern. Danach war es ein Finale zu zweit mit Wassily Kiryienka. Es war ein hart umkämpfter Sprint, entscheidend ist aber zu gewinnen. Das ist ein großer Augenblick für mich und meine Mannschaft. Ich hoffe, dass wir in den kommenden Tagen noch weitere gewinnen können. Das Team ist zudem bei der Tour mit dem Ziel an den Start gegangen, die Mannschaftswertung zu gewinnen. Unsere Rivalen sind Caisse d’Epargne, Astana und Rabobank, und deshalb habe ich mich auch an die Ausreißergruppe angehängt. Wir bleiben im Rennen.
Für mich ist diese Etappe noch wichtiger als die Olympiamedaille. Das ist das schönste Rennen der Welt, und eine Etappe bei der Tour zu gewinnen ist das Beste, was ein Radsportler erreichen kann.“
„Gestern war ich sehr enttäuscht, weil die beim Ausreißversuch geleistete Arbeit nicht belohnt worden war. Ich liebe dieses Trikot, ich finde, es steht mir gut, und deswegen wollte ich es wiederhaben. Es hat nur einen Sprint gebraucht, um das zu schaffen.
In einer ersten Phase wollte ich versuchen, bei der Ausreißergruppe dabei zu sein, es war aber heute kein Etappenbeginn, der mir das ermöglicht hätte. Danach war ich froh, als ich gesehen habe, dass nach der Passage der Ausreißer am Gipfel der Côte de la Laffrey noch Punkte zu verteilen waren. Am Gipfel wussten wir beide, dass ich bei dieser Art von Anstieg der Schnellere von uns beiden sein würde. Es gibt keine Freunde auf dem Rennrad, das hindert aber nicht daran, respektvoll miteinander umzugehen. Deshalb haben wir uns die Hand geschüttelt.“
Cavendish hat das Peloton über die Ziellinie in Gap geführt, mit 14’19" Rückstand auf Paulinho - dies war der maximale Rückstand für das Peloton...
Beim einsetzenden Sprint ist noch zu berichten, dass Pauriol den achten Platz erobert hat
Roche wird sich zum Ende der Etappe ein wenig in der Gesamtwertung hocharbeiten. Er ist 7. der 10. Etappe, 12’57" hinter Paulinho
Roche hat entschieden, ein wenig Zeit zurückzugewinnen. Er hat auf den letzten 10 km attackiert und wird den siebten Platz erringen.
Es scheint, dass Roche, der das Peloton 10 km vor dem Ziel attackiert hat, wieder eingeholt wurde, doch jetzt jagt Pauriol einigen zusätzlichen Sekunden nach. Er hat sich vom Peloton abgesetzt, um den siebten Platz der Etappe zu erobern...