
Saint-Fargeau
192 km
Mittwoch 15 Juli
Mark CAVENDISH (GBR)© A.S.O.
Mark Cavendish stand vor einem Finish in den Straßen von Saint-Fargeau, bei dem es bis zur Zielankunft stetig bergauf ging, weshalb sich auch so genannte Puncher und nicht nur die Sprinter Siegchancen ausrechnen durften. Dennoch hat die Analyse des Streckenprofils offenkundig jegliche Zweifel bei dem überragenden Sprinter beseitigt, einmal mehr verließ er sich auf seine Teamgefährten, um die beiden Ausreißer Van Summeren (SIL) und Sapa (LAM) wieder einzufangen. Anschließend hat die Maschinerie von Columbia «Cav» für die letzten 100 Meter in die bestmögliche Ausgangsposition gebracht. Nachdem er die überzeugende Attacke von Tyler Farrar erfolgreich abwehrt, feiert Cavendish seinen vierten Tageserfolg, stellt seinen Rekord aus dem Vorjahr ein und streift das Grüne Trikot über.
Sturz bei Km 24
Bereits während des ersten Rennkilometers versuchen Roulston (CTT) und Beppu (SKS), aus dem Peloton auszuscheren. Der Rückendwind, der das Hauptfeld antreibt, behindert das Unterfangen der Angreifer, die bei Km 7 gestellt werden. Anschließend kommt wegen des hohen Tempos kein weiterer Ausreißversuch zustande, genauso wie eine kurze Rennunterbrechung aufgrund eines Hindernisses auf der Straße bei Km 15. Als nach einem neuerlichen Sturz bei Km 24 Verwirrung aufkam, suchten Van Summeren (SIL) und Sapa (LAM) das Weite, just vor dem Überqueren der Sprintlinie in Quincy.
44 Km/h nach drei Rennstunden
Das Ausreißerduo hat es mit einem akiven und wachsamen Peloton zu tun, das den ganzen Tag lange ein hohes Tempo geht. Unter diesen Umständen beträgt der größte Vorsprung vonVan Summeren und Sapa bei Km 40 4’45’’. Die Teams Columbia und AG2R verlangen den Ausreißern alles ab: Nach drei Rennstunden liegt die Durchschnittsgeschwindigkeit bei 44 Km/h, aber der Abstand beträgt nur noch 2’30’’.
Ein Massensprint zeichnet sich ab
Im Anstieg zur Côte de Perreuse spüren Van Summeren und Sapa den Atem des Pelotons in ihrem Nacken. Der letzte Punkt der Bergwertung, den sie auf dem Gipfel übrig lassen, wird von Pellizotti, Martinez und Kern hart umkämpft, doch behält der Italiener das bessere Ende für sich. Allerdings zeigen die Teams Garmin und Rabobank 42 Km vor dem Ziel erstes Interesse am Ausgang der Etappe. Die Bewegungen an der Spitze des Feldes legen die Vermutung nahe, dass sich ein Massensprint abzeichnet.
Farrar schrammt an Überraschung vorbei
Mit einem Vorsprung von nur noch 30’’ 15 Kilometer vor dem Ziel ist das Schicksal der Ausreißer schon besiegelt. Schließlich werden sie 5 Km vor dem Ziel vom Zug der Columbia-Fahrer und dem restlichen Hauptfeld eingefangen. Eine homogene Gruppe und eine bis auf den letzten Millimeter geölte Maschinerie befördert Mark Cavendish bis auf die letzten hundert Meter. Obgleich im Vorfeld aufgrund des Zielanstiegs Zweifel in Bezug auf seine Siegchancen laut wurden, zieht Cavendish einmal mehr an und weist all seine Rivalen in die Schranken. Dieses Mal schrammt Tyler Farrar an einer faustdicken Überraschung vorbei. Aber weder er noch Thor Hushovd können «Cav» letztlich davon abhalten, das Grüne Trikot zurückzuerobern.
Der Führende der Bergwertung hat in Franco Pellizotti seinen Hauptrivalen im Kampf um das Gepunktete Trikot erkannt.
«Heute ist mir klar geworden, dass die größte Gefahr in den nächsten Tagen von Pellizotti ausgeht. Als er attackiert hat, musste ich gezwungenermaßen folgen. Allerdings muss ich meinen Vorsprung deutlich vergrößern, denn ich weiß, dss er bei einem Gipfelsprintduell nach dem Anstieg viel schneller ist. Es wird schwer, das Bergtrikot bis nach Paris zu tragen.»
Mit seinem vierten Etappensieg bei der diesjährigen Tour übernimmt Cavendish auch die Führung in der Punktwertung.
«Ein Sieg ist ein Sieg. Im letzten Jahr sagten mir einige, ich sei ohne meinen Mannschaftszug nichts wert, obschon ich drei meiner vier Siege ohne den Zug erzielt habe. Man stellt Fahrer für die Sprintvorbereitung ab, weil bekannt ist, das ich im Finish nochmal zulegen kann. Man kann nicht für jemanden arbeiten, der vorher selbst nicht bewiesen hat. Eigentlich ist es kaum anders als früher: Vielleicht kann ich im Alleingang gewinnen, aber mit der Mannschaft kann ich gar nicht verlieren.
Heute habe ich sehr lange mit meinem Spurt gewartet, und es war mein knappster Sprint in diesem Jahr. Allerdings mussten wir uns auch erst auf die Situation einstellen und haben das gut hinbekommen. Wir sind bei den Sprints das dominierende Team, und wenn es so weiter geht, haben wir allen Grund, zufrieden zu sein.
Ich freue mich riesig darüber, das Grüne Trikot überzustreifen. Die Jagd auf Punkte bei den Zwischensprints ist zu gefährlich. Darüber haben wir noch nicht einmal gesprochen, aber es gibt eine stillschweigende Abmachung, keine Risiken einzugehen, um zwei Punkte zu ergattern. Weil Thor heute nur Fünfter geworden ist, habe ich einen ordentlichen Vorteil. Trotzdem wird es hart, denn seine Stärke hat er schon unter Beweis gestellt. Er ist fähig, sich in den Bergen einer Ausreißergruppe anzuschließen. Dennoch werde ich meine Pläne deswegen nicht ändern.»
Der Führende der Tour fühlt sich im Gelben Trikot allmählich so richtig wohl. Er weiß aber auch, dass seine Tage an der Spitze des Feldes gezählt sind...
«Es freut mich sehr, dieses Gelbe Trikot einen weiteren Tag tragen zu dürfen. Mein Team hat einmal mehr hart dafür gearbeitet, und ich hoffe es noch ein wenig weiter tragen zu können. Mir ist klar, dass der Freitag ein sehr schwerer Tag wird, und ich habe keinerlei Gewissheit, ob ich das Gelbe Trikot nach der Etappe noch tragen werde. Allerdings bin ich gut in Form und darf mir Hoffnung machen. Danach wäre es natürlich genial, das Trikot in Italien auf den Schultern zu haben, aber dafür müsste ich es bis zur Zielankunft in Verbier verteidigen können. Bei nur 6’’ Vorsprung vor Contador und 8’’ vor Armstrong erscheint mir das ein äußerst schwieriges Unterfangen.»
1. Cavendish
2. Farrar
3. Hutarovich
4. Freire
5. Hushovd
Nach dem bislang meistumkämpften Schlusssprint seit Tourbeginn feiert Cavendish seinen vierten Tagessieg vor Tyler Farrar.
Milram bestimmt das Tempo.
Auch Milram gut platziert...
Das Tempo wird immer schneller...