Tagebuch der Etappe

etappe 17 - Embrun L'Alpe-d'Huez 210.5 km
Mittwoch 23 Juli

Zweiter Sieg bei der Tour fĂĽr Sastre

Durch seine Attacke am Fuße des Anstiegs nach Alpe-d’Huez hat Carlos Sastre es geschafft, die Gruppe der Favoriten auf den Toursieg 2’ hinter sich zu lassen. Nach Ax – 3 Domaines im Jahr 2003 feiert er seinen zweiten Etappensieg bei der Tour de France und übernimmt vor allem die Führung in der Gesamtwertung.

Vier Männer im Galibier
Die Initiative von Peter Velits (MRM) bei Km 3, dem Di Gregorio (FDJ) und Perez (EUS) folgen, erscheint zunächst schwerfällig. Doch die Hartnäckigkeit der Ausreißer und die Verstärkung von Stefan Schumacher ab Km 15 verleihen der Ausreißergruppe den nötigen Schwung. Am Fuß des Anstiegs zum Col du Galibier haben die Führenden ein Polster von 5’45’’. Mit Schumacher an der Spitze erreichen sie den Gipfel. Der Vorsprung auf das Peloton beträgt 5’.

Di Gregorio auf der Abfahrt abgehängt
Zwar besteht keine unmittelbare Gefahr durch eine Aufholjagd des Feldes, doch gerät Rémy Di Gregorio auf der langen Abfahrt vom Col du Galibier ins Hintertreffen. Di Gregorio ist vorsichtiger als seine Weggefährten und verliert an Boden, was ihm rasch zum Verhängnis wird. Schumacher, Perez und Velits erreichen die Verpflegungszone eine Minute vor ihm. Die Situation wird auf den ersten Metern des Anstiegs zum Col de la Croix de Fer noch aussichtsloser: Di Gregorio weist einen Rückstand von 2’40’’ auf, das Feld liegt indes 7’20’’ zurück.

Velits im Alleingang
Aus dem Spitzentrio wird 20 Kilometer vor dem Col de la Croix de Fer ein Duo, als Ruben Perez abreißen lässt. Die schrittweise Tempoverschärfung der CSC-Fahrer unter der Führung von O’Grady, Sorensen und Cancellara sorgt dafür, dass Fahrer ausgesiebt werden, z.B. Chavanel, Nibali, Popowitsch und auch Di Gregorio. Perez fällt dem Tempo der CSC-Mannschaft ebenfalls zum Opfer, wie auch Schumacher, der Velits 6 Kilometer vor der Passhöhe nicht mehr folgen kann. Der Führende droht schließlich auch von der auf 20 Fahrer reduzierten Gruppe des Gelben Trikots eingeholt zu werden, behauptet auf dem Gipfel aber einen Vorsprung von 1’10’’.

Sastre attackiert
Jérôme Pineau (BTL) nutzt die Abfahrt, um 30 Kilometer vor dem Ziel an den Führenden heranzufahren. Er begleitet Velits bis zum Fuß des Schlussanstiegs, an dem ihr Vorsprung auf die Verfolger 1’10’’ beträgt. Das von der CSC-Mannschaft eingeleitete Manöver auf den ersten Hängen des Anstiegs bis nach Alpe d’Huez ist für die Ausreißer aber der Anfang vom Ende. Der von CSC bestimmte Störenfried der Favoritengruppe ist Carlos Sastre: Er attackiert schon auf dem ersten Kilometer und profitiert vom blinden Verständnis der Schleck-Brüder, die den Rest der Gruppe von einer Verfolgung abbringen. 12 Kilometer vor dem Ziel wird so brutal gesiebt, dass nur noch zehn Fahrer in der Favoritengruppe verbleiben: Valverde (GCE), F. Schleck, A. Schleck (CSC), Kohl, Valjavec, Goubert, Efimkin (ALM), Evans (SIL), Vandevelde (GAR), Samuel Sanchez (EUS). Denis Mentschow wird zeitweilig abgehängt und komm erst 7 Kilometer vor dem Ziel wieder an die Gruppe heran. Sastre hat dann aber schon ein Polster von 1’30’’ angehäuft.

Evans fĂĽhrt die Verfolgung an
Da sie das Vorhaben ihres Kapitäns, der virtuell in Gelb fährt, nicht gefährden wollen, teilen sich Frank Schleck und Andy Schleck die Verantwortung, Attacken von Goubert, Efimkin oder Valverde zu erwidern und zu kontrollieren. Die Kilometer verstreichen zum Vorteil von Sastre, der den Vorsprung ausbaut (2’20’’ 3 Km vor dem Ziel). Cadel Evans übernimmt die Führung der Gruppe und versucht, den Zeitgewinn des Spaniers in Grenzen zu halten. Samuel Sanchez und Andy Schleck überflügeln ihn auf dem letzten Kilometer, und er beendet die Etappe just hinter Frank Schleck, der das Gelbe Trikot an seinen Mannschaftskollegen abtritt. Im Generalklassement liegt Sastre nun 1’24’’ vor Frank Schleck, 1’33’’ vor Bernhard Kohl und 1’34’’ vor Cadel Evans.

 

Andy Schleck: «Ich bin zum Lernen hier.»

Der Träger des Weißen Trikots bei der Tour 2008 hat die Etappe nach Alpe d’Huez als Dritter beendet.

«Ich habe mich wirklich gut gefühlt, bin aber zum Lernen hier. Es ist eine gute Tour, obschon ich anders als andere Fahrer auch Schwächen gezeigt habe, weshalb ich in der Gesamtwertung so weit zurückliege. Ich bin aber optimistisch und freue mich über den dritten Platz in Alpe-d’Huez. Ich denke, dass ich etwas gezeigt habe, und glaube, dass heute niemand Carlos hätte folgen können. Er war unglaublich stark und sehr zuversichtlich, genauso wie er es sein muss.
Ich höre nicht hin, wenn man mir sagt, ich sei ein zukünftiger Toursieger. Ich bleibe mit beiden Beinen auf dem Boden. Was die Leute von mir erwarten, ist eine Sache, allerdings muss ich die Leistung bringen, um es zu erreichen. Und ich hoffe, dass ich eines Tages zurückkehren und es noch mal versuchen kann. Es war schon ein hartes Stück Arbeit, überhaupt bis hierhin zu kommen und das zu leisten, was ich in diesem Jahr erreicht habe. Ich weiß, dass es möglich ist, dass ich mit der Ambition auf einen Podiumsplatz zurückkomme. Warum auch nicht. Ich werde aber nicht sagen, dass ich eines Tages die Tour gewinne.»

 

Frank Schleck: «Unsere einzige Chance, die Tour zu gewinnen.»

Bei der Ankunft in Alpe d’Huez hat Frank Schleck das Gelbe Trikot an seinen Teamgefährten Carlos Sastre abgetreten.

«Unser Plan war, dass Carlos auf den ersten Metern des Anstieg attackieren würde, und dass ich dann meinerseits angreifen würde. Schließlich hat er den ganzen Anstieg bis ins Ziel im Alleingang bewältigt. Er verdient wirklich alles, was er heute bekommen hat. Ich bin keineswegs enttäuscht. Es freut mich, dass er das Gelbe Trikot übernommen hat, denn das ist unsere einzige Chance, die Tour zu gewinnen.
Ich habe keine Anweisungen bekommen, was ich zu tun hatte. Wir sind Profis und wir sind Freunde, also brauchte mir niemand zu erklären, wie ich zu fahren hatte. Alles ist genau nach Plan verlaufen, vom Anfang bis zum kritischsten Moment. Ich bin sehr stolz auf alle Fahrer, denn wir haben eine echt tolle Etappe erlebt.
Ich möchte nichts über die Sekunden sagen, die wir mit Blick auf Cadel Evans benötigen. Anschließend müsste ich mich sonst fragen, wie viele Sekunden mir fehlen, um auf dem Podium zu bleiben… Nein, wir haben heute unsere Taktik umgesetzt und wir werden sehen, was wir später unternehmen müssen. Tag für Tag. Was Cadel angeht, haben wir versucht, einige Attacken zu reiten. Wir wollten sehen, ob er Anzeichen einer Schwäche zeigt. Allerdings schien er niemals außer Atem, sodass wir so weitergemacht haben.»

 

Carlos Sastre: «Heute sind wir alle glücklich.»

Carlos Sastre gewinnt die Etappe von Alpe d’Huez und holt sich das Gelbe Trikot der Tour 2008.

«Wir haben eine großartige Etappe erlebt, und ein Team, das perfekte Arbeit leistet. Ohne die Unterstützung von Frank und Andy wäre das alles gar nicht möglich gewesen. Ich bin aus mehreren Gründen überglücklich. Solche Fahrer an meiner Seite zu haben, ist etwas ganz Besonderes: Jungs wie Fabian, Stuey, Nicki, Kurt, Vladdy, Jens Voigt und die Schleck-Brüder. Sicher ist das ein toller Moment für mich und für das ganze Team: das Gelbe Trikot und das Weiße Trikot für Andy. Heute sind wir alle glücklich.
Ich weiß weder, ob mein Vorsprung reichen wird, noch, wie das Zeitfahren am Samstag verlaufen wird. Ich möchte diesen Moment genießen und mit meinen Freunden feiern, weil sie fantastische Arbeit geleitet haben.
Beim Anstieg nach Alpe d’Huez musste man von weit hinten attackieren, denn mir war klar, dass ich für das Zeitfahren einen großen Vorsprung auf Evans herausfahren musste. Das war also meine einzige Chance. Von weiter hinten zu attackieren, wäre ein unverhältnismäßig hohes Risiko gewesen, denn auf dem Flachstück der Etappe wehte ein kräftiger Wind. Daher haben wir uns dafür entschieden, ein regelmäßiges und hohes Tempo bis zum Fuß des Schlussanstiegs anzuschlagen und dann zu beschleunigen. Im Normalfall ist ein Bergfahrer in der Lage, so eine Situation auszunutzen, und genau das habe ich getan.
Heute habe ich viel Kraft gelassen. Dieser Anstieg ist wirklich außerordentlich hart! Es heißt, man kann den Moment unter solchen Anstrengungen kaum genießen, doch wenn einem bewusst wird, dass man im Begriff ist, Zeit auf die Rivalen zu gewinnen, fühlt man sich rundum zufrieden. Das verhilft einem, alle Kräfte zu mobilisieren und so schnell wie möglich zu fahren.
Diese Mannschaft hat mir alles gegeben. Fahrer wie Fabian haben alles geopfert, um uns diesem Traum näher zu bringen. Die Medien haben viel berichtet, und ich bin froh, dass mir Frank bisher einen Großteil des Drucks abgenommen hat. Ich hoffe, dass alle zu schätzen wissen, welches Leistungspotenzial das Team CSC an den Tag legt.»

 

Agenturmeldungen

17:54 - Gelbes Trikot fĂĽr Sastre

Er übernimmt die Führung der Gesamtwertung mit 1’24’’ Vorsprung vor F. Schleck und 1’33’’ vor Kohl.

17:52 - Die Top 5 der Etappe

1. Sastre
2. Sanchez
3. A. Schleck
4. Valverde
5. F. Schleck

17:51 - Die Verfolger im Ziel

Die Verfolger sind im Ziel. Der RĂĽckstand des beim Zeitfahren favorisierten Evans auf Sastre beträgt 2’15’’.

17:48 - Sieg fĂĽr Sastre

Er feiert seinen zweiten Erfolg bei der Tour de France.

17:46 - Noch 1 Km

Sastre hat es fast geschafft. Aus der Verfolgergruppe tritt Sanchez noch einmal an. Andy Schleck setzt als Einziger nach.