
La Grande-Motte
196.5 km
Montag 6 Juli
Nachdem er bereits am Vortag eindrucksvoll seine Stärke unter Beweis gestellt hat, feierte Mark Cavendish in La Grande Motte seinen zweiten Etappensieg, wobei die Formation Columbia dem Teilstück ihren Stempel aufdrückte. Die Ausreißergruppe des Tages konnte sich in aller Ruhe absetzen, bis die Mitstreiter von Cavendish die Verfolgungsarbeit in die Hände nahmen. Die gesamte US-Mannschaft startete 30 Kilometer vor dem Ziel eine brutale Offensive. Durch den Bruch des Hauptfeldes gerieten insbesondere Favoriten wie Sastre, Evans, Contador oder Andy Schleck ins Hintertreffen. In der 27-köpfigen Spitzengruppe, der sich auch Cancellara und Armstrong anschließen konnten, ging das Finish logischerweise zu Gunsten von «Cav» aus, der den zweitplatzierten Thor Hushovd in Schach hielt.
Eine gravitätische Gangart
Die Hitze hat das Fahrerfeld der Tour erweicht, das die in zwei Phasen entstandene Ausreißergruppe des Tages völlig gleichgültig ziehen lässt. Samuël Dumoulin (COF) und Maxime Bouet (AGR) beschleunigen auf dem ersten Kilometer, in ihrem Kielwasser folgen Koen De Kort (SKS) und Ruben Perez Moreno (EUS). Der Zusammenschluss der beiden Tandems erfolgt bei Km 10, der Rückstand des Pelotons beträgt an dieser Stelle bereits 7’10’’. Die Führenden profitieren von der gravitätischen Gangart des Hauptfeldes (weniger als 30 Km in der ersten Stunde!) und setzen sich ab: Ihr Vorsprung wächst auf 12’45’’ bei Kilometer 43.
Columbia tritt 70 Km vor dem Zielstrich an
Die Teamgefährten von Fabian Cancellara sehen sich nicht veranlasst, eine atemlose Verfolgung aufzunehmen. Sie übernehmen nur ab und an die Führungsarbeit, beschleunigen aber nicht übermäßig das Tempo des Pelotons. Nach drei Rennstunden legen die Führenden des Tages eine Tempo von gerade mal 35,3 Km/h vor, und der Vorsprung beträgt noch stets 7’45’’. 70 Kilometer vor dem Ziel beschließen mehrere Formationen, die Verfolgung ernsthaft aufzunehmen. Die aktivsten Fahrer kommen wie schon am Vortag aus den Reihen von Team Columbia und erhalten Unterstützung durch Rabobank und La Française des Jeux. Dreißig Kilometer weiter ist das Schicksal der Ausreißer angesichts eines auf 3’ geschmolzenen Vorsprungs besiegelt.
Die Favoriten düpiert
Eine brutale Tempoverschärfung der gesamten Columbia-Mannschaft 30 Km vor dem Ziel verschlechtert die Ausganglage der Ausreißer. Drei Kilometer weiter werden sie von einer Gruppe überrollt, die insbesondere Sastre, Contador, Evans, A. Schleck und Mentschow ausgeschaltet hat. Insgesamt bilden 30 Fahrer dieses erste Peloton: Hushovd, Roulston (CTT), Armstrong, Popowitsch, Zubeldia (AST), Cancellara (SAX), Perez Moreno (EUS), Cavendish, Eisel, Grabsch, Hincapie, Kirchen, Martin, Monfort, Renshaw, Rogers (THR), Augé, Dumoulin, Kern (COF), Pineau (QST), Bouet (AGR), Gerdemann, Wegmann (MRM), Lemoine, Beppu, De Kort, Geschke, Hivert, Hupond (SKS).
Cavendish hält Hushovd in Schach
Zehn Kilometer vor dem Ziel nimmt der Gewaltakt von Columbia Form an, der Vorsprung auf das restliche «düpierte» Hauptfeld beträgt 35’’. Mit Hilfe der Fahrer von Astana, aber auch Skil-Shimano, behauptet die Gruppe ihren Vorsprung und bringt Cavendish ideal in Position, um seiner Sammlung einen weiteren Siegerstrauß hinzuzufügen. Auf dem letzten Kilometer lanciert der gelb-weiße Zug seinen Supersprinter vorbildlich 300 Meter vor dem Zielstrich. Es bedarf noch einer letzten Anstrengung, um Thor Hushovd auf Distanz zu halten. Die Methode «Cav» hat sich einmal mehr bezahlt gemacht.
Der deutsche Fahrer vom Team Columbia hat dank der Spaltung des Hauptfeldes im Schlussteil der Etappe den zweiten Platz der Gesamtwertung erobert. Morgen trägt er das Weiße Trikot des besten Jungprofis der Tour.
«Das Weiße Trikot ist natürlich eine tolle Belohnung. Darüber bin ich hocherfreut, aber es ist vor allem die Belohnung für die Arbeit der ganzen Mannschaft. Heute haben wir einen Plan ausgeführt un der ist voll aufgegangen, doch haben wir noch viel Arbeit vor der Brust. Jetzt bin ich der beste Jungprofi, der Zweitplatzierte der Gesamtwertung… Und auch das Bergtrikot ist eine Option, weil ich in der Wertung ebenfalls auf Rang zwei liege. Heute sind wir alle nur froh, dass Mark gewonnen hat. Das ist kein einfacher Bonus, dafür haben wir gearbeitet. Das zeigt seine ganze Klasse. Wir sind zwar etwas müde, haben diese Energieleistung aber gemeinsam vollbracht, genauso wie wir es morgen beim Mannschaftszeitfahren tun werden.»
Der Führende der Gesamtwertung war der einzige Fahrer von Saxo Bank, der Columbia auf dem Schlussabschnitt der Etappe nicht in die Falle gegangen ist. Er verbringt mindestens einen weiteren Tag im Gelben Trikot.
«Am Ende der Etappe war ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Dann musste ich hinten in der Columbia-Gruppe fahren. Mir blieb nichts anderes übrig, als um mein Überleben zu kämpfen. Am Ende gibt es Gewinner und Verlierer, soi st das nun mal im Sport. Schade, dass Andy Schleck Zeit verloren hat, aber das passiert eben bei der Tour de France. Es ist sicherlich nicht der beste Tag für Saxo Bank, aber immerhin habe ich etwas Zeit auf die anderen gut gemacht und trage weiterhin das Gelbe Trikot. Der Bruch im Hauptfeld kam zu einem Zeitpunkt, an dem viele nicht damit gerechnet hatten. Ich hatte aber über Funk mitbekommen, dass eine Rechtskurve anstand und anschließend eine Passage mit ziemlich starkem Seitenwind. Deshalb bin ich vorgeprescht, habe Erddämme übersprungen und kam zum richtigen Zeitpunkt nach vorne. Keine Ahnung, ob uns die heutigen Anstrengungen beim morgigen Zeitfahren teuer zu stehen kommen, aber das Kapitel der dritten Etappe ist abgeschlossen. Kommen wir zum nächsten Kapitel.»
Der Sprinter von der Isle of Man feiert seinen zweiten Etappensieg in Serie bei der diesjährigen Tour. Den sechsten insgesamt.
«Niemand sonst wollte fahren. Es hat mich trotzdem gefreut, dass sich Fabian Cancellara zu uns gesellt hat. Es hätte mir für ihn Leid getan, wenn er den Anschluss verpasst hätte. Saxo Bank hat zu Beginn des Tages gearbeitet, ehe wir sie abgelöst haben. Die anderen wollten wohl überwiegend Kräfte mit Blick auf das Mannschaftszeitfahren sparen. Garmin hat das beispielsweise gemacht, doch waren sie am Ende trotzdem zum Fahren verdammt, um nicht zu viel Zeit einzubüßen. Der Unterschied liegt darin, dass sie nicht um den Etappensieg mitgefahren sind. Unser Finish war beeindruckend. Ich konnte ruhig im Sattel bleiben, während sich die anderen ins Zeug legten. Am Ende habe ich die Ziellinie als Erster überquert, was zeigt, dass wir als einzige der Sprintermannschaften unsere Verantwortung übernommen haben. Die anderen sind wie Anfänger gefahren, deshalb ist es auch nur normal, dass sie Anfängerergebnisse erzielt haben.»
1. Cavendish
2. Hushovd
3. Lemoine
4. Dumoulin
5. Pineau
Insgesamt feiert Cavendish seinen sechsten Etappensieg bei der Tour de France. Er setzt sich im Sprint vor Thor Hushovd durch.
Wer kann "Cav" von seinem zweiten Etappensieg abhalten?
Der Absatnd beträgt 38’’.
Die Rennspitze hält das Tempo dank der Fahrer von Astana und Cofidis...