Tagebuch der Etappe

etappe 8 - Le Grand-Bornand Tignes 165 km
Sonntag 15 Juli

Die Etappe im Rückblick

Rasmussen holt zum großen Coup aus

Wie in Mulhouse im Jahre 2005 und in La Toussuire im Jahre 2006 gewann Michael Rasmussen auch in diesem Jahr eine Etappe nach einem langen Ausreißversuch, in dessen Verlauf er zahlreiche Punkte eingestrichen hat, die sich im Hinblick auf die Bergwertung als entscheidend erweisen können. Der Däne, der die Etappe im Alleingang beendete, eroberte zudem das Gelbe Trikot, da Linus Gerdemann von T-Mobile mit 5’05“ Rückstand endete. Unter den Favoriten haben Moreau und Mayo im Finale wiederholt Angriffe gefahren. Letztlich konnte sich der Spanier absetzen und den zweiten Etappenplatz erreichen.

Schumacher unternehmungslustig
Da die ersten Anstiege sehr früh auf der Strecke angesetzt waren, ließen die Angriffe auch nicht lange auf sich warten. Unter den zahlreichen Versuchen wurde der erste von Lilian Jégou (Fra – FDJ) bereits bei Km 2 gestartet. Ihm folgten Schumacher (Deu - GST), Augé (Fra - COF), Sieberg (Deu - MRM) und Efimkin (Rus - BAR), die Gruppe konnte dem von Schumacher vorgegebenen Tempo jedoch nicht folgen. Eine ganz anders zusammengesetzte – aber immer noch von Schumacher als Tempogeber angeführte - Gruppe passierte den Gipfel der Côte du Bouchet-Mont-Charvin in Führungsposition.

18 Fahrer an der Spitze
Die Abfahrt inspirierte besonders Thomas Voeckler, der sich bei Km 30 absetzte. Hinter ihm sollte sich die Gruppe der Verfolger nach und nach zu einem angemesseneren Umfang reduzieren. Voeckler wurde jedoch beim Anstieg zum Col de Tamié gestellt und gesellte sich zu einer Gruppe von insgesamt 18 Fahrern, mit Gutierrez (GCE), Rogers (TMO), Voigt (CSC), Aerts (PRL), Goubert und Arrieta (A2R), Azanza und Verdugo (EUS), Schumacher und Kohl (GST), Le Mével (C.A), Hincapie (DSC), Augé und Moreni (COF), Willems (LIQ), Vaugrenard (FDJ) und Millar (SDV).

Entscheidender Angriff von Rasmussen
Der 20 km lange Anstieg zum Cormet de Roselend war durch eine Reihe von Abrissen und Zusammenschlüssen geprägt. Bernard Kohl lag fast den gesamten Anstieg über an der Spitze, doch sollte sich der Ausreißversuch von Rasmussen, der dabei Arroyo und Colom mit sich zog, als der entscheidende erweisen. Am Gipfel blieben nur noch drei Fahrer der anfänglichen Ausreißergruppe unter den fünf Fahrern, die ihn begleiten: Rogers, Goubert und Kohl. Die Abfahrt nahmen die sechs Fahrer mit 5’10“ Vorsprung auf das Hauptfeld in Angriff; Rogers und Arroyo sollten aber schwer stürzen, ihren Rückstand bis Bourg-Saint-Maurice zunächst wieder wettmachen.

Aufgaben von Rogers und O’Grady
Michael Rasmussen setzte weiterhin auf die Abnutzung der Kräfte seiner Widersacher im Anstieg von Hauteville. Der durch seinen Sturz geschwächte Rogers wurde umgehend abgehängt, genau wie Goubert und Kohl. Das Trio - das nur vom Namen und dem ersten Eindruck her als solches zu bezeichnen war, da Rasmussen alleine die gesamte Führungsarbeit bestritt - passierte den Gipfel mit 4’55“ Vorsprung auf das Hauptfeld. Der an der Schulter verletzte Michael Rogers erreichte den Gipfel nicht mehr und verließ die Tour de France, genau wie Stuart O’Grady, der in derselben Abfahrt gestürzt war.

Moreau und Mayo offensiv
Die letzte Schwierigkeit des Tages führte hinauf nach Tignes. 20 km vor dem Ziel gab Rasmussen noch einmal Gas und distanzierte endgültig Arroyo und dann Colom. Dahinter wurde von Christophe Moreau ein Selektionsrennen gefahren, insbesondere mit einem Angriff 15 km vor dem Ziel. Nach drei Kilometern und abwechselnd gefahrenen Attacken von Moreau und Mayo beschränkte sich die Elite auf sieben Fahrer: Moreau (A2R), Schleck (CSC), Contador (DSC), Mayo (SDV), Kascheschkin (AST), Valverde (GCE) und Evans (PRL). Da es aber unmöglich war, einen signifikanten Vorsprung herauszufahren, haben sich die sieben Rivalen für die Gesamtwertung letztlich nur neutralisiert. Einzig Iban Mayo gelang es 5 km vor dem Ziel, sich abzusetzen und den zweiten Platz bei dieser Etappe zu erobern, mit 2’47“ Rückstand auf Rasmussen. Der Däne nahm damit nicht nur Chavanel das Gepunktete Trikot ab, sondern auch Linus Gerdemann das Gelbe Trikot.

 

Interviews

Erik Dekker – „Dies ist der neue Rasmussen…“

Der sportliche Leiter vom Team Rabobank ist realistisch bezüglich der Aussichten von Michael Rasmussen, das Gelbe Trikot bis nach Paris zu behalten, aber zumindest ist er derzeit wieder der Star der Tour de France. „Er ist sicher, die Führung zumindest einen Tag zu behalten,“ scherzte Erik Dekker am Vorabend des Ruhetages. „Aber ich glaube, wir werden auch in den Pyrenäen noch viel mehr von ihm sehen.“

Das Peloton hat das ermöglicht, was Rasmussen heute erreicht hat. Gestern haben wir gesehen, dass alle sehr ängstlich waren. Es gibt keine Mannschaften, die so fahren können, wie Discovery dies in den letzten paar Jahren der Herrschaft von Lance getan hat, und so ist es ein ganz anderes Rennen. Ich habe mich gefragt, was passiert wäre, wenn Rasmussen gestern beim Anstieg zum Colombiers angegriffen hätte; er hat es nicht getan, aber ich glaube, er hätte gewinnen können.
„Heute haben alle für ihre Fehleinschätzung zahlen müssen: Michael hat ein paar Minuten herausgefahren, und obwohl sie ihn gejagt haben, sind sie nicht näher gekommen. Und er ist so gut, dass er keine Zeit mehr verloren hat… nicht einmal im letzten Anstieg, in dem alle Favoriten einander angegriffen haben und sehr schnell gefahren sind.
„Dies ist der neue Rasmussen. Er ist jetzt voller Zuversicht, und obwohl er in der Gesamtwertung führt, braucht er doch noch viel mehr Zeit auf die anderen, um die Tour de France gewinnen zu können.“

Linus Gerdemann - "Wir müssen unsere Optionen abwägen..."

Das Team T-Mobile hat gestern gefeiert, bei der achten Etappe aber mehrere schwere Rückschläge hinnehmen müssen. Der designierte Mannschaftskapitän – Michael Rogers – war bei einem Ausreißversuch in einer kontrollierenden Position und hat einen Vorsprung herausgearbeitet, der ihn zum virtuellen Träger des Gelben Trikots werden ließ… und dann stürzte er. Er musste wegen der erlittenen Verletzungen das Rennen aufgeben. Sein junger Teamgefährte – und Star der siebten Etappe – versuchte tapfer, sein Gelbes Trikot zu verteidigen, verpasste sein Ziel aber um nur 43 Sekunden.

“Ich habe alles versucht, und obwohl ich nicht meinte, es mit Michael Ramussen aufnehmen zu können, glaubte ich doch eine Weile, dass ich das Gelbe Trikot möglicherweise würde behalten können. Ich habe alles gegeben, was ich hatte, und ich glaube, dass ich darauf stolz sein kann.
“Es war kein guter Tag für die Mannschaft. Michael war unser Kapitän, und ihn in ausrichtsreicher Position stürzen zu sehen, ist ein schwerer Schlag. Wir müssen nun einmal schauen, was wir tun können. Morgen ist ein Ruhetag, und wir haben Zeit, um nachzudenken und unsere Optionen abzuwägen.
“Kim Kirchen hat mir beim letzten Anstieg sehr geholfen, und ich kann ihm für seine Arbeit nicht genug danken. Er hat für mich gearbeitet wie ein Tier, und es ist wirklich toll, solche Teamgefährten zu haben.”

Michael Rasmussen - "Alles ist möglich..."

Er hat die Krone des Bergkönigs in den letzten beiden Jahren weitgehend dank zweier Tage mit unwiderstehlichen Angriffen gewonnen, und Michael Rasmussen hat heute die Energie für einen weiteren großen Coup freisetzen können. Der Fahrer mit dem Spitznahmen „Hühnchen“ schoß einmal mehr am Cormet de Roselend aus dem Feld hervor, übernahm die Führung beim letzten Anstieg und in der Folge bis zum Sieg am Gipfel von Tignes. Der Sieger der achten Etappe trägt nun zudem das Gelbe und das Gepunktete Trikot.

“Das Ziel zu Beginn der Tagesetappe bestand darin, die gesamte Frustration loszuwerden, am Vortag nicht mit um den Sieg gefahren zu sein. Ich habe mich da ein wenig überraschen lassen, aber heute habe ich dies wieder wettgemacht. Wir haben versucht, das Rennen heute unter Kontrolle zu halten. Die Ausreißergruppe war beständig in Reichweite, und am Fuße des Roselend-Anstiegs habe ich meine Chance gesehen.
“Es war recht überraschend, dass es mir gelungen ist, dem Peloton schon beim vorletzten Anstieg Zeit abzunehmen, denn dieser war nicht wirklich für eine Alleinfahrt geeignet – es gab sehr viel Wind, und der Anstieg war nicht besonders steil -, letztlich aber gab es einen ziemlich heftigen Kampf hinter mir, und alle hatten genauso sehr zu leiden wie ich vorne.
“Ich habe ein sehr starkes Team, wir haben an den letzten beiden Tagen bewiesen, dass alles möglich ist, also auch die Verteidigung der beiden Trikots. Die Pyrenäen sind sogar noch härter als die Alpenetappen, alles ist immer noch ganz offen, und ich muss immer noch 110 km Zeitfahren hinter mich bringen, und das ist ja nicht wirklich meine Spezialität; was das Gelbe Trikot betrifft, muss ich demnach realistisch bleiben… aber das Gepunktete Trikot ist das, was mich am meisten interessiert, und ich glaube sehr wohl, es verteidigen zu können.”

 

Agenturmeldungen

17:49 - Die Top 5 im Ziel

1. Rasmussen
2. Mayo, + 2’47“
3. Valverde, + 3’12“
4. Moreau, + 3’12“
5. Schleck, + 3’12“

17:48 - Gerdemann

Der Träger des Gelben Trikots kommt mit 5’05“ Rückstand ins Ziel und muss selbiges heute wieder abgeben…

17:47 - Valverde greift im Finale an

Er greift auf den letzten Metern noch einmal an und wird Dritter…

17:46 - Valverde zurück

Er hat seinen Platz in der Moreau-Gruppe wieder eingenommen, während Mayo den Abstand noch einmal vergrößert hat und die Ziellinie als Zweiter erreicht…

17:45 - Mayo immer noch alleine

Dahinter haben Moreau, Evans, Kascheschkin und Schleck ihrerseits Valverde abgehängt…