Tagebuch der Etappe

etappe 13 - Narbonne Nîmes 182 km
Freitag 18 Juli

Cavendishs vierter Streich

Tag für Tag arbeitet der britische Sprinter Mark Cavendish daran, seinen Status als «schnellster Mann im Tourfeld» zu untermauern. Nach einer Etappe, in deren Verlauf ein Teil der Sprinterteams an der Verfolgung der auf dem ersten Kilometer ausgerissenen Brard und Terpstra mitwirkte, hat «Cav» wieder mal zugeschlagen. Er feiert seinen vierten Tagessieg und übernimmt Platz zwei in der Sprintwertung.

Nahezu zehn Minuten Vorsprung
Gleich der erste Ausreißversuch gelingt. Unmittelbar nach der Null-Kilometermarke attackieren Niki Terpstra (Nld – MRM) und Florent Brard (Fra – COF) und setzen sich mit Leichtigkeit und Tempo vom Feld ab. Bei Km 21 beträgt ihr Vorsprung 9’55’’, schmilzt dann aber unter dem Einfluss der Fahrer von La Française des Jeux und Columbia. In der Verpflegungszone haben die beiden Ausreißer noch ein Polster von 6’35’’.

Brotkrumen fĂĽr Lang und Kohl
Vier Anstiege der vierten Kategorie bringen Florent Brard 9 Punkte ein, während im Feld Sebastian Lang und Bernard Kohl, die beiden Führenden der Bergwertung vom Team Gerolsteiner, die Brotkrumen untereinander aufteilen. Auf dem Pic-Saint-Loup trägt die Arbeit des Pelotons erste Früchte: Vor Terpstra und Brard liegen noch 56 Km, allerdings haben beide nur noch einen Vorsprung von 2’40’’.

Terpstra im Alleingang
30 Km vor dem Ziel tritt Juan-Antonio Flecha an, an dessen Hinterrad sich Stéphane Augé klemmt. Terpstra hat wohl eine Vorahnung und lässt den verdutzten Brard stehen, um so der Gesellschaft von zwei Cofidis-Leuten aus dem Weg zu gehen. Trotz seiner Initiative hat der alleine führende Terpstra Augé und Brard im Nacken. 20 Km vor dem Zielstrich beträgt der Vorsprung des jungen Niederländers auf das Verfolgerduo 1’, doch geht insbesondere von der schnellen Gangart des Hauptfeldes Gefahr für ihn aus.

Cavendish die Rakete
Zehn Kilometer vor dem Ziel begraben die Sprinterteams die Sieghoffnungen des jungen Terpstra. Stef Clement (BTL) wagt einen Vorstoß, reiht sich aber rasch wieder ins Feld ein. Der Ausritt von Sylvain Chavanel (COF) dauert etwas länger. Doch 3 Km vor dem Ziel wird auch er vom Feld gestellt. Die Fahrer mit den schnellen Beinen machen die Sache auf der Zielgeraden unter sich aus. 500 Meter vor dem Ziel sieht es noch so aus, als sei Cavendish in einer nachteiligen Position eingeklemmt. Neben seiner Spurtstärke nutzt er seine Agilität, um sich einen Weg zu bahnen. Nachdem er einmal durchgestartet ist, lässt er all seine Rivalen mit Leichtigkeit hinter sich. Cavendish feiert seinen vierten Tagessieg bei der Tour 2008.

 

Oscar Freire: «Im letzten Jahr war ich besser.»

Der Führende der Sprintwertung hat beim Schlussspurt in Nîmes einen Teil seines Vorsprungs eingebüßt. Sein Grünes Trikot gerät insbesondere durch Cavendish in Gefahr.

«Romain Feillu und Heinrich Haussler haben mich auf den allerletzten Metern überholt. Das bedeutet, dass ich viele Punkte verloren habe. Ein idealer Tag sieht anders aus. Ich muss viel mehr auf Cavendish achten. Falls es in Dignes-les-bains zu einem Sprint kommt, kann er das Grüne Trikot übernehmen. Paris käme ihm auch sehr gelegen. Momentan habe ich das Grüne Trikot nicht sicher. Ich muss weiterhin fleißig Punkte sammeln. Wenn ich an einem Tag verliere, kann ich am Ende ganz leer ausgehen.
Ich bin nicht sonderlich zufrieden mit mir, da mein Sprint mir heute missraten ist. Im letzten Jahr war ich besser als jetzt. Zu Beginn der Saison lief es auch besser für mich.»

 

Cadel Evans: «Meine Verletzungen setzen mir nicht mehr so zu.»

Der FĂĽhrende der Gesamtwertung geht davon aus, dass die Teams seiner Rivalen rasch in die Offensive gehen werden.

«Meine Verletzungen setzen mir nicht mehr so zu, es dauert zwar noch etwas, aber es wird besser. Hier und da habe ich noch Schmerzen, aber irgendwann werde ich auch wieder auf meiner linken Seite schlafen können.
Wir haben keine durchgehende Mannschaft von Bergfahrern, doch Cioni und Popowitsch haben ihre Aufträge, und sie haben sich in den letzten Tagen ausgeruht. Um frisch zu den Alpen zu gelangen, sind sie sind nicht in Erscheinung getreten. Von Tag zu Tag werden die beiden besser. Dann habe ich auch den besten Mario Aerts an meiner Seite, den ich in den letzten Jahren gesehen habe. Bei allen Tour-Auflagen ist er mir ein guter Freund gewesen, und ich weiß, dass er in den nächsten Tagen ein tapferer Verbündeter sein wird.
Die CSC ist zahlenmäßig stärker aufgestellt, aber Rabobank ist nicht stärker als im Vorjahr. Ich denke also, dass Mentschow die Situation alleine in den Griff bekommen muss.
Die Tour kann an jedem Tag von jetzt an bis nach Paris entschieden werden, das gilt besonders in den Alpen und beim abschließenden Zeitfahren. Normalerweise bin ich ein Fahrertyp, der sich über drei Tourwochen hinweg steigern kann, das trifft aber auch auf die anderen zu. Sastre und Mentschow verfolgen das gleiche Ziel wie ich, und noch ist nicht klar, wer von beiden der stärkere ist.
Es ist nicht besser, wenn man zu bedächtig fährt, das gilt auch für Etappen wie die heutige. Wenn man die Zügel zu sehr schleifen lässt, verliert man die Konzentration.»

 

Mark Cavendish: «Ich habe den Zug von Liquigas genutzt.»

Mit seinem vierten Tageserfolg bei der Tour 2008 tastet sich Cavendish in der Sprintwertung an Oscar Freire heran. Das grüne Trikot ist aber noch kein erklärtes Ziel.

«Man hatte mir gesagt, es sei nicht windig, in Wirklichkeit gab es aber sehr viel Wind auf der Zielgeraden. Ich konnte mich 150 Meter vor dem Zielstrich nicht wirklich absetzen, wie ich es eigentlich wollte. Dennoch konnte ich beschleunigen, ein wenig Vorsprung herausfahren und diesen ins Ziel bringen.
Durch meine Erfahrung auf der Bahn habe ich mir die Grundlagen für die Schnelligkeit angeeignet. Ich besitze eine gute Beschleunigung, und genau das braucht man auf der Bahn. Diese Beschleunigung gibt mir die Möglichkeit, mich von den Konkurrenten abzusetzen und einen Abstand herauszufahren, wenn ich zum Sprint antrete. Danach halte ich meinen Vorsprung. Ich bin auch in bester Begleitung, und meine Erfolge sind auch auf die tolle Arbeit meines Teams zurückzuführen: Sie führen mich auf dem letzten Kilometer immer tadellos heran. Ich habe das Hinterrad von Marcus Burghardt genommen, der mich an den Zug von Liquigas geführt hat, und anschließend habe ich das zu meinem Vorteil genutzt, um die Etappe zu gewinnen.
Es gibt einen kleinen Witz über die sinkende Moral der anderen Sprinter, das ist aber keineswegs böse gemeint. Ich habe bereits vier Etappen gewonnen, bin aber immer noch nicht auf Tuchfühlung mit dem Grünen Trikot. Um dahin zu kommen, sind Klasse und Regelmäßigkeit gefragt, und dazu fehlt mir noch die Erfahrung. Ich kann eine Etappe gewinnen oder genauso gut auf Platz zehn landen. Indes belegen Fahrer wie Oscar Platz 2, 3, 2, 3…
Ich habe mich noch nicht entschieden, ob ich bis Paris dabei bleiben werde. Ich sehe alles Tag für Tag.»

 

Agenturmeldungen

17:40 - Die Top 5 der Etappe

1. Cavendish
2. McEwen
3. Feillu
4. Haussler
5. Freire

17:38 - Haussler Vierter

Bester Deutscher ist Heinrich Haussler auf Rang vier. Erik Zabel wird Achter.

17:37 - Cavendish gewinnt

Cavendish stellt Cipollinis Rekord ein und gewinnt seine vierte Etappe. Erik Zabel war zu frĂĽh im Wind und kann sein Tempo nicht bis zum Schluss halten. Auch die anderen Sprinter mĂĽssen die Waffen strecken.

17:35 - Columbia an der Spitze des Feldes

Gemeinsam mit mehreren Fahrern von Quick Step macht Columbia das Tempo, während auch die Fahrer von Agritubel sich platzieren...

17:33 - Chavanel eingeholt

Chavanel kann sich nicht absetzen, das Feld ĂĽberrollt ihn und bereitet den Massensprint vor...