
Bruxelles
223.5 km
Sonntag 4 Juli
Von Rotterdam aus führt die erste Etappe der Tour nach Brüssel. Und warum? Um den 65. Geburtstag von Eddy Merckx und sein Vermächtnis an den Radsport zu feiern. Die Route führt via Antwerpen nach Belgien und durch Flandern. Das Ziel ist komplett flach und liegt in der Nähe des Roi-Baudouin-Stadions. Die Sprinter werden heute das Sagen haben, aber die Fahrer müssen sich vor dem Wind hüten, der von der See her hereinbläst. Er könnte das Feld auseinanderreißen und zur Bildung von Windstaffeln führen. Darauf müssen die Fahrer achtgeben.
Moderne Architektur von Rotterdam© Jan van der Ploeg
Rotterdam, die niederländische Architekturstadt schlechthin, hat mit seinen modernen und formbetonten Bauten einen Weltruf erlangt. Nach der verheerenden Bombardierung vom 14. Mai 1940, die das Stadtzentrum in Schutt und Asche legte, hatten Architekten und Städtebauplaner freie Hand, um dem Werk des Wiederaufbaus ihren modernen Stempel aufzudrücken. Als allererste Stadt Europas legte Rotterdam beispielsweise 1953 eine reine Fußgängerpassage an, die Lijnbaan. Noch im gleichen Jahr erfolgte der Bau des hypermodernen Groothandelsgebouw, bevor 1960 der Euromast feierlich eingeweiht wurde. Mit einem Wagemut ohnegleichen und Atem beraubender Technik verwandelt sich die Stadt und erstrahlt wie eine kosmopolitische Metropole mit beeindruckendem Profil. Die sehr rasch zum Stadtsymbol aufgestiegene Erasmusbrücke des Architekten Ben van Berkel, die Kunsthal von Rem Koolhaas und das KPN-Gebäude des italienischen Architekten Renzo Piano sind einige Beispiele für die Bauprojekte der letzten Jahrzehnte, die das entschieden dynamische und inspirierte Stadtbild Rotterdams geprägt haben.
Bahnhof Bruxelles-Luxembourg mit Europaparlament im Hintergrund© M. Vanhulst
Seit 1992 ist das auf eine tausendjährige Geschichte zurückblickende Brüssel die Hauptstadt Europas. In dem von den Brüsselern selbst als « europäisches Viertel » bezeichneten Stadtteil befinden sich sämtliche Institutionen und bedeutenden Gebäude. Das bekannteste und symbolträchtigste davon ist wohl das EU-Parlament. Wegen seiner ovalen Form hat ihm der Volksmund in Anlehnung an die Dosen der gleichnamigen Käsemarke den Beinamen « Caprice des Dieux » (dt. Laune der Götter) verpasst. Das europäische Leben pulsiert in diesem Viertel, in dem 40 000 Menschen arbeiten und in dem sich alle Sprachen auf dem Place du Luxembourg oder auf dem Markt des Place du Châtelain vermischen. Aber Brüssel begnügt sich nicht mit seinem Europastatus, sondern ist auch eine Stadt von internationalem Format. Hier findet man die größte Anzahl Diplomaten und Journalisten auf der ganzen Welt. Doch damit nicht genug: Rund 1.400 internationale (Nichtregierungs-) Organisationen sowie über 2.000 ausländische Unternehmen sind vor Ort angesiedelt. Darüber hinaus steht Brüssel 2010 mehr als üblich im europäischen Rampenlicht, da Belgien seit einigen Tagen, genauer gesagt seit dem 1. Juli, den rotierenden EU-Ratsvorsitz für eine sechsmonatige Dauer von Spanien übernommen hat.