
Toulouse
172.5 km
Sonnabend 12 Juli
Team Columbia hat bei der Etappe nach Toulouse an allen Fronten gekämpft, die vom Sprinter Mark Cavendish am Ende des Massensprints gewonnen wurde. Seine Teamgefährten, die zunächst gearbeitet haben, um den Ausreißversuch des Tages unter Kontrolle zu halten und das Gelbe Trikot von Kim Kirchen zu verteidigen, haben ihm danach geholfen, um für das große Sprintfinale optimal positioniert zu sein. Seine Tempoerhöhung 200 Meter vor der Ziellinie ließ alle Rivalen chancenlos. Cavendish ist der erste Doppelsieger bei der Tour 2008.
Lefèvre attackiert im Alleingang
Einen Platz beim Ausreißversuch des Tages zu ergattern, verlangt den Angreifern zuweilen einiges an Mühe ab. So mancher Fahrer will sich an einem Abenteuer bei der Fahrt nach Toulouse beteiligen, angefangen bei den sieben Kandidaten des ersten Kilometers (Frischkorn -TSL-, Cheula -BAR-, Rosseler -QST-, Riblon -ALM-, Terpstra -MRM-, Vaugrenard -FDJ- und Augé -COF-), die nach nur 3 km an der Spitze abgefangen werden. Mehrere Gruppen von noch größerem Kaliber setzen sich danach ab, ohne das Peloton jedoch abschütteln zu können. Nach 35 Rennkilometern setzt sich Laurent Lefèvre im Alleingang in der Côte de Macarou ab. In seiner Spur dürfen sich dann drei Fahrer auf seine Verfolgung begeben : Txurruka (EUS), Riblon (ALM) und dann Pineau (BTL) holen ihn bei km 84 ein.
Crédit Agricole und Rabobank in der Nachführarbeit
Zu viert kann die Arbeit erfolgreich fortgesetzt werden : die Ausreißergruppe erreicht einen maximalen Vorsprung von 5’15’’ bei km 110. Die Situation verschlechtert sich dann aber rapide, als sich die Fahrer von Crédit Agricole - und mit ihnen vom Team Rabobank - 60 km vor dem Ziel an die Nachführarbeit machen. Auf weniger als 20 km sehen Laurent Lefèvre (BTL), Jérôme Pineau (BTL), Amets Txurruka (EUS) und Christophe Riblon (ALM) ihren Vorsprung dahin schmilzen, der beim Sprint in Rabastens nur noch 50’’ beträgt.
AusreiĂźer unter Kontrolle
Um die Verwirrung eines frühzeitigen Zusammenschlusses zu vermeiden, drosseln die Mannschaften der Sprinter genau so abrupt wieder das Tempo und halten dabei die Ausreißer an der kurzen Leine. Die Annäherung hat aber bereits weitere Angreifer inspiriert, wie etwa Niki Terpstra (MRM), der einen letztlich nicht von Erfolg gekrönten Gegenangriff unternimmt. 25 km vor dem Ziel kämpfen die Ausreißer weiterhin um ihre 50“ Vorsprung, bleiben aber vor allem unter Kontrolle. Die Situation bleibt unverändert bis 13 km vor dem Ziel, woraufhin Txurruka in Begleitung von Pineau noch einmal das Tempo anzieht und sich absetzt.
Cavendish überwältigend
Die beiden letzten Ausreißer leisten noch einige Kilometer lang Widerstand, müssen sich aber 3,5 km vor dem Ziel dem Peloton fügen. Die Vorbereitung des Massensprints wird daraufhin eingeleitet, und erneut sind die Fahrer vom Team Columbia in vorderster Front zu sehen, diesmal im Auftrag von Cavendish. Unter der roten Flamme liegen aber noch die Anzieher von Gert Steegmans an der Spitze. Der Belgier zieht 500 m vor der Ziellinie auch als erster Fahrer den Endspurt an. Die Reaktion von Cavendish, dem neuen Juwel der Weltspitze im Sprint, ist überwältigend. Auf weniger als 200 m überholt er all seine Rivalen und überquert die Ziellinie ohne Widerstand mit mehreren Längen Vorsprung.
Der Fahrer von Bouygues Télécom ist mit dem Brandt-Preis für den größten Kampfgeist ausgezeichnet worden und wird auf der morgigen Etappe die rote Rückennummer tragen.
« Bei den Witterungsbedingungen, die wir heute erlebt haben, war es wirklich eine schwierige Etappe : zu Anfang weil das Tempo sehr hoch war, danach weil es lange Geraden auf der Strecke gab. Es waren wirklich lange Anstrengungen erforderlich, um den Ausreißversuch erfolgreich zu gestalten, ich wollte es aber wirklich versuchen, weil ich heute gute Beine hatte. Und dann habe ich erst nach einer ganzen Weile erfahren, dass Jérôme in der kleinen Verfolgergruppe war, weil mein Ohrstöpsel defekt war, danach habe ich aber das Tempo gedrosselt, um mit ihnen zusammen fahren zu können. Als das Peloton wieder aufgeschlossen hat, konnten wir nicht viel unternehmen.
“Wenn man eine solche Attacke fährt, möchte man natürlich die Etappe auch gewinnen. Ich wollte es gerade heute versuchen, weil die Etappe nicht weit von mir zu hause endete. Ich stamme zwar aus dem Norden, habe mich aber schon vor zwei Jahren in der Region niedergelassen. Demnach habe ich alles auf den heutigen Tag gesetzt. Das Trikot zu zeigen ist schon gut, aber es ist noch besser, wenn man es mit erhobenen Armen zeigen kann. »
Die Berge zeigen sich am Horizont, doch Kim Kirchen unterstreicht, dass er und seine Gefährten vom Team Columbia trotz der Anstrengungen der ersten Woche noch frisch sind und bereit für die nächste Herausforderung der Tour de France 2008, das große Stelldichein in den Pyrenäen.
“Wenn man hart arbeitet, wird man dafür auch belohnt. So war es zumindest für das Team Columbia in der ersten Tourwoche. Ich kenne die Strecke der nächsten drei Tage sehr gut, und es wird sich vielleicht als Vorteil erweisen, eine Erkundung gefahren zu sein, man braucht aber auch noch gute Beine, um eine entsprechende Leistung abrufen zu können.
“Heute hat die Mannschaft gute Arbeit geleistet, um die Ausreißergruppe in einem angemessenen Abstand zu halten und dann den Sprint vorzubereiten. Als wir drei Kilometer vor dem Ziel angelangt waren, wusste ich, dass ich in Sicherheit war – bei einem Sturz hätte ich keine Zeit verloren -, so dass ich ein wenig ablassen und sicherstellen konnte, nicht noch in Schwierigkeiten zu geraten. Priorität war, bis 3 km vor dem Ziel vorne mit dabei zu sein. Es war wirklich gefährlich auf der nassen Strecke heute, und deswegen habe ich versucht, so weit wie möglich vorne mitzufahren.
“Jeder Tag im Gelben Trikot ist ziemlich hart. Das lerne ich jetzt so allmählich. Wir haben versucht, von Beginn an das Rennen unter Kontrolle zu halten, und es gab viele Angriffe. Die Mannschaft hat dies aber gut gemeistert. Man konnte im Finale sehen, dass wir immer noch relativ frisch sind und sogar noch unsere Sprinter zu einem sehr gelungen Finale führen konnten.”
Eine nasse Etappe am Vorabend zum ersten Tag in den Pyrenäen hat von Beginn an ein hohes Tempo vorgelegt, die übliche Ausreißergruppe wurde nach einer Verfolgungsjagd durch die Sprinterteams wieder gestellt. Alle waren dabei, doch niemand war schnell genug, um dem unwiderstehlichen Spurt der beiden jungen Stürmer vom Team Columbia – Mark Cavendish und Gerald Ciolek – zu widerstehen.
„Besser als so kann es nicht werden. Wir haben vor der Anreise zur Tour gesagt, dass wir eine dominierende Kraft sein würden, und nach einer Woche haben wir dies auch bewiesen. Wir haben gewonnen, das Gelbe Trikot erobert, und jetzt haben wir schon wieder gewonnen. Es ist somit klar, dass wir ganz oben angekommen sind.
“Ich habe den Giro vor zwei Monaten abgeschlossen, ich weiss also, was es heisst, über die Berge zu kommen. Das waren noch nicht die Pyrenäen, aber ich habe auch nicht das Ziel, in den kommenden Tagen irgendwelche Resultate zu erzielen; ich werde einfach nur versuchen zu überleben. Ich weiss nicht, wie viele Sprintetappen noch kommen, hoffentlich werde ich aber wieder dabei sein, wenn es soweit ist.
“Wir haben die Führung in der Gesamtwertung und das Ziel, diese auch zu behalten, so dass wir die erste Woche mit dem Gelben und Weißen Trikot zu schaffen. Und der erste und zweite Platz bei der Etappe zeigt, dass wir in einer starken Position sind.
“Ich war heute beim Finale ein bisschen weit zurück und habe das Rad von Gerald verloren, dann aber 10 Fahrer weiter hinten angezogen, ohne in Panik zu geraten, weil ich weiss, dass ich einen solchen Rückstand aufholen kann. Ich habe die Schnelligkeit dazu, aber ideal war diese Situation nicht. Ciolek hat angezogen, bevor ich bei ihm war, es hat aber dennoch perfekt geklappt. Ich konnte ihn schließlich einholen und dann noch stärker beschleunigen. Es war super, und ich freue mich riesig, dass er auch noch Zweiter wurde.”
1. Cavendish
2. Ciolek
3. Casper
4. Freire
5. Forster
Ciolek, Förster und Zabel unter den ersten 6 Fahrern im Ziel
Der junge Brite setzt sich auf der Ziellinie gegen Steegmans und Casper durch
Freire gleich hinter den Quick Step-Fahrern
Die Fahrer vom Team Quick Step an der Spitze…