Tagebuch der Etappe

etappe 19 - Roanne Montluçon 165.5 km
Freitag 25 Juli

Chavanel hat es geschafft

Nach einer Vielzahl ehrbarer Positionierungen und nicht von Erfolg gekrönten Attacken feiert Sylvain Chavanel in Montluçon seinen ersten Tagessieg bei der Tour de France. In einem Rennverlauf, der ihm oftmals schon zum Verhängnis wurde, hat der Kapitän von Cofidis eine lange Ausreißerfahrt mit Jérémy Roy unternommen. Der Sieg entschied sich erst auf dem letzten Kilometer in einem rein französischen Duell, das Sylvain Chavanel bestens im Griff hatte.

Ein Quartett auf der Verliererseite
Vier Fahrer büchsen bei Km 10 aus. Aber die Mannschaften Liquigas, Quick Step und Caisse d’Epargne, die nicht in der Ausreißergruppe vertreten sind, bedrängen Martinez (EUS), Ballan (LAM), Schumacher (GST) und Fédrigo (BTL). Der größte Vorsprung beträgt 1’05’’ beim Passieren des Croix-du-Sud (Km 17,5). Allerdings besteht ihr Ausreißerwille nicht gegen das entschlossene Auftreten des Pelotons. Bei Km 69 ist der Ausritt beendet.

Chavanel im Alleingang
Es ist der Auftakt einer ganzen Reihe neuer Attacken, die mehr oder weniger überzeugend wirken: Lequatre (AGR) und Langeveld (RAB), dann Duque (COF). Schließlich versucht Sylvain Chavanel bei Km 78 sein Glück im Alleingang. Zunächst kommt das Feld wieder an ihn heran, doch bei Km 81 legt er gemeinsam mit Jérémy Roy (FDJ) nach. Dieses Mal lässt man die beiden Fahrer ziehen. Bei Km 96 beträgt der Vorsprung 4’55’’.

Eine unorganisierte Verfolgung
Der Vorsprung wächst bei Km 125 maximal auf 5’05’’ an. Auf den letzten 40 Km wechseln sich die Formationen Liquigas, Quick Step und Barloworld in der Nachführarbeit ab und verschärfen das Tempo. Dennoch passieren Chavanel et Roy den Messpunkt 15 Km vor dem Ziel mit einem Vorsprung von 3’ vor dem Peloton, was auf einen erfolgreichen rennausgang für die beiden Ausreißer deutet.

Chavanel und der letzte Kilometer
Nachdem sie die Markierung 5 Km vor dem Ziel mit einem Vorsprung von 2’40’’ vor dem Hauptfeld passiert haben, wissen die beiden Fahrer, dass sie den Sieg untereinander ausmachen werden und bereiten ihre Strategie für den finalen Schlagabtausch vor. Chavanel und Roy warten die letzten 1000 Meter ab. Chavanel führt das Duo beim Einbiegen auf die Zielgerade an, Roy zögert seine Schlussattacke bis aufs Äußerste hinaus. Schließlich tritt er auf den letzten 300 Metern an, aber Chavanel, der die Attacke vorhergeahnt hatte, legt ein perfektes Timing an den Tag und hält seinen Rivalen in Schach. Er feiert seinen ersten Etappensieg bei der Tour de France.

 

Carlos Sastre: «Auf diesen Augenblick habe ich mein ganzes Leben lang gewartet.»

Der Führende der Gesamtwertung, Carlos Sastre, bereitet sich darauf vor, seine Spitzenposition beim Zeitfahren von Cérilly nach Saint-Amand-Montrond zu verteidigen.

«Bei einem Zeitfahren kommt es in erster Linie darauf an, den Streckenverlauf zu kennen, deshalb werde ich morgen früh auf Erkundungstour gehen. Für mich wird es sehr wichtig sein, die Zwischenzeiten von Fabian Cancellara zu kennen, der die Nummer eins der Welt ist. Ich werde auch den Vorteil haben, über die Zeiten von Mentschow und Evans Bescheid zu wissen. Ich zähle auf meine Stärke und meine Zuversicht. Ich fühle mich ziemlich locker.
Auf diesen Augenblick habe ich mein ganzes Leben lang gewartet. Der einzige Unterschied zu den anderen Zeitfahrveranstaltungen besteht darin, dass ich jetzt das Gelbe Trikot trage. Ansonsten weiß ich auch noch, dass meine Beine schmerzen werden, und ich vom Anfang bis zum Ende leiden werde.»

 

Andy Schleck: «Wir haben voll aufs Gaspedal gedrückt.»

Der Träger des Weißen Trikots, der sich bereits auf das Zeitfahren von Saint-Amand-Montrond konzentrierte, hatte seine liebe Mühe auf der Strecke von Roanne nach Montluçon.

«Für mich war das heute die härteste Etappe. Ich weiß auch nicht warum. Vielleicht war ich einfach nicht so gut drauf. Alle attackierten wie wild, und es gab einfach keine Zeit zum Verschnaufen. Wir haben voll aufs Gaspedal gedrückt, es war sehr schnell.
Ich weiĂź noch, dass ich mehrmals an das Ende des Pelotons gefahren bin, und stellte mir dann immer die Frage, wie ich danach wieder nach vorne kommen sollte. Sobald ich dann wieder vorne war, ging das Tempo hoch, und das gleiche Spielchen ging von vorne los. Ich war wirklich ĂĽberglĂĽcklich, als wir ins Ziel gekommen sind.
Man neigt dazu, sich eher auf die Alpen und die Pyrenäen zu konzentrieren, und sobald die überwunden sind, liegt es in der Natur der Dinge, das man im Wesentlichen an das Zeitfahren denkt. Es ist unklar, was einen erwartet. Es handelt sich eigentlich um den letzten richtigen Renntag. Heute war es also vor allem ein mentaler Kraftakt, mehr noch als körperlich.»

 

Sylvain Chavanel: «Daran hätte ich heute Morgen in meinen kühnsten Träumen nicht geglaubt.»

Der Cofidis-Kapitän hat den erfolgreichen Ausreißversuch des Tages erzwingen müssen. Anschließend galt es, Jérémy Roy in Schach zu halten, um seine erste Etappe bei der Tour de France zu gewinnen.

«Das ist die Bestätigung für meinen äußerst guten Saisonanfang und schon mein siebter Sieg in diesem Jahr. Allerdings hätte ich heute Morgen in meinen kühnsten Träumen nicht daran geglaubt. Gestern Abend war mein Rücken blockiert, und der Chiropraktiker musste mich in der Nacht behandeln. Deshalb bin ich heute der glücklichste Mensch überhaupt.
Während der gesamten ersten Rennstunde war das Tempo wirklich sehr hoch. Ich war stets unter den ersten zwanzig Fahrern, konnte mich aber trotzdem nicht an die erste Ausreißergruppe ranhängen. Weil ich so frustriert war, habe ich nachgesetzt, und als die Gruppe gestellt wurde, dachte ich mir, dass ich eine Gegenattacke starten könnte. Genau das habe ich dann getan.
Am Ende hatte ich leichte Zweifel, daher habe ich mich auch nicht getraut, schon drei Kilometer vor dem Zielstrich zu attackieren. Allerdings bin ich nicht in Panik verfallen und habe den Sprint stattdessen auf meine Weise angezogen. Ich wollte keinen Sprint aus dem Stand, wie er gestern zwischen Barredo und Burghardt zu sehen war. Ich habe einen fliegenden Sprint vorgezogen, und es hat geklappt.»

 

Agenturmeldungen

17:11 - Die Top 5 der Etappe

1. Chavanel
2. Roy
3. Ciolek
4. Zabel
5. Haussler

17:09 - Erster Etappensieg fĂĽr Sylvain Chavanel

Er kontert die Schlussattacke von Roy 300 Meter vor dem Zielstrich und behält die Oberhand.

17:07 - Chavanel siegt

Beide haben sich belauert und treten erst kurz vor der Ziellinie an. Chavanel gewinnt den Sprint von vorne.

17:05 - Noch 1000 Meter

Chavanel fĂĽhrt das Duo an...

17:05 - 2 Km

Immer noch keine Attacke, weder Chavanel noch Roy tritt an...