
Annecy
40.5 km
Donnerstag 23 Juli
Nachdem er die Konkurrenten auf den steilsten Anstiegen beäugt hat, liefert Alberto Contador beim Zeitfahren von Annecy eine eindrucksvolle Demonstration seiner Stärke ab. Der Spanier ist seinen direkten Widersachern im Kampf um den Gesamtsieg nicht nur weiter enteilt, sondern hat auch solide Zeitfahrer wie Fabian Cancellara und Bradley Wiggins hinter sich gelassen. Lance Armstrong profitiert vom Leistungsknick des Luxemburgers Franck Schleck, um den dritten Platz der Gesamtwertung zurückzuerobern.
Knapp 50 Km/h fĂĽr Ignatiev
Yauheni Hutarovich, der nach dem Sturz von Kenny Van Hummel auf der Etappe nach Le Grand Bornand die Rote Laterne erbte, ging als Erster auf die Strecke, wird aber kurz vor Schluss von Steven De Jongh ĂĽberholt. De Jongh setzt damit eine erste Duftmarke. Seine Bestzeit wird aber anschlieĂźend schnell von Nicki Terpstra und Mikhail Ignatiev unterboten. Mit einem Durchschnittstempo von 49,83 Km/h ist der Russe bereits Vorbote eines Atem beraubend schnellen Rennens.
«Spartakus» meldet sich zurück
Die Blicke richten sich auf Fabian Cancellara, der als Favorit auf den Etappensieg gehandelt wird und nach der ersten Hälfte des Starterfeldes auf die Strecke geht. Bei den ersten Messpunkten hält sich der Schweizer vornehm zurück. Aber «Spartakus» hat definitiv nicht alle Körner in den Alpen verschossen: Im Schlussabschnitt meldet er sich zurück und verbessert die Zeit Ignatievs um 12’’.
Moreau 42’’ hinter Cancellara
Gustav Larsson, der bei den Olympischen Spielen in Peking Rang zwei hinter Cancellara belegte, besticht letztlich mehr durch seine Leistung als David Millar oder David Zabriskie, indem er im Ziel vorläufig Rang drei einnimmt. Der einsetzende Regen verändert erheblich die Sachlage für die Sieganwärter, die erst zum Schluss auf die Strecke gehen. Christophe Moreau, der auf dem nassen Parcours doppelt aufpassen muss, um im zweiten Abschnitt nicht wegzurutschen, landet 42’’ hinter Cancellara, unmittelbar hinter Luis-Leon Sanchez.
Armstrong wieder auf dem Podium
Die Plätze auf dem Podium werden zum Teil beim Zeitfahren von Annecy bestimmt. Das denkt zumindest Bradley Wiggins, der alles daran setzt, um die im Anstieg zum Col de la Colombière am Vortag verlorenen Sekunden wieder aufzuholen. Das gilt ebenfalls für Lance Armstrong, der am Vorabend auch seinen Podiumsplatz einbüßte. Im Ziel profitiert der Amerikaner vom Leistungsknick Frank Schlecks, um erneut auf das Treppchen zu klettern. Wiggins bleibt der undankbare vierte Platz 5’36’’ hinter Contador, aber vor allem 11’’ hinter Armstrong.
Alberto, der kompletteste Fahrer
Für Alberto Contador, der schon in den Bergen einen komfortablen Vorsprung vor seinen Konkurrenten aufbauen konnte, hat das Zeitfahren mehr mit Image und Autorität zu tun. Der spanische Zeitfahrmeister, der für Andy Schleck heute außer Reichweite lag, konzentriert sich also auf den Etappensieg, der ihm das Statut des momentan komplettesten Fahrers im Feld verleihen würde. Nach den 40,5 Km unterbietet Contador die Bestmarke von Cancellara um 3’’. Sein Vorsprung auf Andy Schleck in der Gesamtwertung wächst auf 4’11’’.
Beim Einzelzeitfahren von Annecy hat Andy Schleck seinen 2. Platz in der Gesamtwertung verteidigen können. Die Mannschaft zählt auf die Etappe am Mont Ventoux, um seinen Bruder Franck ebenfalls wieder aufs Podium zu hieven.
« Es ist immer noch nicht vorbei. Wir werden uns am Mont Ventour unternehmungslustig zeigen. Wir wollen die beiden Schleck-Brüder auf dem Podium in Paris haben. Das ist das Ziel der Mannschaft, und wir haben noch nicht aufgegeben. Franck hat erwartet, heute Zeit und auch seinen gestern eroberten Platz auf dem Podium zu verlieren. Es ist eingetreten, sei’s drum. Er ist nach wie vor in hervorragender Form.
Und persönlich glaube ich, heute ein gutes Einzelzeitfahren absolviert zu haben. Viele haben mir gesagt, dass ich meine Position in der Gesamtwertung gut verteidigt habe. Ich habe noch nicht viel gesehen, aber ich weiss, dass Contador eine herausragende Zeit gefahren ist, mich aber zumindest nicht eingeholt hat. Demnach bin ich ein gutes Rennen gefahren. Ich bin einmal mehr beeindruckt von Contador. Er hat bewiesen, dass er heute der Stärkste war. »
Der Träger des Gelben Trikots hat das Einzelzeitfahren von Annecy gewonnen und damit seinen Vorsprung vor seinen unmittelbaren Rivalen vergrößert, angefangen bei Andy Schleck, der nunmehr 4’11“ zurückliegt.
« Ich war für diese Leistung gerüstet, es ist keine Überraschung. Gestern dachten alle in der Mannschaft, dass ich die Etappe gewinnen würde, ich war mir dessen aber gar nicht sicher. Ich wusste, dass es eine Möglichkeit dazu gab, ich wollte aber vor allem den Vorsprung auf meine Widersacher vergrößern
Jetzt heißt es, weiterhin das Gelbe Trikot zu verteidigen, denn es ist noch nicht vorbei. Beim Anstieg zum Mont Ventoux darf uns absolut kein Fehler unterlaufen. Ich fühle mich sehr gut, außer dass mir nach diesen 40 km die Beine weh tun, aber das ist normal. Dieser Sieg war sehr wichtig, aber wir müssen weiterhin konzentriert bleiben. »
1. Contador
2. Cancellara
3. Ignatiev
4. Larsson
5. Millar
Der Träger des Gelben Trikots gewinnt sein erstes Zeitfahren bei der Tour de France mit einem hauchdĂĽnnen Vorsprung von 3’’ auf die starke Zeit des Schweizers Cancellara.
Der Spanier beschlieĂźt gleich das Rennen...
Im Ziel belegt er Rang 20.
Der Kampf um Platz zwei in der Gesamtwertung hinter Contador wird enger denn je: Die zwei Schleck-BrĂĽder und Armstrong liegen ganz eng beieinander...