
Bourg-Saint-Maurice
159 km
Dienstag 21 Juli
Mikel ASTARLOZA© A.S.O.
Das war eine Etappe für einen aggressiven Fahrer, Kletterer und Abfahrtsspezialisten - alles Eigenschaften, die Mikel Astarloza verkörpert. Er ist schon früher unter die TOP 10 der Tour de France gefahren, aber in Bourg-Saint-Maurice holt er sich mit einer sensationellen Leistung einen Etappensieg. Er fuhr in einer Ausreißergruppe mit, die sich zwischen den beiden großen Anstiegen am zweiten Tag in den Alpen bildete. Während der Kapitän des Teams Euskaltel den größten Beitrag zu einer interessanten Etappe leistete, wurde Cadel Evans, der Zweitplatzierte der letzten beiden Auflagen der Tour, zum großen Verlierer im Rennen um die besten Plätze in der Gesamtwertung. Der Australier beendete die Etappe als 46. mit 3’55” Abstand auf den spanischen Sieger. Alberto Contador und Lance Armstrong führten auch heute Astanas Parade an und verteidigten ihren ersten und zweiten Platz im Gesamtklassement.
Die Etappe im Zeitraffer
Von der Schweiz über Italien zurück nach Frankreich: Die 16. Etappe der Tour de France 2009, die in Matigny startet und über das Aostatal nach Bourg-Saint-Maurice führt, hat eine Länge von 159 km und beginnt um 13h03. An den Start gehen 162 Fahrer. Die Strecke bietet zwei Hochgebirgspässe: Groß Sankt-Bernhard (außer Kategorie, Anstieg auf 2.473 m bei km 40,5) und der kleine Sankt Bernhard (2.188 m über NN bei km 128). Die Zwischensprints liegen in Sarre (km 78,5) und Pré-Saint-Didier (km 106).
Ausreißergruppe auf dem ersten Anstieg
Bouet (AGR) greift bereits nach 200 m der Etappe an. Ihm folgen zunächst Roulston (CTT) und dann weitere 19 Fahrer, die die Lücke schließen. An der 10-km-Marke haben die 21 Ausreißer – Roulston, Gomez Marchante und Haussler (CTT), Van den Broeck (SIL), Ten Dam (RAB), Martinez und Verdugo (EUS), Pellizotti und Kuschynski (LIQ), Moncoutié (COF), Fedrigo und Rolland (BBO), Gutierrez (GCE), Karpets (KAT), Bouet (AGR), Velits (MRM), Geschke (SKS), Cancellara (SAX) und Maaskant (GRM) – einen Vorsprung von 1’30”. Astana führt das Peloton auf dem ersten Anstieg mit zwei Minuten Abstand auf die Ausreißer zum Gipfel. Nach 2 km des Anstiegs löst sich Pellizotti von der Gruppe, ihm folgen Karpets (der Ausreißer mit der besten Platzierung im Gesamtklassement, 20. Rang mit 5’56” Abstand) und Martinez. Letzterer hält nicht lange mit und wird von den 15 anderen Fahrern eingeholt. Haussler, Roulston und Geschke fallen bereits früh auf den Anstieg hinter die Ausreißergruppe zurück. 10 km vor dem Gipfel hat das Peloton 3’15” Abstand auf den König der Berge und Karpets. Es gibt weitere Angriffe, einschließlich des Vorstoßes einer 15-köpfigen Gruppe, aber niemand schafft es, dem Gegenansturm des Pelotons unter Führung von Astana lange standzuhalten. Am Gipfel holt sich Pellizotti 20 Punkte (und 5.000 Euros für den Preis, der im Gedenken an Henri Desgrange an den Fahrer verliehen wird, der als erster den höchsten Pass der Tour de France 2009 überquert); Karpets begleitet den Italiener weiter. Die beiden haben 1’15” Vorsprung auf eine 24-köpfige Gruppe mit Fedrigo, Casar, Anton, Voigt, Astarloza, Velits, Ten Dam und Goubert. Am Gipfel hat das Feld mit dem Träger des gelben Trikots einen Rückstand von 2’05” auf die Führenden.
Evans verliert Zeit auf dem letzten Anstieg
Auf der Abfahrt bauen Karpets und Pellizotti ihren Vorsprung gegenüber ihren 16 Verfolgern auf 2’00” und sogar 5’10” auf das Feld (bei km 78,5) aus. Die beiden Führenden werden jedoch 60 km vor dem Ziel von den 16 Verfolgern eingeholt. Das Feld hat zu diesem Zeitpunkt 4’10” Abstand. Lefèvre greift als erster die Führungsgruppe an, aber Van den Broeck ist der aggressivste Fahrer an der Spitze. Der Belgier wagt regelmäßig Vorstöße und dünnt die Führungsgruppe 10 km vor dem Gipfel aus, aber außer Verdugo halten alle mit. Saxo Bank schickt 18 km vor dem Gipfel zwei Fahrer an die Spitze des Felds um das gelbe Trikot. Van den Broeck verschärft 6 km vor dem Gipfel das Tempo und Pellizotti ist der einzige, der reagiert. Zu diesem Zeitpunkt ist das Feld um das gelbe Trikot auf 31 Fahrer geschrumpt. Andy Schleck startet (etwa 7 km vor dem Gipfel) einen Angriff, dem nur Contador, Wiggins, Nibali, Klöden und Frank Schleck folgen können. Das führt dazu, dass sich die Gruppe um das gelbe Trikot auflöst und die größten Kollateralschäden tragen Evans und Sastre davon. Armstrong fällt kurzzeitig zurück, zieht aber dann im Tempo an, bis er etwa 2 km vor dem Gipfel wieder zur Gruppe um Contador aufschließt. Am Gipfel hat die Gruppe um das gelbe Trikot 2’15” Abstand auf die Führenden der Etappe. Evans und Sastre überwinden den zweiten Anstieg mit 4’00” Rückstand. Die Gruppe um das gelbe Trikot zählt zu diesem Zeitpunkt 16 Fahrer. Voigt erleidet jedoch gleich zu Beginn der Abfahrt einen schweren Sturz.
Astarloza holt sich seinen ersten Sieg
Auf der Abfahrt arbeiten vier Fahrer an der Spitze zusammen: Pellizotti, Astarloza, Moinard und Van Den Broeck führen mit 15” vor Roche, Goubert, Casar und Fedrigo. Moinard greift die Führungsgrupe 2.800 m vor dem Ziel als erster an. Er wird von den drei anderen schnell zur Ordnung gerufen. Dann aber gelingt Astarloza ein sensationeller Vorstoß auf der linken Seite der Straße und fortan ward er nicht mehr gesehen. Er holt sich seinen ersten Etappensieg bei der Tour de France mit sechs Sekunden Vorsprung auf Sandy Casar, der einmal mehr, zum sechsten Mal insgesamt, Etappenzweiter wird. Pellizotti baut seine Führung in der Bergwertung weiter aus und wird zum angriffsstärksten Fahrer der Etappe gewählt. Contador kommt als Zehnter mit 59” Abstand auf den Sieger ins Ziel und behält das gelbe Trikot.
Als Führender in der Bergwertung sicherte sich Franco Pellizotti die Höchstzahl der auf dieser Etappe zu vergebenden Punkte und baute seine Position weiter aus.
"Von dem Moment an, wo wir eingeholt wurden, haben wir bis zum Schluss zusammengearbeitet. Am Ende hat Astarloza gewonnen. Es ging auch um die Frage, ob Van den Broeck der stärkste ist. Er zeigt eine ausgezeichnete Leistung und ich finde, dass er es verdient, bei dieser Tour etwas zu gewinnen. Wir haben bereits in den letzten Tagen gesehen, dass er in Topform ist. Mich haben schon die letzten Etappen sehr viel Energie gekostet, aber das war es nicht, was dazu geführt hat, dass ich die Etappe verloren habe. Astarloza ist sehr stark und auch in der Lage, in die Gesamtwertung einzugreifen. Und er ist auch ja nicht erst seit gestern dabei. Für mich war es heute mit dem Anstieg gleich zu Beginn einfach, mich unter die Ausreißer zu mischen."
Andy Schleck, der heute Alberto Contador nicht vom Thron stoßen konnte, zeigte sich vor allem besorgt über den Gesundheitszustand seines Teamkollegen Jens Voigt, der auf der letzten Abfahrt des Tages stürzte.
"Wir fühlen uns im Moment gut, aber wir wussten, dass heute nicht viel zu machen sein würde. Wir haben es versucht, aber es war zu schwierig. Wir werden morgen sehen, ob wir was anders machen können. Ich weiß nicht genau, was mit Jens Voigt ist. Ich habe seinen Sturz nicht gesehen und auch nicht gehört. Es war keine sehr technische Abfahrt, aber das Tempo war hoch. Ich weiß, dass er ins Krankenhaus gefahren ist, aber ich weiß nicht genau, was er hat."
Nach der heutigen Etappe der Tour de France kann Mikel Astarloza seine Siegliste um einen prestigeträchtigen Eintrag erweitern.
"Ich bin überglücklich. Das ist meine siebte Tour de France und ich versuche jedes Jahr, eine Etappe zu gewinnen. Für mich geht ein Traum in Erfüllung. Es ist der schönste Tag meines Lebens. Dieser Sieg führt die Liste meiner Erfolge, die ich im Laufe meiner Karriere errungen habe, an. Ich habe den besten Moment abgepasst, um anzugreifen, weil ich wusste, dass ich im Sprint nicht der schnellste sein würde. Ich weiß aber, dass ich gute Ausdauer habe und einen Angriff über zwei Kilometer verteidigen kann. Das ist nicht leicht, insbesondere nach einer so langen Abfahrt. Ich habe geschaut, ob die anderen auf den Angriff von Moinard reagieren und habe die Chance ergriffen. Ich werde mich noch lange an diesen Tag erinnern."
Alberto Contador hat heute den ersten Tag der Tour 2009 im gelben Trikot verbracht. Der Führende im Gesamtklassement hat vor allem ein Auge auf den umtriebigen Andy Schleck geworfen.
"Irgendwann während des letzten Anstiegs fuhren wir mit fünf Fahrern aus unserem Team zusammen, als die Truppe von Saxo Bank das Tempo verschärfte. Wir haben gesehen, dass Andy bei weitem der stärkste in ihrer Formation war. Auf der Abfahrt konnte sich dann die Gruppe bilden und es gab keine großen Veränderungen, aber ich denke dennoch, dass diese Etappe ihre Spuren in den Beinen hinterlassen wird. Ich habe Lance nicht gebraucht, aber ich freue mich über die Art, wie er heute gefahren ist, dass er seinen Beitrag geleistet hat. Die Sache mit ihm läuft jetzt anders."
Viele Fahrer haben heute im Rennen um die besten Plätze in der Gesamtwertung herbe Rückschläge hinnehmen müssen, aber es besteht kein Zweifel daran, wer am Ende der 16. Etappe in Bourg-Saint-Maurice der glücklichste Mensch ist. Der Sieger des heutigen Tages, der sich seinen ersten Etappensieg holt, jagt dem Träger des gelben Trikots fast eine Minute ab. Hier die TOP 10 der Etappe:
1. Mikel Astarloza (ESP) EUS - 159 km in 4h14’20" (37,509 km/h)
2. Sandy Casar (FRA) FDJ mit 6" Abstand
3. Pierrick Fedrigo (FRA) BBO mit 6"
4. Nicolas Roche (IRL) ALM mit 6"
5. Jurgen Van Den Broeck (BEL) SIL mit 6"
6. Amael Moinard (FRA) COF mit 6"
7. Franco Pellizotti (ITA) LIQ mit 11"
8. Stephane Goubert (FRA) ALM mit 11"
9. Christophe Moreau (FRA) AGR mit 59"
10. Alberto Contador (ESP) AST mit 59"
Für Casar ist dies heute die sechste Etappe der Tour de France, die er auf dem zweiten Platz beendet.
Herzlichen Glückwunsch an Astarloza, der sich seinen ersten Etappensieg holt und seine Verfolger mit acht Sekunden Vorsprung auf Abstand hielt.
1. Astarloza
2. Casar
3. Fedrigo
4. Roche
5. Van den Broeck
Der Spanier holt seinen ersten Etappensieg bei der Tour de France.