Tagebuch der Etappe

etappe 6 - Semur-en-Auxois Bourg-en-Bresse 199.5 km
Freitag 13 Juli

Die Etappe im Rückblick

Nach zwei Jahren wieder Boonen

Nach zwei glücklosen Jahren war Tom Boonen heute in Bourg-en-Bresse auf der letzten Etappe vor den Alpen, die für die Sprinter prädestiniert war, wieder erfolgreich. Der frühere Weltmeister setzte den ganzen Tag auf seine Teamkollegen, um die Verfolgung des heutigen Ausreißers zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen. Bradley Wiggins, der im Alleingang ausriss, führte die Etappe über 190 km an, bevor er sich den Sprinterteams beugen musste. Auf den letzten 300m bahnte sich Boonen kraftvoll einen Weg zwischen den Sprintern, die noch im Rennen waren. Er übernimmt das grüne Trikot von Erik Zabel.

Cofidis, erneut vorn
Nach Stéphane Augé und Sylvain Chavanel macht Bradley Wiggins von dem französischen Team reden. Der Brite setzt sich bereits im zweiten Kilometer des Rennens ab, aber sein Beispiel scheint keine Nachahmer zu finden. Nur Andriy Grivko zeigt sich interessiert und startet einen Gegenangriff, aber zu spät: Bei km 11 hat Wiggins bereits 7’20’’ Vorsprung. Der Einzelkämpfer zögert nicht, einen komfortablen Abstand herauszufahren und liegt bei km 50 mit 15’ vorn.

Boonen gewinnt den ersten Sprint
Da sich das Hauptfeld offensichtlich zunächst für eine gemütliche Gangart entscheidet, sind die einzigen Bewegungen, die zu beobachten sind, die Punkte, die noch im Kielwasser von Wiggins zu erobern sind. Bei km 51,5 holt Boonen seinen ersten Sprintsieg bei der Tour 2007: Mit den 4 Punkten, die er bekommt, zieht er mit Erik Zabel gleichauf. Im Hauptfeld übernimmt das Team Cofidis die Zügel, um Sylvain Chavanel auf den höchsten Punkt des Anstiegs von Grandmont zu führen. Zwischenzeitlich wächst der maximale Abstand von Wiggins auf 17’30’’ an.

Schonfrist für Wiggins
Bei km 64,5 treten mehrere Teams auf den Plan. Die Wirkung zeigt sich schnell: Am Verpflegungspunkt (km 89) beträgt der Abstand von Wiggins nur noch 9’10’’. Als erfahrener Einzelfahrer hält er ein regelmäßiges Tempo und gibt nicht dem Druck nach, den vor allem das Team Quick Step orchestriert. Aber 30 km vor dem Ziel ist seine Initiative bereits zum Scheitern verurteilt: Der Abstand des Pelotons hat sich auf 1’30’’ verkürzt. Auch wenn die rührigsten Verfolger noch abwarten, handelt es sich für Wiggins nur um einen Aufschub. Sieben Kilometer vor dem Ziel wird der Brite eingeholt.

Boonen bahnt sich seinen Weg
In der Tradition der Massenankünfte zeichnet sich auch das Finale dieser Etappe ab, mit der Positionierung der Hauptkandidaten. Auf den letzten beiden Kilometern treten Freire, Zabel und Hunter stärker in den Vordergrund. Aber 400 Meter vor der Ziellinie beschleunigt Boonen und bahnt sich einen Weg, wo er sich mit Macht durchwindet. Im Ziel hat der Belgier eine Länge Vorsprung vor Oscar Freire.

 

Interviews

Bradley Wiggins – “Das ist die Tour – das darst nie nachlassen…”

Er hat bei der 2-Km-Marke einen Angriff gestartet und letztlich 191 km alleine bestritten, bevor er wieder eingeholt wurde. Aber Bradley Wiggins bedauert nichts nach diesem Tag, an dem er zum kämpferischsten Fahrer der Tour gewählt wurde.

„Ich wusste etwa 20 km vor dem Ziel, dass es keine Hoffnung mehr gab, die Ziellinie vor dem Peloton zu erreichen. Es war ein anstrengender Tag; ich fühle mich, als ob ich eine Bergetappe hinter mich gebracht hätte – so viel Energie hat es mich gekostet – aber das ist die Tour de France, und jeder Tag an der Spitze ist ein toller Tag. Ich bin jetzt nur froh, dass es vorbei ist.
„Mein Team war total glücklich. Es ist ein französisches Team, und die Werbung für die Mannschaft ist dasjenige, worum es in Wirklichkeit geht.
„Ich hatte gegenüber dem hinter mir heranrückenden Peloton nichts mehr nachzulegen. Ich konnte einfach nur weiterfahren und auf die unvermeidliche Einholung warten. Ich habe überhaupt nichts mehr gedacht, nur darauf gewartet, dass sie mich einholen. Das ist die Tour, du darfst nie nachlassen. Ich war ziemlich müde, wäre aber wahrscheinlich in einem ähnlichen Zustand, wenn ich einfach im Peloton mitgefahren wäre, so habe ich zumindest etwas davon, die ganze Zeit an der Spitze zu fahren.“

Fabian Cancellara - "Jetzt tauschen wir die Rollen..."

Nach einer Woche in der Führungsrolle bei der Tour de France ist sich Fabian Cancellara bewusst, dass sich jetzt alles ändern wird. Angesichts der Berge am Horizont hat er sein Gelbes Trikot aufgegeben, aber der schweizerische CSC-Fahrer glaubt, dass sein Nachfolger durchaus ein Teamgefährte sein könnte.

“Ich fahre im Gelben Trikot, und die Sonne scheint, und ich hatte eine gute Zeit. Morgen ist ein neuer Tag und bietet mir ein neues Ziel. Ich will nun meinen Teamgefährten wie Carlos Sastre und Frank Schleck helfen, weil sie die ganze Woche über tolle Arbeit für mich geleistet haben. Wir tauschen jetzt die Rollen: jetzt wird Fabian in gelb vorne fahren, und die beiden werden folgen… bis zu den Anstiegen, an denen sie dann übernehmen werden.
“Es war heiß heute, und ich gehe davon aus, dass es an den kommenden Tagen noch heißer werden wird. Die Tour fängt morgen eigentlich erst an.
“Diese Woche war etwas Besonderes. Es war wunderbar, es hat aber auch einige Zeit gedauert, um zu realisieren, was überhaupt passiert ist. Morgen werde ich bei den Berganstiegen versuchen, alles zu geben, dabei aber nur versuchen, meinen Mannschaftskameraden so lange wie möglich zu helfen. Heute war ein leichter Tag. Es war windig, nach dem gestrigen Tage aber, glaube ich, haben alle dasselbe gedacht: noch einmal ausruhen, bevor es dann richtig losgeht.“

Tom Boonen – „Ich habe die Liebe wieder gefunden…“

Tom Boonen hat gesagt, dass er heute die Liebe wiedergefunden hat. Das ist die Art des Belgiers zu sagen, dass er wieder in Siegerform bei der Tour de France ist, und obwohl es ein knappes Finale war, hatte er die Kraft, Oscar Freire und Erik Zabel im Sprint zu schlagen. Auf die Frage, wie ihm der Sieg gelungen ist, antwortete der Fahrer vom Team Quick Step-Innergetic mit dem Offensichtlichen: „Indem ich schneller als alle anderen gefahren bin.“ Er erobert damit am Vorabend der ersten Bergetappe auch das Grüne Trikot zurück. Die Liebe ist wiedergefunden, und damit auch sein Lächeln.

„Es war wie bei jedem Sprint in der Tour; es ging sehr hektisch zu, und auf den letzten Kilometern – mit aufkommendem Wind von rechts – wurde es sehr schwer. Es war schwierig, das Tempo hoch zu halten. Alle versuchten vorbei zu fahren… auf der linken Seite, auf der rechten, und wenn sie es geschafft hätten, wären sie auch unter mir durch gefahren. An der letzten Kurve, mit noch einem Kilometer bis zum Ziel, hat jemand mit dem Rad meine Schaltung berührt. Ich blieb auf 53x11 blockiert, und mein Rad machte alle möglichen Geräusche, und ich dachte: „Oh, das war’s schon wieder“. Da habe ich aufgehört, in die Pedale zu treten, doch die Kette blieb auf dem Zahnrad, da habe ich den Sprint wieder aufgenommen.
„Ich konnte nicht mehr schalten, dennoch konnte ich heute mit einem defekten Rad siegen.
„Das Grüne Trikot war das einzige Ziel für den heutigen Tag, und ich habe alle Punkte geholt, die zu holen waren. Nur beim letzten Zwischensprint hat mich Erik [Zabel] gefragt, nicht den Sprint anzugehen, da es nur noch 40 km bis zum Finale waren und es sehr viel Energie kostet, diesen Punkten unterwegs nachzujagen.
„Es wird ein harter Kampf werden, das Trikot bis nach Paris zu behalten. Zabel ist der härteste, älteste Krieger überhaupt, und er wird nicht aufgeben, bis wir zum Ende der Tour gelangen, aber ich glaube, ich bin bereit dafür. Das Beste ist, dass ich einen großen Vorsprung auf Robbie [McEwen] habe, und jetzt muss ich nur auf Erik achten… und ich glaube, ich bin ein kleines bisschen schneller.“

 

Agenturmeldungen

18:16 - Die Top 10 der 6. Etappe

Der Weltmeister von 2005 hat seine erste Etappe nach der Tour de France 2005 gewonnen. Die zehn besten Fahrer von Bourg-en-Bresse:
1. Tom Boonen (BEL) QSI - 199,5km in 5h20’59" (37,291km/h)
2. Oscar Freire (ESP) RAB
3. Erik Zabel (GER) MRM
4. Sebastian Chavanel (FRA) FDJ
5. Thor Hushovd (NOR) C.A
6. Daniele Bennati (ITA) LAM
7. Robert Forster (GER) GST
8. Robert Hunter (RSA) BAR
9. Romain Feillu (FRA) AGR
10. Murilo Fischer (BRA) LIQ

18:13 - Boonen gewinnt

Erster Etappensieg von Boonen bei der diesjährigen Tour de France.

18:12 - Milram zieht an

Erik Zabel ist direkt hinter zwei seiner Teamkollegen.

18:12 - 2 km bis zum Ziel

Tosatto gibt das Tempo an, T-Mobile zeigt sich auch...

18:11 - Gerolsteiner an der Spitze

Wegmann führt 3 km vor dem Ziel das Feld an, abgelöst durch Tosatto...