
Besançon
199 km
Sonnabend 18 Juli
Auf der letzten Etappe für die Sprinter, bevor die Tour de France 2009 in die Berge geht, mussten sich die schnellen Fahrer damit begnügen, um den 13. Platz zu kämpfen. Vor ihnen fuhren zwölf Ausreißer, die 110 km lang hervorragend zusammenarbeiteten, bevor sie sich schließlich im Finish gegenseitig angriffen. Der stärkste war der russische Meister Serguei Ivanov vom Team Katusha. Er sicherte sich seinen zweiten Etappensieg bei der Tour de France - acht Jahre, nachdem er sich auf dem Weg von Pontarlier nach Aix-les-Bains gegen seine Mitstreiter beim damaligen Ausreißversuch durchsetzte. In Besançon winkte jedoch eine weitere Trophäe: Das gelbe Trikot rückte ins Visier von George Hincapie. Da er in der Ausreißergruppe mitfuhr, setzte das Team um Mark Cavendish nicht zur Aufholjagd an, da sich der Amerikaner das gelbe Trikot hätte holen können … auf dem achten Platz im Ziel verpasste er gelb um nur wenige Sekunden.
Die Etappe im Zeitraffer
Die Fahrer müssen sich bei der Tour de France 2009 erneut auf kalte Bedingungen einstellen. Die Wettervorhersage verspricht eine Höchsttemperatur von 18°C und Regen für die 199 km lange 14. Etappe von Pontarlier nach Besançon. Offizieller Start ist um 12h44 und es gehen 164 Fahrer auf die Strecke; Spilak (LAM) überschritt auf der 13. Etappe die zulässige Zeit, aber da er während des Rennens von Zuschauern aufgehalten worden war, drücken die Richter ein Auge zu und erlauben ihm, zur 14. Etappe anzutreten. Es ist die letzte Etappe der 96. Auflage mit drei Zwischensprints. Diese werden in Pulversheim (34 km), Dannemarie (67 km) und Baume-les-Dames (161,5 km) ausgetragen. Die Strecke bietet außerdem zwei Anstiege der Kategorie 3: den Côte de Lebetain (90,5 km) und den Côte de Blamont (111,5 km).
Hincapie übernimmt die virtuelle Gesamtführung
Nach 14 km initiiert Maaskant (GRM) zusammen mit 13 weiteren Fahrern einen Ausreißversuch, an dem sich auch Cavendish beteiligt. An der 18-km-Marke lässt sich der vierfache Etappensieger jedoch zum Hauptfeld zurückfallen. In der Spitzengruppe verbleiben Roulston (CTT), Voigt (SAX), Maaskant (GRM), Hincapie (THR), Roche (ALM), Bennati und Willems (LIQ), Le Mevel (FDJ), Minard (COF), Righi (LAM), Ivanov (KAT), Ciolek (MRM) und Timmer (SKS). Silence-Lotto, Quickstep, Rabobank und Euskaltel führen die Aufholjagd an und erlauben es den Ausreißern nicht, während der ersten Stunde ihren Vorsprung auf mehr als 30” auszubauen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit in der ersten Stunde ist die höchste der diesjährigen Auflage: 49,8km/h. Die Straßen trocknen und nach einer Stunde strammen Rennens nimmt das Feld Tempo aus der Jagd. Nach 53km beträgt der Vorsprung bereits 1’00”. Voigt hat bei km 57 eine Reifenpanne und erhält ein neues Rad vom neutralen Ersatzteilwagen, muss aber seinen Platz in der Ausreißergruppe aufgeben. Er wird bei km 60 vom Feld eingeholt. Ab der 55-km-Marke führt Astana das Peloton voran. Hincapie hat von den Fahrern in der Ausreißergruppe die beste Platzierung in der Gesamtwertung und übernimmt mit 5’30" Vorsprung an der 78-km-Marke die virtuelle Führung. Den größten Vorsprung erreichen die Ausreißer mit 8’50” nach 120 km. Bei km 145 löst das Team AG2R Astana an der Spitze des Hauptfelds ab und verkürzt den Abstand nach 150 km auf 8’00”.
Der Angriff beginnt
Hincapie greift als erster Fahrer in der Ausreißergruppe an. 35 km vor dem Ziel hat die Gruppe 7’05” Vorsprung auf das Peloton, als er beschleunigt. Die anderen holen ihn ein, aber es tut sich zumindest etwas an vorderster Front. Das Feld verkürzt den Abstand 25 km vor dem Ziel auf 6’25”. Maaskant greift die Gruppe an der Spitze 13 km vor dem Ziel an. Auch er wird schnell zur Räson gebracht, bis sich Ivanov an der 12-km-Marke aufbäumt und eine Bresche für Timmer und Roulston hinterlässt, die sich bei der Aufholjagd auf den russischen Meister zusammentun.
Der russische Meister vom Team Katusha sichert sich einen weiteren Sieg
Auf dem letzten Kilometer führt Ivanov mit 28” Vorsprung. Er hält alle anderen auf Distanz und siegt mit 16” Vorsprung auf Roche, der auf dem letzten Kilometer an Roulston und Timmer vorbeizieht. Hincapie geht als achter zeitgleich mit Roche über die Ziellinie und wäre das Peloton ihm mit 5’41” gefolgt, hätte er das gelbe Trikot übernommen… aber das Feld hat nur 5’36” Abstand, sodass Hincapie auf den zweiten Platz des Gesamtklassements vorzieht, aber nicht die Führung übernimmt. Cavendish führt das Peloton auf dem 13. Platz über die Ziellinie, aber Hushovd wird 14., weshalb das grüne Trikot weiterhin im Team Cervelo bleibt. Nocentini wird 46. und fährt einen weiteren Tag im gelben Trikot.
Der Mann, der das ins Rollen brachte, was ein erfolgreicher Ausreißversuch werden sollte, war Garmins Mann fürs Grobe, der Niederländer Martijn Maaskant. Auch wenn es ihm nicht gelungen ist, den ersten Etappensieg für sein Team zu holen, ist er dennoch zufrieden, dass er es zumindest versucht hat. Seine Belohnung waren die meisten Stimmen in der Wertung des angriffsstärksten Fahrers.
"Ich fühlte mich so, als hätte ich heute die Beine, um einen Vorstoß zu wagen und vielleicht die Etappe zu gewinnen. Letztendlich habe ich am letzten Anstieg angegriffen, aber leider hatten wir Gegenwind und es war ziemlich schwer, einen Vorsprung herauszufahren. Ich habe es zumindest versucht. Als Ivanov auf die Abfahrt am letzten Hügel ging, war er wirklich stark und ich bin beeindruckt, dass es ihm gelungen ist, seine Führung trotz des Winds bis ins Ziel zu verteidigen. Ohne Fahrer von Columbia in unserer Gruppe wäre es natürlich schwierig geworden, unseren Ausreißversuch so lange zu verteidigen, aber wir waren eine große Gruppe und eine Menge starker Jungs. Wir mussten eine Weile wirklich hart arbeiten, um uns vom Peloton zu lösen, aber letztendlich wuchs der Vorsprung."
Ein weiterer Tag und eine weitere Etappe im gelben Trikot für Rinaldo Nocentini. Er gestand seiner Truppe, dass er es ihnen nicht übel nehmen würde, die Führung auf der 14. Etappe zu verlieren, aber der Italiener ist dankbar für die Unterstützung, die er bei der Verteidigung des gelben Trikots erhalten hat.
"Es war heute ein schwerer Tag, weil wir alle von den Anstrengungen der letzten Woche müde waren. Wir hatten einen Fahrer [Nicolas Roche] vorn, deshalb mussten wir nicht anziehen, aber da [George] Hincapie in der Ausreißegruppe mitfuhr, bestand die Gefahr, das gelbe Trikot zu verlieren. 50 Kilometer vor dem Ziel schließlich sagte unser sportlicher Leiter Vincent Lavenu: ’Okay, los geht’s! Lasst uns die Jungs einfangen…’ Das war natürlich nicht möglich, aber wir mussten zumindest Schadensbegrenzung betreiben und das gelbe Trikot verteidigen. Ich habe den Jungs gesagt: ’Hört zu, mir ist es egal. Wenn ihr versuchen wollt, das gelbe Trikot zu verteidigen, ist das toll. Aber wenn ihr nicht wollt, ist das auch okay. Ihr habt in den letzten Tagen schon so hart gearbeitet, das es wirklich nichts ausmacht.’ Letztendlich habe ich die Führung mit fünf Sekunden Vorsprung behalten, weshalb ich mit dem Verlauf der diesjährigen Tour für mich vollends zufrieden bin. Und ich bin sehr dankbar für das Engagement meines Teams."
Beim letzten Start einer Etappe in Pontarlier führte Serguei Ivanov als 26-Jähriger eine Ausreißergruppe an. Der russische Meister war von der Startrampe Pontarlier aus erneut an einem erfolgreichen Angriff beteiligt, den er bis ins Ziel in Besançon verteidigen konnte. Der Veteran vom neuen Team Katusha weiß heute, was ein Etappensieg bei der Tour wert ist.
Für George Hincapie rückte das gelbe Trikot in greifbare Nähe, aber das Peloton traf mit 5’36’’ Abstand auf Ivanov und 5’20’’ auf Hincapie im Ziel ein. Nocentini, der heute Morgen mit 5’25’’ Vorsprung auf den Amerikaner gestartet war, behält die Führung in der Gesamtwertung.
Der angriffsstärkste Fahrer der 14. Etappe war Martijn Maaskant, aber der Mann, der den heutigen Ausreißversuch an der 24-km-Marke startete, muss sich in Besançon mit dem vierten Platz begnügen.
Die Top 5 der 14. Etappe:
1. Serguei Ivanov (RUS) KAT - 199 km in 4h37’46"
2. Nicolas Roche (IRL) ALM mit 16" Abstand
3. Hayden Roulston (NZL) CTT mit 16" Abstand
4. Martijn Maaskant (NED) GRM mit 16" Abstand
5. Sebastien Minard (FRA) COF) mit 16" Abstand
Serguei Ivanov geht im Trikot des russischen Meisters als Erster über die Ziellinie.
Ivanov schickt sich an, sich seinen zweiten Etappensieg bei der Tour de France zu holen. Die Situation ähnelt der Etappe von Aix-les-Bains 2001.
Ivanov liegt weiter an der Spitze und hält Roulston und Timmer mit 28" auf Abstand.