Tagebuch der Etappe

etappe 3 - Saint-Malo Nantes 208 km
Montag 7 Juli

Französisches Doppel in Nantes

Romain Feillu, Samuël Dumoulin und Paolo Longo Borghini haben sicher nur die Absicht, einen Teil des Rennens an der Spitze zu verbringen, als sie William Frischkorn bei einem Ausreißversuch folgen, der auf dieser Etappe, die sich alle Sprinterteams rot im Kalender eingetragen haben, von vornherein als zum Scheitern verurteilt gilt. Nachdem sich die Ausreißer jedoch trotz einer Verfolgungsjagd, die das Feld organisiert, fast fünfzehn Minuten Abstand herausfahren, arbeiten sie perfekt zusammen und verteidigen ihren Vorsprung. Am Ende erweist sich Samuël Dumoulin auf der Linie als der beste Taktiker und dynamischste Fahrer. Für Romain Feillu werden seine Mühen und seine Eingebung mit einem gelben Trikot belohnt. Er ist der erste französische Fahrer, der seit Cyril Dessel bei der Tour 2006 das gelbe Trikot trägt.

Ăśber 15 Minuten Vorsprung
Die Länge der dritten Etappe kann William Frischkorn (USA – GAR), Initiator des heutigen Ausreißversuchs auf dem ersten Kilometer, nicht abschrecken. Ihm schließen sich Paolo Longo Borghini (ITA – BAR), Romain Feillu (FRA – AGR) und Samuël Dumoulin (FRA – COF) an, die sofort den Segen des Pelotons erhalten. Bei Kilometer 7 beträgt ihr Vorsprung bereits 3 Minuten. Ihr Abstand wird immer größer, ohne dass sich zunächst ein Team rührt. Nachdem ihr Vorsprung zwischenzeitlich ohne Gegenwehr auf 14’50’’ (bei km 66) anwächst, wird den Ausreißern aber klar, dass ihre Aufgabe nun doch etwas schwieriger werden könnte.

Crédit Agricole und Columbia in Aktion
An der Spitze des Felds bekunden die Fahrer von Columbia als erste ihre Bereitschaft, die Verfolgung aufzunehmen, wie es sich geziemt. Dank der Unterstützung der Teamkollegen von Thor Hushovd schrumpft der Vorsprung der Ausreißer schnell und verkürzt sich bei der Durchfahrt im Ort Maure-de-Bretagne, der genau auf halber Strecke liegt, auf unter zehn Minuten (9’50’’).

Das Tempo verschärft sich
Gezwungen, das Tempo merklich anzuziehen – von 35 km/h in der dritten Stunde auf 43 km/h in der vierten –, halten die Ausreißer den Abstand stabil. 20km vor dem Ziel mit 4’30’’ Vorsprung auf ein Feld, das infolge eines Sturzes 26km vor dem Ziel in mehrere Gruppen zerfällt, halten die vier Verbündeten einen Sieg allmählich für möglich – sofern sie nicht in ihren Bemühungen nachlassen.

Gelbes Trikot fĂĽr Feillu
Der Pakt zwischen den vier Angreifern hat auch 10km vor der Ziellinie noch Bestand und die 3’10’’ Vorsprung, über die sie verfügen, sind ein ausreichendes Kapital. Während Romain Feillu 18’’ vor Valverde über die Linie gehen muss, um sich das gelbe Trikot zu sichern, gilt es noch, die vier Anwärter auf den Etappensieg zu trennen, um die Rangfolge festzulegen. 2km vor dem Ziel hat es noch keiner von ihnen eilig. 500m weiter beschleunigt Dumoulin, was zunächst zur Folge hat, dass Longo Borghini zurückfällt. Nachdem Feillu und Frischkorn wieder gleichauf ziehen, ist klar, dass die drei den Etappensieg unter sich ausmachen werden. Auf den letzten 500m erweist sich Samuël Dumoulin als der Stärkste. Er bezwingt seine beiden Rivalen und holt sich seinen ersten Etappensieg bei der Tour de France. Romain Feillu, sein Wegbegleiter auf dem heutigen Ausreißversuch, übernimmt die Führung im Gesamtklassement und wird erster französischer Fahrer im gelben Trikot seit Cyril Dessel bei der Tour 2006.

 

William Frischkorn: “Ich habe mich super gefühlt.”

Sobald das Zeichen zum Start der Etappe gegeben wurde, setzte William Frischkorn von der Spitze des Felds zu einem Angriff an, der nicht mehr einzuholen sein sollte. Nach 208km wurde der 27-jährige Amerikaner auf der Ziellinie lediglich von Samuël Dumoulin geschlagen. Er ist jedoch Dritter in der Gesamtwertung und wurde als angriffsstärkster Fahrer der Etappe ausgezeichnet.

„Wir haben darüber gesprochen, wie die Chancen stehen, uns heute zu Anfang der Etappe erfolgreich abzusetzen und hielten es für möglich. Ich habe bei Kilometer 0 losgelegt und wir haben den Vorsprung den ganzen Tag lang gehalten. Es war auf jeden Fall überraschend, dass wir durchgehalten haben. Etwa 50km vor dem Ziel hatten wir immer noch acht Minuten Vorsprung und da haben wir alle angefangen, es für möglich zu halten. 20km vor dem Ziel haben wir uns alle angeschaut und uns wurde klar, dass wir eine echte Chance haben.
Der Sprint am Ende war lang. Er fing eigentlich schon zwei Kilometer vor der Ziellinie an. Dumoulin zog an und ich hatte eigentlich geplant anzugreifen, nachdem ich mein vorheriges Tempo verschärft hatte. Aber sein Timing war perfekt. Damit ging das Spiel richtig los.
Er ist ein tolles Finish gefahren und ich habe etwa 400m vor dem Ziel ganz leicht gezögert, aber ich glaube, das war mein Fehler. Aber ich ziehe meinen Hut vor ihm, er hat hervorragende Arbeit geleistet.
Ich habe mich klasse gefühlt. Ich bin begeistert, dass ich das gemacht habe. Es ist komisch, jetzt gerade auch leichte Enttäuschung zu verspüren.“

 

Samuël Dumoulin – “Wir wollten beweisen, dass wir ein starkes Team sind!”

Cofidis hatte bei der diesjährigen Tour de France bisher bei jedem Ausreißversuch Fahrer dabei. Heute wurde das Team dafür belohnt: ein Etappensieg für den wagemutigen Samuël Dumoulin.

„Es ist phänomenal. Ich habe schon längere Zeit nicht mehr mit einem großen Sieg gerechnet. Wann immer wir es versucht haben, war es nicht günstig, aber in diesem Jahr haben diejenigen Priorität, die etwas wagen, und das zahlt sich aus. Mit Roman Feillu, der ein viel versprechender Fahrer ist, im gelben Trikot und einem Etappensieg, das ist fantastisch. An drei aufeinander folgenden Tagen waren Fahrer von Cofidis bei den Ausreißversuchen dabei – Auge am ersten Tag, Chavanel am zweiten Tag und heute ich. Wir wollten beweisen, dass wir eine starke Truppe sind. Es spielt keine Rolle, ob wir im nächsten Jahr ProContinental werden; wir sind trotzdem ein Superteam. Ich widme diesen Sieg Herve Duclos-Lassalle und wünsche ihm gute Besserung. Ich persönlich habe die ersten beiden Tagen am Ende des Pelotons verbracht, weil ich Angst vor einem erneuten Sturz hatte. Ich habe in meiner Laufbahn viele Stürze gehabt, aber all das wird durch den heutigen Sieg ausgelöscht. Ich denke an all die Menschen, die mich unterstützen, vor allem meine Freundin Magali, die ich im Oktober heiraten werde.“

 

Romain Feillu: "Ich werde kämpfen, um es zu behalten."

Romain Feillu, der sich heute auf dem ersten Rennkilometer absetzte, wird auf der Linie von Samuël Dumoulin geschlagen, ist aber der erste französische Fahrer im gelben Trikot seit Cyril Dessel 2006. Ab morgen stellt er sich der Herausforderung im Zeitfahren von Cholet.

„Ich habe überhaupt nicht damit gerechnet, bei der Tour de France das gelbe Trikot zu tragen. Ich war durch eine Toxoplasmose geschwächt und konnte erst am 1. April wieder mit dem Training anfangen. Vor einem Monat war ich noch nicht einmal sicher, ob ich noch einen Platz im Team habe. Ich musste dafür kämpfen, hier antreten zu dürfen. Und gestern hatte ich noch Mühe, überhaupt mit dem Tempo des Pelotons mitzuhalten. Ich weiß also nicht, ob ich die Ausdauer haben werde, das Trikot zu verteidigen, aber was heute passiert ist, ist unglaublich.
Wir haben den ganzen Tag lang daran geglaubt, weil unser Ausreißversuch clever war. Jeder hat mitgespielt, und wir wussten, dass am Ende der Etappe unsere fünf Minuten Vorsprung bequem reichen würden. Wir haben uns abgesetzt, um zu gewinnen, nicht um des Ausreißens willen. Es aber tatsächlich geschafft zu haben, ist wunderbar.
Einmal habe ich nachts geträumt, dass ich das gelbe Trikot trage, aber in meinem Traum habe ich den Anstieg von Plumelec gesehen. Es ist zwei Tage später passiert, aber es ist trotzdem wunderbar. Jetzt muss ich das gelbe Trikot morgen im Zeitfahren verteidigen. Ich wollte an diesem Tag eigentlich meine Kräfte schonen, aber das wird dann wohl nichts! Ich werde kämpfen, um das gelbe Trikot zu behalten.“

 

Agenturmeldungen

17:49 - Die Top 10 der dritten Etappe

Samuel Dumoulin, der kleinste Fahrer im Feld, gewinnt seine erste Etappe bei der Tour de France. Er besiegt die anderen drei Ausreißer im Sprint und holt sich den Sieg, aber der Drittplatzierte kann sich mit dem gelben Trikot trösten.
Die ersten zehn Fahrer der dritten Etappe sind:
1. Samuel Dumoulin (FRA) COF
2. William Frischkorn (USA) TSL
3. Roman Feillu (FRA) AGR
4. Paolo Longo Borghini (ITA) BAR - Abstand 14"
5. Robbie McEwen (AUS) SIL - Abstand 2’03"
6. Erik Zabel (DEU) MRM
7. Oscar Freire (ESP) RAB
8. Thor Hushovd (NOR) C.A
9. Robert Forster (DEU) GST
10. Mark Cavendish (GBR) THR

17:45 - Menchov 40" weiter hinten

Die Verfolgergruppe um Menchov beendet soeben die Etappe mit 40 Sekunden RĂĽckstand auf die Gruppe um Valverde.

17:44 - McEwen fĂĽhrt Peloton ins Ziel

McEwen wird mit 2’02" Fünfter hinter Dumoulin.

17:43 - Ein groĂźer Tag fĂĽr Frankreich!

Mit dem Etappensieg von Dumoulin und Feillu, der lange vor Valverde, der noch unterwegs ist, über die Ziellinie geht, können die französischen Fans heute Abend feiern. Sie dürfen sich nicht nur über den erfolreichen Tag freuen, sondern auch über das gelbe Trikot, das morgen ein französischer Fahrer tragen wird.

17:39 - Sieg für Samuël Dumoulin

Der Fahrer von Cofidis schafft es, wieder an Feillu vorbeizuziehen und seinen Vorteil bis ins Ziel zu retten. Romain Feillu ĂĽbernimmt das gelbe Trikot.